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Erste Eindrücke vom Nokia N9

23.6.2011·Kommentare:  4

Vorgestern war ich bei der Präsentation des N9 in Österreich dabei1 und konnte das Gerät auch gleich selbst ausprobieren. Hier die für mich interessantesten Eigenschaften, sowie im Anschluss Eindrücke von Hard- und Software:

Erste Eindrücke

Bekommt man das N9 in die Hand, fällt einem als erstes das wirklich gute Gehäuse auf und, dass es sich sehr flach anfühlt. Von den Maßen her mag es zwar weder das leichteste noch das dünnste Smartphone sein, in seiner Gesamtheit ist das Gehäuse des N9 aber top.

Im Betrieb ist das N9 – wohl dank MeeGo – wirklich schnell. An manchen Ecken vielleicht noch nicht so flüssig wie das iPhone, von der Geschwindigkeit her aber ebenbürtig. Bis zur Veröffentlichung im 3. Quartal ist zudem noch etwas Zeit für Feintuning. Auch die Multitasking-Performance konnte – im Gegensatz zu Symbian – überzeugen. So gibt es einen Screen, der alle laufenden Anwendungen als Thumbnails in Echtzeit anzeigt. Das knopflose Bedienkonzept ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, hat aber das Potenzial dem klassischen Home-Button den Rang abzulaufen. Grob ausgedrückt: Wischt man von außerhalb des Rands weg, wechselt man zwischen den Anwendungen oder zum Menü. Wischt man innerhalb des Screens, steuert man die Anwendung. Wenn man den Dreh raus hat, funktioniert das wirklich gut.

Der Browser ist ebenfalls schnell. Auch hier ruckelt es an manchen Stellen noch ein klein wenig, im Großen und Ganzen vermittelt dieser aber einen guten Eindruck. Ebenfalls angetestet habe ich den Musikspieler. Auf Symbian bin ich mit diesem was Performance und Bedienung betrifft ziemlich unzufrieden, am N9 ist die Anwendung aber sehr flott. Querverknüfpungen zum Künstler von einem einzelnen Song aus konnte ich zwar auch hier nicht finden, aber immerhin gibt es einen »Play Album«-Button. Ausprobieren konnte ich die Funktion leider nicht, da die meisten Alben nur aus einem Song bestanden. Die Bildqualität der Kamera konnte ich nicht genau testen, das Interface konnte aber überzeugen: Es gibt Tap-Fokus, richtet man die Kamera zudem für ein paar Sekunden auf ein Objekt, stellt diese automatisch scharf. Gesichtererkennung gibt’s ebenfalls. Lediglich ein physikalischer Auslöser fehlt, was mir zumindest beim Snowboarden abgehen würde. Vielleicht gibt’s ja auch hier mal ein Update, das im Fotomodus einen der Lautstärke-Knöpfe zum Auslöser macht.

Das N9 kann natürlich noch viel mehr, einen Ausblick darauf bietet die offizielle Webseite swipe.nokia.com. Detaillierte Ersteindrücke gibt es zudem von Helmut Hackl. Weitere Fragen beantworte ich – soweit mir möglich – gern in den Kommentaren.

MeeGos Zukunft

Der größte Haken, wenn man so will, ist das Betriebssystem des N9. MeeGo wirkt zwar vielversprechend und sogar John Gruber meint, dass das N9 endlich ein würdiger iPhone-Rivale wäre. Aber leider scheint Nokias Strategie bezüglich MeeGo völlig unklar. Stephen Elop hat angekündigt, dass die Zukunft der Finnen auf Windows Phone ausgerichtet ist. Irgendwie gewinnt dann man auch den Eindruck, dass das N9 einen Blick in jene Zukunft gewährt, die Nokia bis Ende 2010 verfolgt hat. Ohne Nokias Commitment bezüglich MeeGo gibt’s keine Entwicklicker, ohne Entwickler kein Ökosystem. So blieben ein paar Updates von Nokia, wobei die Finnen nicht gerade für kurze Release-Intervalle bekannt sind (siehe Symbian-Anna-Update). Das alles wäre wirklich schade, denn das N9 hat Potenzial: Top-Verarbeitung, gutes Bedienkonzept, flottes Betriebssystem und eine Kamera, auf die augenscheinlich viel Wert gelegt wurde – als Endkunde wäre ich am N9 sicher interessiert. Wenn Nokia nur voll dahinter stehen würde …


  1. Fotos vom N9 sowie von der Präsentation gibt’s auf Michael Hells Flickr-Konto.

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4 Kommentare

#1 von Pietropizzi am 24.6.2011, 9:46 Uhr

Unglaublich was Nokia da auf die Beine gestellt hat. Und vor allem mit was für einem Timing.

Das fasziniert mich gleich auf mehreren Ebenen. MeeGo war in meinen Augen schon tot, ich meine geredet haben Intel und Nokia von MeeGo schon seit Jahren und es ist nie etwas gutes rausgekommen. MeeGo war schon fast eine Urban Legend, so oft wurde darüber geredet und nie konnte man was sehen. Und dann ist Nokia auch noch offiziell abgesprungen. Aber plötzlich ist es da und schaut auf den ersten Blick, und scheinbar auch auf den ersten Touch, sehr gut aus.

Da muss schon echt viel schief gelaufen sein bei Nokia JETZT alles zurück zu lassen und auf Windows Phone umzuschwenken. So scheint es zumindest nachdem das erste MeeGo Produkt auf jeden Fall was taugt. Aber vielleicht war es trotzdem die richtige Entscheidung. Denn sich neben Apple und Google noch auf dem Smartphone Markt zu platzieren ist für jeden der es versucht schwer. Vielleicht ist nur noch Platz für einen weiteren? Vielleicht für zwei? Da wären aber noch Window Phone, WebOS und eben Nokia (Symbian, MeeGo). Alle werden es wohl nicht schaffen.

Gleichzeitig ist die Macht ein eigenes Betriebssystem zu haben natürlich nicht zu unterschätzen. Das eigene Schicksal komplett selbst in der Hand zu haben ist attraktiv und um Alleinstellungsmerkmale braucht man sich auch keine Sorgen machen.

So wirkt das N9 wie das Season Finale der letzen Staffel eine Serie von der sich viele Leute jetzt erst recht wünschen das sie weiter geht, die Produzenten aber keine Zukunft dafür sehen. Zumindest keine finanzierbare.

#2 von Benedikt am 25.6.2011, 18:30 Uhr

Unglaublich was Nokia da auf die Beine gestellt hat. Und vor allem mit was für einem Timing.

Ja, das Produkt sieht wirklich gut aus, kommt aber eben auch reichlich spät. Mir ist es einfach unbegreiflich wie man sich damit so lange Zeit lassen konnte.

Da muss schon echt viel schief gelaufen sein bei Nokia JETZT alles zurück zu lassen und auf Windows Phone umzuschwenken.

Da gibt’s einen interessanten Artikel von Business Week über Stephen Elop, in dem er meint, dass Nokia bezüglich MeeGo-Geräte viel zu langsam unterwegs war (Seite 6, oben).

Denn sich neben Apple und Google noch auf dem Smartphone Markt zu platzieren ist für jeden der es versucht schwer. Vielleicht ist nur noch Platz für einen weiteren?

Das stimmt zwar, aber wer weiß, was sich noch tun wird, jetzt wo die Hardware-Hersteller langsam merken, dass Google die Daumenschrauben anzieht. Als Alternativen zu iOS und Android gibt’s ja eigentlich nur noch Windows Phone und WebOS. Nokia hat sich bekanntlich für Ersteres entschieden. Was MeeGos Zukunft betrifft, bin ich deshalb sehr skeptisch.

So wirkt das N9 wie das Season Finale der letzen Staffel eine Serie von der sich viele Leute jetzt erst recht wünschen das sie weiter geht die Produzenten aber keine Zukunft dafür sehen

Der Vergleich passt was die Erwartungshaltung betrifft ziemlich gut, aber aus Kundensicht gab’s ja nie eine Serie vor dem Finale. 😉

#3 von Dominik am 27.6.2011, 11:29 Uhr

Ach ja, das ist das Nokia, das ich mir seit Jahren wünsche – ein ehrliches Commitment zu MeeGo und ich würd’s kaufen, mein iPhone 3GS läuft ja nicht mehr so rund…

#4 von Benedikt am 27.6.2011, 19:30 Uhr

Ich weiß genau, was du meinst. Sieht aber leider schlecht aus für MeeGo. Wenn da nicht mal offizieller Zuspruch für dessen Zukunft kommt, frage ich mich, wen Nokia als Zielgruppe für dieses wohl doch recht teure Highend-Phone im Auge hat.


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