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Broken Flowers

★★☆☆☆·14.9.2005·Kommentare:  4

Jim Jarmuschs neuer Film ist eine etwas zähe Angelegenheit. Bill Murray ist auf der Suche nach seinem Sohn, von dessen Existenz er erst vor kurzem erfahren hat. Deswegen besucht der im Computergeschäft reich gewordene Mann seine frühreren Liebesbekanntschaften und wagt sich auf eine Reise in die Vergangenheit.

Wo heutzutage Bill Murray draufsteht erwartet niemand mehr seinen Humor der 80er und 90er, sondern dezent skurilles Filmvergnügen. Dieses ist oft eine Frage der richtigen Interpretation, welche bei »Broken Flowers« leider besonders schwer fällt. Denn anstatt dem Publikum einen Knochen vorzuwerfen, auf dem es herumkauen kann, präsentiert uns der Regisseur lieber ein leeres Blatt Papier, auf dem sich die eigene Phantasie nach Belieben austoben kann. Wer solche Filme mag, dem wird auch Jim Jarmuschs neues Werk gefallen, allen anderen rate ich lieber zu »Die Tiefseetaucher«.

mühsam 2 von 5 Sternen

Trailer, Internet Movie Database (IMDb)



4 Kommentare

#1 von Clara am 24.9.2005, 17:15 Uhr

Ich hab mir von dem Film echt viel erwartet. Aber man wartet die ganze Zeit, dass endlich was passiert und dann geht plötzlich das Licht an und man denkt sich:«Das wars jetzt? Hey, ich will wissen wer der Sohn ist!«Kindische Haltung, aber Erwartungen wollen nun mal befriedigt werden. Außerdem hätte Jarmusch jede 2.Szene wegschneiden können. Minutenlang einem fahrenden Auto oder fliegenden Flugzeug zuzuschauen, steigert die Spannung nicht gerade. Aber: es waren ein paar super Szenen dabei. Ich sag nur »Lolita«!

#2 von Benedikt am 25.9.2005, 20:38 Uhr

Stimmt, der Film ist wirklich etwas zäh und die Autofahr-Einlagen zu häufig. Dass Don für seine Recherchen oft & lang herumfahren muss hätte das Publikum schon bei ersten Auto-Sequenz begriffen. So ist das Gefühl vielleicht »echter«, weil wir tatsächlich mit vielen gleichen Szenen »gequält« werden, aber es trägt auch zur Trägheit des Films bei.

Aber: es waren ein paar super Szenen dabei. Ich sag nur “Lolita”!

Ja, da gab es eine interessante Überraschung.

#3 von Hanno am 2.10.2005, 11:16 Uhr

… vielleicht muss man ein bestimmtes Alter haben, um den Film zu geniessen ?!?
Ich habe jede Minute diese Films genossen … keine Explosionen, keine Schusswaffen, keine übersinnlichen Kräfte (Dinge, ohne die heute kaum noch ein Film auskommt).
Nur Gesichter, ein Weg (der, wie man ja weiss, das eigentliche Ziel ist) und ab und zu ein bisschen Situationskomik (z.B. das Photo des Hundes Winston).
Benötigt ist Phantasie (heute wohl ‘Fantasie’ geschrieben..) und Zeit, in sich selber hineinzuhorchen.
Ich habe den Film jedem in meinem Alter (zw. Murray u. Jarmusch) empfohlen.

#4 von Martin Zopick am 1.9.2008, 14:31 Uhr

Am Regisseur Jim Jarmusch scheiden sich die Geister: den einen sind seine Kameraeinstellungen zu lang, die Handlung zu dürftig – zu wenig Action – und die Schauspieler agieren oft mit Gesichtslähmung. Für andere hingegen machen gerade diese Kriterien die Qualität der Jarmuschfilme aus.
Der in die Jahre gekommene Computerexperte Don Johnston – mit „t“ – bekommt einen rosaroten Brief, in dem ihm eine Verflossene mitteilt, dass sie vor etwa 20 Jahren einen Sohn von ihm bekommen hat.[Kleine Spoiler voraus – Anmk. von Benedikt] Vom Nachbarn gedrängt, beginnt Don nach der möglichen Mutter seines Sohnes zu suchen. Auf seiner Reise trifft er die skurrilsten Vertreterinnen der amerikanischen oberen Mittelschicht: eine Maklerin in sterilem Ambiente mit hohlem Ehemann, eine Tierpsychologin, die hört, was die Tiere sagen, ein übrig gebliebener Althippie-Freak bei der ihm von ihren Freunden das Licht ausgeknipst wird.
Und schließlich einen Tramper, der sein Sohn sein könnte – sicher ist man aber nicht. Ihm teilt er seine Lebensphilosophie mit: “Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft noch nicht da, alles was zählt ist das Jetzt.“[Spoiler Ende]
Wenn man sich die Zeit nimmt und mit auf das Roadmovie geht, bemerkt man die vielen kleinen Hinweise, die wie bei einer Schnitzeljagd den Weg weisen könnten.(rosa Brief, Bademantel, Visitenkarte, Schreibmaschine, Schleife am Rucksack) Doch sicher ist hier gar nichts. Vor allem das Ende hinterlässt viele Zuschauer ratlos. Hat Don denn nun seinen vermeintlichen Sohn gefunden oder nicht? Darauf kommt es anscheinend überhaupt nicht an. Die Suche ist Selbstzweck, der Weg ist das Ziel. Dem suchenden Don geht es eigentlich besser – er ist aktiv - als dem daheim auf der Couch liegenden, Fernsehenden Nichtstuer.


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