Navigation überspringen

Auf Aufprall vorbereiten!

3.5.2005·Kommentare:  4

Ich habe schon einmal über sie geschrieben und seitdem hat sich nicht viel verändert. Ihre Motive mögen edel sein, ihre Methoden hingegen fragwürdig – ja, es ist Frühling und sie sind zurück: die klassischen Gehsteig-Keiler, die sich im Namen von Greenpeace und Co. mutig vor die Fußgänger werfen um Spendenverträge abzuschließen.

Wenn ich sage »vor die Fußgänger werfen«, dann ist das übrigens wörtlich zu verstehen. Um von den Spendenkriegern verschont zu werden, reicht es nämlich nicht, einfach nur desinteressiert an ihnen vorbeizugehen. Meistens muss man einen großen Bogen um sie machen und diese »Umweggeherei« ist, wenn man ihr täglich ausgesetzt ist, lästig. Deswegen habe ich versucht mir anzugewöhnen, einfach geradeaus weiterzugehen. Einfach so, als ob da niemand stehen würde. Bisher mit dem Erfolg, das beide Parteien zumindest knapp vor dem Zusammenstoß doch noch ausgewichen sind. Doch vor kurzem hat diese Taktik dazu geführt, dass ich ein armes kleines »Keiler-Mädel« gerammt habe.

Gerammt?!

Irgendwie ja. Trotz Sonnenbrille, Ohrhörern und zielstrebigen Schrittes (wie deutlich kann man eigentlich noch »Kein Interesse« sagen?) hat sich das Mädchen tapfer in meine Bahn geworfen und mit Händen und Füßen versucht mit mir Kontakt aufzunehmen. Sie hatte eine grüne Jacke an und wollte mir wohl sowas wie Äpfel, Telekom-Veträge oder Gras schmackhaft machen und dann ist es einfach passiert. (In dem Moment wusste ich plötzlich, wie sich die Raumschiff-Captains in den unzähligen Sience-Fiction-Serien und Filmen fühlen mussten, wenn sie die Warnung »Auf Aufprall vorbereiten!« von sich gaben.)

Tut es dir wenigstens leid?

Nachdem ich, in der Hoffnung, dass sie doch noch ausweicht, unausweichlich auf das Mädel zugesteuert und mit ihr zusammengestossen bin ging mir zuerst ein »Jetzt ist es passiert« durch den Kopf. Gleich danach meldete sich mein Gewissen mit der Frage »War das wirklich notwendig?« auf welche mein Verstand prompt mit »Nein!« antwortete.

Irgendwie tut mir die Sache ja auch leid. Dennoch habe ich mich nicht umgedreht um mich zu entschuldigen. Mit meinem Gewissen war das zwar schwer zu vereinbaren aber zumindest sprach rein logisch nichts dagegen. Hätte ich mich nämlich umgedreht und die volle Zeitspanne eines Ausweichmanövers mit einer Entschuldigung zugebracht, wäre der ganze Fauxpas auch noch umsonst gewesen. Das mag eine egoistische Ansichtsweise sein aber andererseits habe ich das Mädchen ja nicht gerade über den Haufen gerannt oder zu Boden gestoßen, ich bin einfach nur weitergegangen. Trotzdem frage ich mich: War das der erste Schritt in die Elgenbogengesellschaft, in die ich nie eintreten wollte? Bin ich kurz davor, ein grantiger Großstädter zu werden?

Liebes Grastragendes, Apfelverkaufendes Telekom-Mädel, falls du das hier liest, es tut mir wirklich leid!



4 Kommentare

#1 von Gregor am 3.5.2005, 11:22 Uhr

mit fremdsprachen abwehren: »je ne comprends pas!« das hab ich in der schule auch immer von mir gegeben, was mit den entsprechenden noten quitiert wurde. in diesem fall aber sehr effektiv!

#2 von Benedikt am 3.5.2005, 11:35 Uhr

Sowas hab ich mir auch schon gedacht. Das Problem dabei ist, dass ich dafür stehen bleiben und etwas sagen muss. Und wehe der Typ kann Französisch!

Ein schnelles »Schönökompropa!« im Vorbeigehen könnte allerdings funktionieren – so auf grantig gestresster Louis de Funès.

#3 von Gernot am 3.5.2005, 11:56 Uhr

Bin ich kurz davor, ein grantiger Großstädter zu werden?

…bald laufst herum und schimpfst laut auf der MaHü 🙂

#4 von Benedikt am 3.5.2005, 12:01 Uhr

Da kommt mir eine Idee für ein T-Shirt:

»Greenpeace schadet ihrer Psyche.«


Kommentieren

Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.