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Garden State

★★★☆☆·1.6.2005·Kommentare:  9

Das Regie- und Drehbuchdebüt von »Scrubs«-Star Zach Braff handelt von einem jungen und relativ erfolglosen Schauspieler (ebenfalls Zach Braff), der durch den Tod seiner Mutter gezwungen wird, seine Vergangenheit zu überwinden. Für das Begräbnis muß dieser nämlich seine Heimatstadt besuchen, wo er alte Bekannte trifft und erfährt was aus ihnen geworden ist. Leider ist die Geschichte wenig originell, stellt keine interessanten Fragen und liefert erst recht keine möglichen Antworten. Das abschließende »Der Augenlick zählt und ich liebe dich«-Geschwafel lasse ich im übrigen nicht als solche gelten.

»Garden State« ist ein ruhig dahinplätschernder Film, der hin und wieder mit lustigen Situationen aufwartet und von einem netten Soundtrack begleitet wird (Hörprobe im iTMS (USA)), im Großen und Ganzen aber einen recht unbefriedigenden Eindruck hinterlässt. Daran ändert auch eine mögliche Identifikation mit dem Hauptcharakter und seiner Lebenskrise nichts. Leider.

auf der Suche nach dem Sinn 3 von 5 Sternen

Trailer, Internet Movie Database (IMDb)



9 Kommentare

#1 von Sven am 1.6.2005, 14:37 Uhr

Ich fand den Film sehr sehr schön! Natalie Portmann ist zum dahinschmelzen und hey, dieser Kuss dürfte ja wohl ob seiner Uninszeniertheit in die Geschichte der gerade deshalb schönsten Filmküsse eingehen!
Nur der Largeman erinnerte mich die ganze Zeit an den Hauptdarsteller der Serie »Alle liebe Raymond« … Ich finde, die beiden sehen sich unheimlich ähnlich. Die Mimik hat mich zeitweise echt ein wenig aus dem Film gerissen.

#2 von Benedikt am 1.6.2005, 14:53 Uhr

Ich fand den Film sehr sehr schön!

Naja, »schön« gemacht mag er ja sein. Es gibt ein paar witzige grafische Spielereien (z.B. die mit Diplomen überladene Wand) und auch bildtechnisch finde ich das Werk durchaus OK. Aber in meinen Augen ist »Garden State« halt weder besonders herausfordernd, noch übermäßig komisch. Außerdem ist mir nicht ganz klar, was mir der Film eigentlich sagen will. Wenn man sich mit dem Charakter identifizieren kann und man aus seiner Sicht neue Erkenntnisse gewinnen kann, dann mag an »Garden State« ja was dran sein. Bei mir war das aber leider nicht der Fall.

Natalie Portmann ist zum dahinschmelzen

Ja, Rollen außerhalb von Star Wars bekommen ihr wirklich gut!

dieser Kuss dürfte ja wohl ob seiner Uninszeniertheit in die Geschichte der gerade deshalb schönsten Filmküsse eingehen

Wenn er nicht von besagtem Liebeserkenntnis-Geschwafel begleitet werden würde – den Satz fand ich wirklich unpassend kitschig und hätte ihn nie in einem Film wie diesem erwartet.

Nur der Largeman erinnerte mich die ganze Zeit an den Hauptdarsteller der Serie »Alle liebe Raymond«

Jetzt wo du es sagst – sie sehen einander wirklich ein bisschen ähnlich.

#3 von Sven am 1.6.2005, 15:38 Uhr

Wieso muss man denn aus jedem Film irgendwas mitnehmen für sich? Erkenntnisse gewinnen? »Was will uns der Autor damit sagen?«
Vielleicht will uns der Film auch nur einen Auschnitt aus Largemans Leben zeigen – informieren. Nicht mehr nicht weniger.
Ich finde diese Haltung immer etwas naiv. Sorry.

Bei der Kussszene reden wir glaube ich aneinander vorbei 😉
Ich meinte die Szene, wo die 3 im Regen in diesen Krater brüllten und er sie dann einfach ansah und küsste. Ganz ohne Worte.

#4 von Benedikt am 1.6.2005, 17:02 Uhr

Wieso muss man denn aus jedem Film irgendwas mitnehmen für sich?

Muss ich nicht. Aber wenn ich einem Film auch sonst nichts abgewinnen kann – sei es in Form von Unterhaltung, einer Message oder interssanten Sichtweisen – dann ist er meiner Meinung nach einfach nicht gut sondern allerhöchstens Berieselung die nur durch wagemutige Interpretationsversuche an Wert gewinnt. Für manche mag das OK sein, aber meine Filmkritik, meine Maßstäbe.

Vielleicht will uns der Film auch nur einen Auschnitt aus Largemans Leben zeigen – informieren.

Das ist aus künstlerischer Sicht sicher gerechtfertig. Nur zeichnet sich ein guter Film nicht dadurch aus, dass er uns einfach ein uninteressantes Leben zeigt.

Ich finde diese Haltung immer etwas naiv.

Und das von jemandem, der den Film »schön« findet weil Natalie Portman zum »dahinschmelzen« ist und einer der »schönsten Filmküsse« darin vorkommt? Ähem. 😉

Ich erwarte von einem Film einfach mehr als das in »Garden State« Gebotene. Außerdem stelle ich ja nicht blind eine Behauptung auf, sondern versuche diese immer mit Argumenten zu untermauern – und deswegen finde ich diesen Film bestenfalls durchschnittlich.

Bei der Kussszene reden wir glaube ich aneinander vorbei

Ich dachte, du meinst die am Schluß. Ja, die Regen-Krater-Szene ist wirklich nett und auch lustig, weil der 3. Typ einfach nur einsam und allein danebensteht.

#5 von Sven am 1.6.2005, 17:17 Uhr

So ganz inhaltslos ist der Film ja nun nicht.
Die eindeutige Message »Live your life right now« regt schon zum nachdenken an. Was tun wir nicht alles Tag für Tag, was wir aber eigentlich nicht tun wollen oder wo wir uns Spannenderes vorstellen könnten? Ich finde auch Largeman sehr symphatisch, als er Natalie fragt, was sie denn jetzt tun sollen? Prioritäten setzen. Dieser Film steht für Werte. Ist eine Aussage. Ein State of the art der gegenwärtig vorherrschenden Ratlosigkeit und Selbstfindung.
Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, uns zu positionieren und unser Leben zu gestalten.
Die Sache mit den Medikamenten sehe ich z. Bsp. im übertragenen Sinn für eine Art vom Leben mitgeschleift werden und sich den Gegebenheiten fügen.

#6 von Benedikt am 1.6.2005, 18:54 Uhr

So ganz inhaltslos ist der Film ja nun nicht.

Das stimmt. Mir ging es aber nicht um fehlenden Inhalt sondern um dessen Qualität. Die Diskussion darüber gestaltet sich natürlich als schwierig, weil dabei vieles vom persönlichen Geschmack abhängt. Aber hey, eine gute Diskussion ist ja nie verkehrt. 😉

Die eindeutige Message »Live your life right now« regt schon zum nachdenken an.

Diese Aussage kann man hineinterpretieren, allerdings bewegt sich mich nicht (mehr) zum Nachdenken. Das ist nämlich so ziemlich der erste Rat den man in einer Lebenskrise bekommt (vor allem von Hollywood ;-)). Von einem Film der dieses Thema 2005 behandelt erwarte ich einfach mehr.

Was tun wir nicht alles Tag für Tag, was wir aber eigentlich nicht tun wollen oder wo wir uns Spannenderes vorstellen könnten?

Das ist die Geschichte unseres Lebens – vielleicht haut mich gerade deswegen der Film nicht vom Hocker, weil er in meinen Augen etwas ganz Alltägliches erzählt. Etwas, mit dem man sich täglich herumschlagen muss. Wie gesagt, das kann man in einem Film sicher einbauen. Diesen aber ausschließlich aus solchen Elementen aufzubauen, reicht nicht.

Ist eine Aussage. Ein State of the art der gegenwärtig vorherrschenden Ratlosigkeit und Selbstfindung.

Genau hier liegt mein Problem. Für mich behandelt der Film dieses Thema nicht ausreichend und liefert nur einfache Standard-Antworten: »Lebe für den Augenblick, denn nur der zählt« – wenn ich Largemans Aussage am Ende so interpretieren darf.

Übrigens: Danke dass du der erste Besucher bist, der in seinen Kommentaren die schönen französischen An- und Abführungszeichen (»«) benutzt!

#7 von sigrun am 3.6.2005, 10:49 Uhr

he aber der soundtrack ist echt nett.
halt voll gestopft mit lauter ruhigen klassikern, aber, in diesem sinne, eine nette zusammensetzung

mfg

#8 von ephraim am 1.10.2005, 0:08 Uhr

nun, eigentlich wollte ich mich nicht einmischen, aber wie’s halt so ist, will ich nun doch nicht schweigend dahinschwinden… ich hab den film gestern gesehen und ich war äusserst begeistert.

man kann das ganze ja auch anders sehen, aber ich bin froh um jeden film, der nicht versucht einem eine klare aussage aufzudrängen, denn davon wird man sowieso ständig überschwemmt. woher kommt dieses verlangen nach antworten oder aussagen? ich habe nichts gegen filme, die sich für etwas engagieren oder versuchen antworten zu geben. aber das muss doch nicht sein. finden muss man die antworten schlussendlich doch selber und um sie zu suchen bietet auch dieser film genügend terrain.

es gibt unzählige momente, die äusserst gekonnt von der kamera eingefangen wurden. nur schon die spiegelszene am anfang oder das neue hemd, welches er nach der beerdigung bekommt, ganz zu schweigen von der ritterrüstung, die vor der türe durchmarschiert, als er aus seinem rausch erwacht. alles nur sekundenaufnahmen, aber so schön ineinandergestrickt, wie ich es schon lange nicht mehr gesehen habe. und dadurch, dass beim film nichts wirklich überwiegt, kommen diese kleinen momentaufnahmen wunderbar zur geltung.
och…, nur schon die liebevoll ausgearbeiteten charaktere! und die gekonnte mischung von komik, tragödie und romantik. man hat nie das gefühl, es werde zu blöd oder zu schnulzig. und schlussendlich ist die geschichte, wie ich finde, keineswegs uninteressant. so erfährt man doch nur schritt für schritt largemans witzig-tragisch-skurrile geschichte, welche wunderbar in die gegenwärtigen ereignisse des films einfliessen.
der film ist doch nicht gedacht, um eingängig carpe-diem-thematik durchzukauen, dafür lebt er doch zu sehr von den momenten.

#9 von Benedikt am 1.10.2005, 19:19 Uhr

nun, eigentlich wollte ich mich nicht einmischen,

Ich bitte darum! Gerade mit Argumenten untermauerte Kommentare wie deines lese ich immer gern!

ich bin froh um jeden film, der nicht versucht einem eine klare aussage aufzudrängen, denn davon wird man sowieso ständig überschwemmt.

Das stimmt. Deswegen gefällt mir z.B. »The Big Lebowski« so gut. Da gibt es nicht unbedingt eine klare Aussage aber allein die Freundschaft zwischen einem Vietnam-Veteranen und einem Althippie finde ich einfach großartig. In »Garden State« sind mir diese Momente nicht oder zu wenig aufgefallen. Aber ich gebe zu, dass man dafür einen Film vielleicht öfter sehen muss.

es gibt unzählige momente, die äusserst gekonnt von der kamera eingefangen wurden.

Wenn man aufmerksam genug ist, diese Momente zu erkennen, dann hat der Film natürlich eine gewisse Wirkung. Mir bot der Film dafür aber zu wenig Anreize, weil es – in meinen Augen – die »klassische« Geschichte eines durchs Leben taumelnden Träumers ist. Es gibt sicher Zuseher, die das interessant finden und das ist gut so! Auch ich konnte mich teilweise mit Largeman identifizieren, darüber hinaus gab es aber für mich wenig Neues oder Interessantes um mich bei der Stange zu halten. Natürlich ist das aber sehr vom persönlichen Geschmack abhängig.

der film ist doch nicht gedacht, um eingängig carpe-diem-thematik durchzukauen, dafür lebt er doch zu sehr von den momenten.

Das hängt eben davon ab, wie man den Film sieht bzw. sehen kann – und ich konnte ihn nicht so sehen. Deswegen war es für mich eben nicht die tolle Kinoerfahrung. Wenn es Zuseher gibt, denn der Film mehr »gibt« ist das natürlich OK.


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