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Das Amt

14.6.2001·Kommentare:  0

Bisher dachte ich immer, die Fernsehserie MA2412 diene nur zur Unterhaltung. Aber scheinbar verbirgt sich hinter dieser eine erbarmungslose Dokumentation, die den realen Alltag in Österreichs Ämtern wiederspiegelt. Erst kürzlich soll sich in einem solchen folgendes zugetragen haben:

… schon im Warterraum quälte mich das erste Hindernis: »Wie bekomme ich bloß eine Nummer aus diesem Kasten?!« Irgendwo fand ich dann einen Hebel, der die Apparatur in Gang setzte und mir die Nummer 97 zuwies. Nach einigen Minuten Wartezeit ertönte schließlich ein Signalton und die Nummer auf dem Display über der Tür sprang von 96 auf 97. Etwas verunsichert öffnete ich die Türe und betrat jenen Raum, indem der Parteienverkehr abgewickelt wird. Nachdem ich Platz genommen hatte, trug ich mein Anliegen vor und begann in meiner Mappe zu wühlen. »Des san oba kane neichen Fotos!« gab die mir zur Verfügung stehende Sachbearbeiterin von sich. Diese Situation entschärfte ich noch mit einem lustig gemeinten »Naja, des mit dem Bart ist halt immer kurzfristig«, aber als Sie versuchte das Wort Niederösterreich zu entschlüsseln, konnte ich nur mehr hilflos zusehen: »Wos hast des? Niederö &hellip Niederöster … Niederöster … ah! Niederösterreich hast des!«. OK, beim Feld Bundesland gibt es ja immerhin 9 Möglichkeiten.

Um das plötzlich läutende Telefon kümmerte sich die Kollegin, und einer ihrer ersten Sätze dieses wichtigen Telefonats war: »Wast eh', mia san voi im Streß …«. Genau das dachten sich die draußen Wartenden auch, als das Gesprächsthema auf ein kleines, 45dag schweres Katzenbaby fiel, welches sich beim Springen um die eigene Achse dreht. Währenddessen kämpfte die andere mit dem Computerprogramm: » … jetzt geht des scho wieda net! Des bringt mi nu in die Klapsmühle, des Programm…«. Echter Streß schien hingegen einzutreten, als das 2. Telefon zu läuten begann und ein anderer Bekannter die bereits Telefonierende zum »Plauschen« in Anspruch nehmen wollte …

Kurze Zeit später war mein Fall bearbeitet und ich konnte das Amt mit einem Grinsen im Gesicht verlassen.



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