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The Brothers Grimm

★★★☆☆·9.10.2005·Kommentare:  0

Terry Gilliam, Regisseur von »Twelve Monkeys« und einiger berühmter Monty Python-Filme, wagt sich mit dem Märchenmix »The Brothers Grimm« aufs Parkett des Hollywood-Mainstream. Und so sehr er sich auch bemüht, skurille Ideen und Einfälle unterzubringen, so merkt man einfach, dass dieses Genre nicht zu Gilliams Spezialitäten gehört.

Um es gleich vorweg zu nehmen: »The Brothers Grimm« ist keinesfalls schlecht. Aber auch ein Film, der »nicht schlecht« ist, kann enttäuschen. Obwohl die Idee, die Besetzung (Matt Damon, Heath Ledger, Peter Stormare, Monica Bellucci) und die Referenz-Liste des Regisseurs auf einen wahren Kracher hoffen lassen, fehlt es dem Werk vor allem an lustigen Witzen und einer spannenden Story. Humor gibt es zwar, Pointen aber nicht wirklich und so besteht der Großteil der Witze aus dem ermüdenden Geschwafel von Jake und Will (keine Ahnung, warum sich die Gebrüder Grimm, deutsche Bürger in einer Geschichte, die in Deutschland spielt mit »Will« und »Jake« anreden). Dazu gesellt sich noch Peter Stormares Versuch mit italienischem Akzent zu punkten und das funktioniert nicht wirklich. Das komödiantische Potenzial einer Geschichte um zwei betrügerische Geisterjäger ist also bei weitem nicht ausgeschöpft.

Das Brüderpaar selbst ist sich meiner Meinung nach zu ähnlich – sicher, einer glaubt an Märchen, der andere nicht, aber das wars auch schon mit den Unterschieden. Wer weiß, wie sich die Chemie der beiden entwickelt hätte, wenn Johnny Depp für einen Brüderpart verpflichtet worden wäre. Im Gespräch war der talentierte Mime zwar, aber aus irgendwelchen Gründen, ist nichts daraus geworden. Bei der Gelegenheit sei angemerkt, dass Tim Burton wahrscheinlich mehr aus dem Film hätte herausholen können. Das sagt sich im Nachhinein zwar leicht, aber das durchaus vergleichbare »Sleepy Hollow« aus dem Jahr 1999 war nicht nur um 15 Millionen Dollar günstiger in der Produktion sondern vor allem in den Bereichen Komik und Spannung um Längen besser.

Terry Gilliams Film ist außerdem eines jener Werke, die Opfer ihres eigenen Trailers werden. Wer die Kino-Vorschau gesehen hat, bekommt im Film nichts neues geboten. Man weiß einfach, was noch alles passieren wird und die Handlung bietet somit keine Überraschungen mehr. Wann wird Hollywood endlich kapieren, dass überfrachtete Trailer einen Film negativ beeinflussen können?

Wie gesagt, Kulisse, Ausstattung, Kamera, Besetzung und die Grundidee sind OK. Auch die Auslegung der Gebrüder Grimm als Betrüger, die die Ängste naiver Dorfbewohner aufzeichnen um sie zu ihren Gunsten auszunutzen, ist gelungen. So richtig überspringen mag der Funke beim Anschauen aber trotzdem nicht. Vielleicht liegt das auch daran, dass sich das negative Karma der Produktion auf das Endergebnis ausgewirkt hat. Denn wenn man den Hintergrundinfos der Internet Movie Database glauben schenkt, so wurden die Dreharbeiten für 6 Monate unterbrochen, das Studio MGM stellte während der Produktion seine Finanzierung ein und einer der stattdessen eingesprungenen Weinstein-Brüder feuerte dann den Kameramann. Dass dabei das Endprodukt nicht ganz überzeugen kann, scheint zumindest nachvollziehbar.

gute Zutaten durchschittlich gemixt 3 von 5 Sternen

Trailer, Internet Movie Database (IMDb)



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