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Ben gegen das Wildschwein

28.6.2006·Kommentare:  5

Ich gehe öfters in den Lainzer Tiergarten laufen. Dieser Tiergarten ist eigentlich ein Naturschutzgebiet in der Nähe von Hütteldorf und besteht hautpsächlich aus Wald. In diesem tummeln sich auch Wildschweine. Das ist eigentlich nie ein Problem, weil sich die haarigen Waldbewohner meistens abseits der Wege aufhalten. Wie gesagt, meistens.

Heute, als ich gerade die Hälfte meiner Strecke zurückgelegt hatte, erblickte ich 50 Meter vor mir etwas am Strassenrand. Zuerst dachte ich, es sei ein Baumstumpf (am Anfang verwechselt man diese oft mit vierbeinigen Waldbewohnern). Dann bemerkte ich aber, dass sich dieser »Baumstumpf« bewegte. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass da ein Wildschwein am Wegesrand herumlungerte. Ohne genau zu wissen, wie Wildschweine auf vorbeilaufende Jogger reagieren, blieb ich ersteinmal stehen und nahm meine Ohrstöpsel heraus. Ich blickte das Schwein an, das Schwein blickte mich an. Dann spazierte es gemütlich ins Gebüsch. Vorsichtig begann ich wieder zu laufen und behielt das Gebiet abseits den Weges genau im Auge. Plötzlich sprang genau von der anderen Strassenseite ein etwas größeres Schwein mit einem Grunzer auf den Weg. Leicht erschrocken stoppte ich und wartete abermals ab. Diesmal bewegte sich das Wildschwein allerdings nicht vom Fleck und mangels Erfahrung war ich mir nicht sicher, ob ich einfach so vorbeilaufen konnte. Die »Verbring-blutend-eine-Nacht-im-Wald«-Frage lautete also: Was tun? Haben die Tierchen gerade Junge und sind besonders aggressiv? Schaffe ich es mit angeknabberten Fuß bis zur nächsten Telefonzelle? Oder haben sie mehr Angst vor mir als ich vor ihnen?

Ich entschloß mich umzukehren und den Hügel, den ich gerade erleichternd heruntergelaufen war, wieder in Angriff zu nehmen. Oben kam wir ein, wie sich später herausstellte, erfahrener Läufer entgegen. Als ich ihn auf die Wildschweine hinwies, reagierte dieser gelassen und meinte, dass diese meistens eh davonlaufen oder ansonsten lautes Schreien helfen würde. Also fasste ich neuen Mut und lief mit ihm den Hügel wieder hinunter. Nach ein bisschen Smalltalk stellte sich heraus, dass die Tiere einem manchmal nachlaufen, aber dass das kein Problem sei. Da wurde mir wieder etwas mulmig, weil der Laufstil des anderen doch etwas sportlicher als meiner war und ich in diesem Fall nicht als Widlschwein-Jause zurückbleiben wollte. Aber gut, »lautes Schreien« soll ja helfen.

Als wir uns den Schweinen näherten sprangen diese glücklicherweise mit ein paar Hopsern von der Strasse ins Gebüsch. Beim Ausgangstor antwortete mir eine Angestellte, dass Wildschweine normalerweise nichts tun und man problemlos vorbeilaufen kann. Na gut.


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5 Kommentare

#1 von funkmaster am 29.6.2006, 11:30 Uhr

Ja, sowas ist schon eine besondere Situation. Hatte so ein ähnliches Erlebnis wie ich an der Grenze war. Bei uns hat damals lautes Aufstampfen gereicht. Zum Glück denn das Schwein war nur 10 Meter weg. Ich versteh aber deine Zweifel, denn auf ein Laufduell würde ich mich auch nicht einlassen. Die sind verdammt schnell.

#2 von Alex am 29.6.2006, 16:01 Uhr

Ich hatte schon mal das Vergnügen, in einem Wildgehege Frischlinge zu streicheln. Ist eigentlich kein Problem, auch wenn die Bache in der Nähe ist.

Mag vielleicht gerade dort so sein, weil ja die lieben Besucher immer Brot oder Gemüse mitbringen und die Tiere dadurch vielleicht eher die größte Scheu verlieren. Vor einem Keiler, der mich nicht ignoriert, hätte ich auch Angst.

Wenn ich mich recht erinnere gibt es in so manchen stadtnahen Wäldern Probleme mit Wildschweinen: Angeblich sollen diese, einmal angefangen, nicht mehr aufhören, doch recht aggressiven um Futter zu betteln ;).

#3 von Gregor am 30.6.2006, 12:25 Uhr

Man darf aber dabei die praktische Seite von Wildtieren nicht unterschätzen!

#4 von Benedikt am 2.7.2006, 22:00 Uhr

funkmaster,

Die sind verdammt schnell.

Das hab ich mir auch gedacht. Außerdem hätte ich die Flucht nur bergauf antreten können – denkbar schlechte Chancen also.

Alex,

Ich hatte schon mal das Vergnügen, in einem Wildgehege Frischlinge zu streicheln.

Genau davon wurde mir von der Angestellten abgeraten. Aber es stimmt, dass sie gerade im Lainzer Tiergarten Besucher gewöhnt sind (so ähnlich wie die Eichhörnchen in Schönbrunn – obwohl die ja weniger gefährlich werden können).

Gregor, mich würde interessieren, ob die Bieröffnerfunktion im Anforderungskatalog für das Senderhalsband steht.

#5 von Claudl am 7.7.2006, 11:08 Uhr

Lieber Ben, ich will dich ja nicht verunsichern, aber ich würd die Gefahr von Eichhörnchen- Attacken nicht unterschätzen…die Biester können sich ganz schön gebärden! Und was das Schreien zur Vertreibung von Wildschweinen betrifft…das kommt ja eh von allein, wenn es sich über dich hermacht… 😉 Gottseidank fehlen diesen Tieren die motorischen Fähigkeiten zum Knebeln!


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