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Logitech Harmony Smart Keyboard im Langzeittest

3 / 5Sterne·7.10.2015·Kommentare:  0 · ~ 5 min

Letzten Dezember wollte ich mir zu Weihnachten Logitechs Harmony Hub gönnen, um während des Einschaltens nicht ständig mit meiner Harmony Touch auf alle Geräte zielen zu müssen. Der Hub allein war mit ca. 100 Euro recht teuer, im überraschenderweise günstigeren (!) Logitech Harmony Smart Keyboard ist dieser aber ebenfalls enthalten und so schlug ich bei Libro zu (was übrigens gar nicht so einfach war).

Packungsinhalt

In der Packung befinden sich neben der Tastatur der Hub, zwei AA-Batterien, zwei USB-Dongles, ein USB-Verlängerungskabel und ein IR-Booster fürs »Um die Ecke«-Zielen für Geräte außerhalb der Sichtlinie.

Verarbeitung

Die Tastatur fühlt sich ganz ordentlich an, ist aber im Prinzip ein umgebrandetes Modell der K400, welche um 30 Euro zu haben ist. Die Tasten haben einen leichten Hub ohne knackigem Druckpunkt – schlecht ist die Tastatur nicht und für gelegentliche Suchabfragen am Beamer oder Fernseher sicher ausreichend, als Ersatz am Schreibtisch würde ich sie allerdings nicht empfehlen. Das Gehäuse ist matt und fühlt sich eher weich und nach Gummi an, prinzipiell eine gute Materialwahl auf der Fettabdrücke durch Chipshände etc. keine Rückstände hinterlassen, Staub lässt sich dafür schwerer entfernen. Die Tasten sind aus normalem Plastik, allerdings nicht so glänzend wie z.B. auf Logitechs K810 – auch das ist positiv zu werten. Das Trackpad ist ok, die Tasten könnten allerdings gleichmäßiger klicken.

Der Hub ist ordentlich verarbeitet, da dieser aber ohnehin an der Wand hängt ist das eher zweitrangig.

Setup

Die Einrichtung des Harmony Smart Keyboards mit dem Hub ist leider eine mittlere Katastrophe. Dieses wird nämlich nicht mehr mit Logitechs früherer Desktop-App eingerichtet, sondern mit einer neuen App, die nur auf iOS und Android verfügbar ist und ein Gerät mit Bluetooth-Low-Energy-Profil erfordert. Das wäre jetzt noch nicht das Problem, aber als Besitzer einer Harmony Touch möchte man diese ja um das Keyboard erweitern und nicht bloß ersetzen. Und hier fängt das Chaos an, da man als Benutzer zunächst keine Ahnung hat, mit welcher App man diese Zusammenführung durchführen soll. Verkompliziert wird die Situation auch dadurch, dass man eigentlich drei Logitech-Produkte in einem Verbund zusammenführen muss, nämlich Touch, Keyboard und Hub – welcher als eigenständiges Produkt gilt. Der genaue Weg geht leider auch nicht aus Logitechs ausführlicher Kompatibilitätsliste und Anleitung hervor. Mein erster Versuch über die alte Logitech-Desktop-App schlug dementsprechend fehl, weil sich damit nur die Touch und der Hub in einem Verbund einrichten ließen, nicht aber das Keyboard. Die Einrichtung muss über die mobile App erfolgen und dann sollte man das Setup tunlichst nicht mehr mit der alten Software verwalten, weil der Verbund zwischen Touch, Keyboard und Hub wieder aufgelöst wird und nur Touch und Hub verbunden sind. Wie zuvor erwähnt muss das Gerät, auf dem die App ausgeführt wird zudem das Low-Energy-Profil für Bluetooth beherrschen, mit meinem alten iPad 2 kam ich also nicht weit. Ein 5er-iPhone schaffte Abhilfe (unterstützt wird beim iPhone Bluetooth LE ab dem 4S). Sind die Geräte einmal eingerichtet, klappt die Verwaltung übrigens auch am iPad 2.

Funktionsweise

Das Smart Keyboard ist im Prinzip wie eine Funktastatur, deren Sender in den Harmony Hub ausgelagert wurde. Sprich, das Keyboard kommuniziert ausschließlich mit dem Hub, dieser schickt dann entweder per Infrarot, Bluetooth oder Funk das Signal an das jeweilige Gerät. Das heißt, ohne Hub kann man die Tastatur z.B. nicht als einfaches Bluetooth-Keyboard verwenden.

Ist alles eingerichtet, schaltet eine aktivierte Aktion (z.B. Fernsehen) auf einer Harmony-Fernbedienung alle über den Hub verbundenen Harmony-Geräte (Harmony Touch, iOS-App etc.) in den entsprechenden Modus. Man kann also im Wohnzimmer z.B. die Aktion Musik hören übers Smart Keyboard starten und anschließend in der Küche am iPad die Lautstärke ändern oder zum nächsten Song springen.

Was kann die Tastatur und was nicht?

Eine der ersten Fragen, die ich mir zum Smart Keyboard gestellt habe, war, ob man damit auch Texteingaben an Geräte senden kann, die nur über Infrarot bedient werden können. Inputnamen am A/V-Receiver mit Tastatur vergeben? Schnelles Suchen in der YouTube-App des Blu-ray-Players? Wäre doch toll, oder? Leider kann auch die Lösung von Logitech keine Wunder vollbringen, Texteingaben über Infrarot sind nicht möglich. Das Smart Keyboard kann Text nur an Geräte senden, die ohnehin Tastaturunterstützung via Bluetooth (z.B. Apple TV, Fire TV) bieten oder den Logitech Dongle unterstützen (z.B. PC, Mac, Xbox). Dafür bräuchte man nicht zwangsweise das Smart Keyboard. Dieses unterstützt dafür zusätzlich klassische Fernbedienungsbefehle wie Start, Stop, Pause, Lautstärke, Spulen usw. sowie Harmony-spezifische Features wie Aktionen. Von der Funktionalität her lässt es sich mit der displaylosen Fernbedienung in Logitechs Harmony Smart Control vergleichen. Mit dem Smart Keyboard erhält man somit eine vollwertige Harmony-Fernbedienung. Und zwar eine, mit extrem guter Stand-by-Zeit. Denn während ich meine Touch jeden Abend in die Ladestation stecken muss (das Display scheint ein wahrer Stromfresser zu sein), hält das Smart Keyboard bereits Monate ohne Batteriewechsel durch.

Schwächen und verpasste Chancen

Das größte Problem des Smart Keyboards ist die fehlende Beleuchtung. Denn in keiner Umgebung bräuchte man diese so sehr, wie in einem für Film und Fernsehen abgedunkelten Wohnzimmer. Zu oft kippt man das Keyboard verzweifelt Richtung Fernseher oder Leinwand, damit das reflektierende Licht die Tasten beleuchtet. Denn anders als im Büroalltag schweben die Hände während des Filmgenusses nicht ständig in Erwartung von Tastatureingaben über dem Keyboard. Blindes Tippen ist somit unmöglich weil man das Keyboard nur vom Wohnzimmertisch nimmt, wenn man es braucht.

Weniger schlimm, aber doch nervend: Die Backspace-Taste ist aus meiner Sicht zu klein geraten, da diese nur geringfügig breiter als eine Standardtaste ist – ich vertippe mich dabei oft und erwische nur die Taste links daneben.

Schade ist zudem, dass mit dem Smart Keyboard die Chance verpasst wurde, ein wirklich innovatives Mediacenter-Keyboard zu entwickeln. Denn wie zuvor erwähnt, wurde für das Smart Keyboard einfach Logitechs K400 für die Hub-Unterstützung »umgemodelt«. Die von Fernbedienungen bekannten Sondertasten für die Heimkino-Nutzung sind zwar alle vorhanden, diese wurden dabei leider klassisch auf selten genutzte Tasten wie die F-Tastenreihe gelegt. Anstatt z.B. essentielle Funktionen wie Kapitelsprünge und Lautstärkeregelung dorthin zu verfrachten hätte man das ohnehin unpraktische Touchpad weglassen und sich dort mit ausgefalleneren Eingabemethoden wie Schiebereglern, Jog-Wheels etc. austoben können.

Fazit

Ich besitze das Smart Keyboard seit über neun Monaten und, ja, ich verwende es. Allerdings eher sporadisch, denn TV-Benutzeroberflächen wie z.B. von Apple TV oder Fire TV sind ohnehin auf tastaturlose Benutzung getrimmt und bieten bei Sucheingaben bereits nach 2-3 Buchstaben meist das Gesuchte als Vorschlag. Und wenn die Sprachsteuerung via Siri beim neuen Apple TV tatsächlich so funktioniert wie beworben, spricht noch weniger für eine Wohnzimmer-Tastatur.

Der Hauptkaufgrund ist meiner Meinung nach, dass man damit relativ günstig einen Harmony Hub erhält, der als Stand-alone-Produkt seltsamerweise nach wie vor teurer ist, als in Kombination mit dem Smart Keyboard (90 gegenüber 129 Euro!) – und der Hub zahlt sich in Kombination mit einer Harmony-Fernbedienung wirklich aus.

Wer einen Harmony Hub nutzen möchte und auch nichts gegen eine Wohzimmer-Tastatur einzuwenden hat, sollte bald zuschlagen, denn im Gegensatz zu Geizhals und Amazon ist das Smart Keyboard auf Logitechs offizieller Seite mittlerweile nicht mehr zu finden.


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