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Alice im Wunderland

★★★☆☆·8.3.2010·Kommentare:  0

Gleich vorweg, ich habe Lewis Carrolls »Alice im Wunderland« nie gelesen und Tim Burton soll sich bei seiner Umsetzung einige Freiheiten genommen haben. Das Endergebnis ist jedenfalls furchtbar gewöhnlich.

Dabei beginnt der Film eigentlich vielversprechend mit Alice’ Flucht aus den Zwängen der gehobenen Gesellschaft im England des 19. Jahrhunderts. Im Wunderland angekommen entpuppen sich ihre animierten 3D-Begleiter aber recht bald als flache und seelenlose Figuren, zu denen man als Zuschauer dank fehlender Backstory keine Bindung aufbaut. Das gilt leider auch für die reale Besetzung, die schauspielerisch zwar passable Leistungen abliefert, aber wenig originell gewählt ist: Johnny Depp als verrückter Hutmacher und Helena Bonham Carter als böse Königin. Wenn das Drumherhum nicht passt, bleibt noch die Story (Achtung, minimaler Spoiler): Überzeuge die Eingeborenen, finde das Schwert, schlachte den Drachen. Naja.

Dass »Alice im Wunderland« von Disney vertrieben wird, bedeutet leider auch dass die komplette Umsetzung recht familienfreundlich daherkommt. Die Blutarmut hilft dem Zuschauer dann auch nicht gerade die böse Königin als Bedrohung wahrzunehmen. Die brüllt zwar die ganze Zeit »Ab mit seinem Kopf!«, verlieren tut den auf der Leinwand aber niemand.

Der Film wurde im Nachhinein »dreidimensionalisiert«, was bei geschätzten 90% an computeranimierten Material zumindest einfacher machbar scheint als bei konventionellen Filmen. Der Effekt ist nett, wirkt aber seltsam wenn man sich auf ein Objekt im Vordergrund konzentriert, dass komplett unscharf ist. Ich bin mir nicht sicher, ob ein 3D-Film komplett im Fokus sein sollte oder nicht – und Hollywood ist sich das anscheinend auch noch nicht. Bei »Avatar« wirkte die Sache jedenfalls deutlich differenzierter und ausgereifter.

Klingt alles nicht berauschend und als Produkt ist »Alice im Wunderland« leicht durchschaubar. Dafür ist die Geschichte visuell ansprechend und auf technischer Seite gibt es absolut nichts zu bemängeln. Die 108 Minuten haben sich zumindest nicht gezogen und wer sich nur noch vage an den Disney-Trickfilm von 1951 erinnern kann, bekommt zwar eine Schema-F-lastige aber immerhin gut getaktete Story geboten. Der Film hat mich im Kino auch geringfügig besser unterhalten als z.B. »Sherlock Holmes«, vielleicht enttäuscht im Nachhinein aber einfach das verschenkte Potenzial, dass die abgedrehte Grundidee geboten hätte.

Alice im Disneyland – 3,5/5


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