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Retro-Kritik: »Der 13te Krieger« (1999)

Spoilerfrei·3 / 5Sterne·28.2.2001·Kommentare:  0

Inhalt

Im Jahr 921 n. Chr. wird der arabische Edelmann Ahmed Ibn Fahdlan aufgrund einer Liaison mit einer verheirateten Frau zum Botschafter ernannt. So muss er unglücklicherweise seine Heimatstadt Bagdad verlassen, um seinen Dienst in einem nördlich gelegenen Reich anzutreten.
Auf dieser Reise stösst Ibn Fahdlan auf einen Wikingerstamm, welcher die Botschaft erhält, dass in seiner Heimat eine unbekannte Macht ihr tödliches Unwesen treibt. Eine Seherin verweist auf 13 Krieger, die dem Spuk ein Ende bereiten sollen. Ibn Fahdlan, zur richtigen Zeit am falschen Ort, wird als 13ter auserkoren um den Wikingern beizustehen… .

Kritik

Er hätte wohl ein grosser Blockbuster werden sollen, doch beim ersten Begutachten des »13ten Kriegers« begreift man sofort, warum der Film schnell in der Versenkung verschwand.

So wird nicht viel Wert darauf gelegt, die Charaktere genauer einzuführen, was insbesondere bei Ibn sehr schade ist. Zudem wird aus dem friedlichen Botschafter allzuschnell ein kampferprobter Krieger, nur weil er sich im Lager der Wikinger ein arabisches Schwert schmieden kann. Fortan kämpft er ebenso wie seine Gefährten, ohne dass jemals wieder ein Wort über seine Unerfahrenheit fällt.

Über die Schwäche der flachen Charaktere kann weder die wunderbare Kulisse nicht hinwegtäuschen, noch die seltsam anmutenden Action-Szenen. Diese wirken zwar stets groß in Szene gesetzt, doch fehlt ihnen jegliche Tiefe: ein paar Tote hier und einge Schwerthiebe da und das war’s auch schon. Gerade an diesen Stellen hätte man Ibns eigentliche Unerfahrenheit im Kampf nutzen können um der Action das gewisse Etwas zu verleihen.

Trotz dieser Patzer vermag der Film eine gewisse Atmosphäre zu schaffen. McTiernans Bilder scheinen oftmals unpräzise und wie aus dem Stehgreif gefilmt und lassen den Zuschauer so unmittelbar am Geschehen teilhaben. Einige nette Details finden sich auch im Zusammenprall der zwei grundverschiedenen Kulturen und ihrer Religon. So verschmäht Ibn stets das Gebräu der Nordmänner, welches sich Met nennt. Allerdings nur bis ihm verraten wird, dass es aus Honig und nicht aus – den ihm verbotenen – Trauben gemacht wird. Leider sind Momente wie diese viel zu spärlich gesät.

Interessanterweise gewinnt man den Eindruck, als wäre sehr viel mehr Filmmaterial vorhanden als tatsächlich genutzt wurde. So wirkt das Action-Abenteuer irgendwie wie ein gestutztes Flickwerk, welches ein schöner Teppich hätte werden können.

Buch & Film

Um es vorwegznehmen: es handelt sich hierbei keineswegs um die übliche »schlampige« Romanverfilmung, eher das Gegenteil ist der Fall. John McTiernan (Regie) und Michael Crichton (Autor) konnten sich scheinbar nur nicht darauf einigen, welche Passagen des Buches wie umgesetzt werden sollten. So wurden einige Handlungselemente nur teilweise in den Fim aufgenommen, was letzten Endes zur Verwirrung des Zuschauers beiträgt. Beispielsweise ist die Einführung des intriganten Prinzen Wiglif im Film kaum von Belangen. Als einer der dreizehn Krieger einen seiner Schergen zum Duell fordert, bekommt man fast den Eindruck, als würde Wiglifs Präsenz lediglich als Vorwand für diese kleine Action-Sequenz dienen.

Andere Elemente wiederum wurden derart in Szene gesetzt, dass man gerne mehr erfahren möchte, obwohl diese Passagen exakt aus dem Buch übernommen zu sein scheinen. So wirkt die letzte Schlacht gegen jene »Die ihre Toten essen« (so der Name der Ungeheuer, welcher zugleich den Originaltitel des Romans darstellt) als Versuch eines Showdowns, welcher jedoch allzu bald und ohne jegliche Details oder Komplexität endet. Und doch entpricht sie, bis auf die Einarbeitung einer kleinen Sequenz in der Buliwyf (der Oberste Krieger der 13) einen Anführer tötet, der Vorlage aus dem Roman.

So nebenbei…

McTiernans und Crichtons Differenzen führten letzten Endes dazu, dass der Regiesseur das Projekt verließ. Crichton beendete dann die Dreharbeiten nach seinen Vorstellungen. Leider ist dieser Umtand wohl auch der Grund dafür, weshalb der Film keiner konstanten Linie folgt, denn weder die Details des Wikingerlebens noch die Kämpfe gegen die Ungeheuer können wirklich überzeugen und so gleitet »Der 13te Krieger« – trotz des vorhandenen Potenzials – ins Mittelmaß ab.

Zur DVD

Ländercode: 2 / Bildformat: 16:9, 1:21 anamorph, 4:3 / Disc Typ: DVD9 / Ton: Deutsch in Dolby Digital 5.1 & DTS; Englisch in Dolby Digital 5.1 (Untertitel nicht ausblendbar!) / www.concorde-home-entertainment.de

Die Bildqualität des 13ten Kriegers ist - auf einem Computermonitor - für eine DVD eher enttäuschend. Die Farben sind blaß und das Bild wirkt zu roh. Das liegt vor allem daran, dass einige Einstellungen unscharf und detailarm, andere wiederum zu dunkel sind. Betrachtet man den Film auf einem herkömmlichen Fernseher, fallen diese Schwächen kaum auf und es entsteht der Eindruck einer normalen Fernsehausstrahlung. Der Ton scheint die Übertragung auf DVD besser überstanden zu haben, denn dieser lässt sich nicht kritisieren.
Obwohl der Preis der DVD bei ungefähr 300öS liegt, wartet die Scheibe mit einigen Extras auf.
Das Menü ist nett animiert, übersichtlich und bietet Zugang zum Bonusmaterial:
Neben dem Original-Kinotrailer finden sich auch noch einige Trailer zu anderen DVD-Erscheinungen. Kurze Interviews mit dem Regiesseur, dem Autor und den Schauspielern verleiten in Anbetracht des fertigen Films zum Schmunzeln. Haben die den fertigen Film schon einmal gesehen? Weiters findet man noch Hintergrundinfos zum Wikingergerleben und Infos zu den Stars und zur Produktion in Textform. Interessant sind die Goofs, die einige der filmischen Ungereimtheiten ans Tageslicht bringen. Die mysteriöseste Funktion allerdings, ist der Soundtrack zum Film. Denkt man dabei an einige Audiotracks, die man anwählen und anhören kann, so belehrt uns die DVD eines Besseren. Diese bietet uns nämlich lediglich ein Standbild der Soundtrack-CD und einen 5 minütigen Zusammenschnitt von Jerry Goldsmiths Komposition. Unverständlich ist auch, dass die deutschen Untertitel in der englischen Sprachfassung nicht ausgeblendet werden können.

Zum Buch

255 Seiten, erschienen bei Knaur, www.droemer-knaur.de

Der Roman befasst sich unter anderem auch mit der beschwerlichen Reise ins Wikingerland und enthält auch eine genaue Beschreibung der verschiedenen Bräuche der Nordmänner.
Das Buch kann man uneingeschränkt empfehlen und ist -als Reisebericht aus der Sicht des Ibn Fadlan- sehr angenehm und vor allem spannend zu lesen. Vorausgsetzt sei aber, das sich der Leser an den manchmal vorkommenden brutalen und vulgären Passagen nicht stört.

Bewertung

Die Internet Movie Data Base gibt dem 13ten Krieger momentan 6.2 von 10 Punkten. Zusammengestetzt wird dieses Ergebnis aus den Stimmen der (gratis) registrierten User.

Auf Amazon.de ergeben die durchschnittlichen Leserbewertungen 3.5 von 5 Sternen. Allerdings bezieht sich diese Wertung nicht nur auf den Film sondern auf das ganze Produkt als DVD bzw. VHS-Kassette.

bensite.net gibt dem Film 5.5 von 10 Punkten mit dem abschließenden Kommentar: »Schade drum. Da hätte man mehr draus machen können«.
Diese Wertung wurde einzig und allein nach dem subjektivem Empfinden des Autors erstellt :-).


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