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Kino und andere Lügen

5.12.2001·Kommentare:  1

Warum gehen wir eigentlich ins Kino? Meistens um der Realität zu entfliehen. Oftmals machen es uns die Filmemacher aber nicht leicht ihre dargestellte Welt wirklich ernst zu nehmen, sie als Fluchtort zu akzeptieren.

Zum Beispiel Password Swordfish: Wenn jemand innerhalb von 60 Sekunden einen 128 Bit Code knackt, während ihm eine Pistole an die Schläfe gehalten wird und eine Blondine Dinge tut, die ich nicht einmal in den Mund nehmen würde - die Blondine hingegen schon, dann glaubt man doch, dass einem ein Informatikstudium für die spätere Karriere Spaß und Abenteuer garantiert. Ich denke allerdings kaum, dass ein Bewerbungsgespräch bei IBM oder Microsoft so ablaufen würde.

Apropos Blondinen: In Natürlich Blond haben 90 % aller Studenten einen Laptop in den Vorlesungen mit, um sich Notizen zu machen. Die Drehbuchautoren dieses Films haben also noch nie etwas mit Computern zu tun gehabt. Andernfalls würden sie wissen, dass man mit so einem Gerät und einer Partie Need for Speed (Computerspiel, Anm.) höchstens die Zeit in einschläfernden Vorlesungen verkürzen kann. Aber keinesfalls kann man damit vernünftig den vorgetragenen Stoff mitschreiben. Wer mir nicht glaubt, kann das ja einmal ausprobieren. Natürlich das Mitschreiben und nicht das Verkürzen der Zeit.

Wäre es also besser, das Publikum in die Planung eines Filmes mit einzubeziehen? Wohl kaum, denn wenn die ersten 20 Minuten von Der Soldat James Ryan das Publikum kalt lassen, aber eine Stunde später das Teilen eines gekauten Kaugummis zwischen zwei Soldaten einigen Besuchern ein »Ääähhh!!« entlockt, dann hätte Spielberg wohl die Munition gegen rosafarbenen Hubba Bubba getauscht. Und damit wären wir wieder am Anfang des Problems.

Vielleicht ist es auch einfach das Publikum, das die Flucht in die Fiktion verhindert. Raffinierte Soundsysteme wie Dolby Digital 5.1 und DTS versuchen uns die perfekte Geräuschkulisse vorzugaukeln. Leider nützt das gar nichts, wenn der Sitznachbar lauter atmet als Darth Vader oder wenn während Leos Tod in Titanic Quit Playing Games with my Heart als Handymelodie ertönt. Ebenfalls störend sind Leute, die nicht fähig sind, ihre mitgebrachten Snacks richtig zu öffnen. Das Resultat einer solchen Aktion sind dann 83 M&Ms die lautstark den Kinosaal hinunterrollen.

Aber vielleicht bleibt einem genau aus diesem Grund die eine oder andere Kinovorstellung in lustiger Erinnerung und das ist mindestens genau so viel wert wie eine zweistündige Realitätsflucht.



Ein Kommentar

#1 von Gernot am 7.12.2001, 16:15 Uhr

dein letztes Tagesgeschehen ist Zeitungs-Kollumnenreif!!!!!!!!1


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