Navigation überspringen

Das Handy und der Ausschaltknopf

12.9.2006·Kommentare:  10

Mobiltelefone ermöglichen es uns immer und überall erreichbar zu sein. Diese Art der Ungebundenheit bringt allerdings auch Probleme mit sich.

So ist man immer erreichbar, obwohl man vielleicht gar keine Zeit für ein Telefonat hat. Sei es eine Besprechung, Stress, Snowboarden oder Autofahren – man kann einfach nicht in jeder Situation einen Anruf annehmen. Für solche Fälle haben die Handy-Erfinder eine raffinierte Funktion integriert: den Ausschaltknopf. Wie oft musste ich am anderen Ende der Leitung schon vernehmen: »Äh, ich kann grad nicht« – je nach Situation geflüstert, gestresst, oder genervt. Ja, sogar die Androhung meines frühzeitigen Ablebens musste ich mir über den Äther bereits androhen lassen. Und als belustigter Zuseher durfte ich schon miterleben, wie ein Angestellter in einem ernsthaften Gespräch mit seinem Boss doch tatsächlich einen Anruf entgegennahm, ein paar zerknirschte »Jas« in den Hörer quetschte und mit fortschreitender Gesprächsdauer immer öfter ein »ABER ICH KANN JETZT NICHT!« einschob.

Darum meine Frage: Warum schalten so viele Menschen ihr Handy nicht einfach aus, wenn sie nicht erreichbar sein wollen oder keine Zeit haben? Weil sie es manchmal vergessen, könnte man meinen. Allerdings kann man in so einem Fall den Anruf noch immer abweisen und später zurückrufen. Ich verstehs nicht und dabei könnte es so einfach sein …


Schlagwörter

· · · ·


10 Kommentare

#1 von Gregor am 12.9.2006, 17:02 Uhr

eigentlich weiß ich nicht mal wie ich rufe abweisen kann, da ich bei meinem feschen v3 erst aufklappen muss(zugleich rufannahme) um an die tasten rannzukommen. doch relativiert sich das problem, da ich das händerl sehr oft zu hause liegen habe. oder es einfach überhöre…

#2 von Benedikt am 13.9.2006, 10:38 Uhr

Stimmt, wie das bei Klapphandys funktioniert, weiß ich gar nicht. Allerdings waren bei obigen Beispielen – soweit ich mich erinnern kann – keine Klapphandys im Einsatz.

#3 von Gregor am 13.9.2006, 10:56 Uhr

in diesem sinne kann man deine frage auch ausweiten auf IM…wozu on, um den leuten zu sagen ich will ned?? denn um eine nachricht zu hinterlassen kann man sie bei den meisten IM auch offline schicken ( beim MS messenger aber nicht, was sehr lästig ist!)

#4 von Benedikt am 13.9.2006, 11:30 Uhr

Gregor, bezüglich IM hast du vollkommen Recht. Ich hab mir mittlerweile angewöhnt, in meinen Clients (meistens) immer den entsprechenden Status einzustellen. Mein Problem geht bei Instant Messaging aber eher in die andere Richtung: Ich übersehe oft eingehene Nachrichten.

Der Stressfaktor ist bei eingehenden IM-Nachrichten zum Glück wesentlich geringer als bei klingelnden Handys. 😉

#5 von Claudl am 13.9.2006, 12:31 Uhr

Ich glaub, die »Handy- Ausschaltknopf- Sache« ist ein sehr schönes Beispiel für den Erfolg der kapitalistischen Gesellschaft, die stetig versucht Bedürfnisse zu schaffen, die man eigentlich gar nicht wirklich hat.
In diesem Fall geht es sogar soweit, dass man es zwar bewusst widerwärtig findet ständig erreichbar zu sein und trotzdem ein ungutes Gefühl hat das Handy abzuschalten oder gar darauf vergisst, dass dieses Gerät einen Ausschaltknopf hat. Nicht selten treten kalte Schweißausbrüche aus, wenn mal der Akku den Geist aufgibt und man den Pin-Code vergessen hat, weil man ihn schon ewig nicht mehr eingeben musste!
Da bewunder ich schon manchmal unsere Großeltern- Generation, die ein Handy höchstens als Briefbeschwerer benutzt! 😉

#6 von andreas am 13.9.2006, 18:03 Uhr

da lob ichs mir direkt, dass mein akku heute am weg zur arbeit leer wurde. so hatte ich heute einen (zumindest handy-technisch) ungestörten tag 😉
bin nämlich auch einer derer, die noch nie absichtlich ihr handy ausgeschalten haben.

#7 von Benedikt am 13.9.2006, 19:54 Uhr

Andreas, klar hat man so weniger Stress. Aber wenn das Handy gezwungenermaßen deaktiviert ist, hat man da nicht, wie Claudl zuvor erwähnt hat, ein ungutes Gefühl?

bin nämlich auch einer derer, die noch nie absichtlich ihr handy ausgeschalten haben.

In dem Fall hoffe, dass du nicht oft ins Kino gehst. 😉

#8 von andreas am 13.9.2006, 20:42 Uhr

Im Kino gibts bei mir für gewöhnlich nur lautlos. Hab ja Angst, was zu verpassen. Und ja, ich hatte auch heute Angst was zu verpassen. 😉

#9 von berny am 16.9.2006, 14:56 Uhr

mein handy hat im juli beschlossen kein netz mehr zu finden und ich hab mir aus faulheits-gründen einfach knapp zwei monate lang keines gekauft. - siehe da: die lebensqualtität stieg enorm. die leute, die mich erreichen wollten, haben mich auch so erreicht. (zb per mail)

grundsätzlich ist meiner meinung nach dieser muss an permanenter erreichbarkeit daran schuld, dass eine zunehmende unzuverlässigkeit entsteht, weil es so einfach ist, termine zu verschieben oder treffen abzusagen…

#10 von Benedikt am 16.9.2006, 18:38 Uhr

berny, da hast du recht. Die Momente, in denen ein Handy im täglichen Leben unverzichtbar ist, lassen sich pro Monat an einer Hand abzählen, der zwei Finger fehlen.

Das mit der Unzuververlässigkeit stimmt ebenfalls. Früher (kling ich jetzt wie ein alter Mann?) hat man sich Weggehen, Kino, etc. einfach ausgemacht. Und heute steht man nervös vorm Kino und ruft lieber mal man, wenn ein »Mitbesucher« 5 Minuten vor Saaleinlaß noch nicht aufgetaucht ist. Ständige Erreichbarkeit scheint diese Art der Zuverlässigkeit wohl obsolet zu machen … leider. Das Schlimmste daran: sogar ich bin davon betroffen …


Kommentieren

Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.