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Test: Bragi »The Dash« – Visionäre Bluetooth-Ohrhörer mit No-go

3.5 / 5 Sterne·31.5.2017·Kommentare:  10 · ~ 5 min

Mit den bereits angekündigten »The Dash Pro« ist dieser Test zwar nicht mehr der frischeste. Da ich »The Dash« aber bereits seit Februar 2016 nutze ist er dafür aber ein waschechter Langzeittest, der auch Rückschlüsse auf »The Dash Pro« zulässt. Letztere sind nämlich keine komplett neue, sondern eine überarbeitete Version, welche die größten Probleme ausbügeln soll.

Lies auch meinen Test von Bragis »The Headphone« (★★★★½).

Meine ersten Eindrücke haben sich im täglichen Gebrauch bestätigt: »The Dash« sind ein In-Ear-Hightech-Wunder, mit innovativer Touch-Bedienung, enormer Funktionsvielfalt, dabei wasserdicht und im Gegensatz zu den gehypten »AirPods« sogar stylisch. Der größte Haken und auch der Hauptgrund für die durchschnittliche Wertung ist aber die mangelhafte Verbindung zum Smartphone – auch mit dem aktuellen Bragi OS 3.

Auf einen Blick

  • + Komplett kabellos
  • + Klein und leicht
  • + Guter Klang
  • + Latenz für Video geeignet
  • + Komfortabler Sitz
  • + Wasserdicht
  • + Sehr guter Kundenservice
  • - Schlechte Smartphone-Verbindung
  • - Große, zweiteilige Ladeschale

Packungsinhalt

Neben der Ladeschale und dem linken sowie rechten »The Dash« befinden sich in der aufwendig gestalteten Verpackung Silikonüberzüge in vier Größen (»FitSleeves«) und ein »The Leash« genanntes Bändchen, das die Ohrhörer beim Sport zusätzlich sichern soll (gleich vorweg: dieses Accessoire ist – zum Glück – unnötig, sehr mühsam an den Hören zu befestigen und mit einem Einzelpreis von 19 Euro völlig überteuert).

Apps für jedes OS

Apps bietet Bragi für Android, iOS und Windows 10 Mobile (wobei die App unter letzterem derzeit nicht funktioniert und Bragi laut Support auf eine Änderung von Microsoft wartet). In der App ist neben Einstellungen wie Lautstärke etc. auch das Fitness-Tracking untergebracht, welches seit Bragi OS 3 aber auch ohne Smartphone-App funktioniert.

Bedienung im Ohr per Touch und Gesten

Touchbedienung ist eine der wenigen vernünftigen Option bei Ohrhörern, da Knöpfe wie bei den abgespeckten »The Headphone« im Ohr durch den Druck beim Benutzen eher unangenehm sind. War die Touch-Erkennung am Anfang noch eher holprig, ist diese nach mehreren Software-Updates stabil und ermöglicht recht komplexe Eingabemanöver. Will man bei einem Lauf aber nicht plötzlich ratlos dastehen, weil man nicht weiß, wie man die Playlist wechselt oder Shuffle aktiviert, empfiehlt sich hier durchaus etwas Training. Auch Gestensteuerung ist möglich, so kann man z.B. mit einem Nicken die Auswahl einer Playlist bestätigen etc.

Lange aktuell dank Software-Updates

Wie bei Hightech-Gadgets oft üblich, sind »The Dash« als Plattform ausgelegt: Es gibt Software-Updates und 3rd-Party-Entwicklersupport – wer »The Dash« kauft bleibt damit auch über einen längeren Zeitraum auf dem neuesten Stand, was Funktionen betrifft.

Nutzung ohne Smartphone mit Onboard-MP3-Player

Kabellose Ohrhörer gibt es mittlerweile viele. Welche mit einem integrierten MP3-Player, die auch ohne Smartphone funktionieren, nur wenige – »The Dash« gehört dazu. Auf die 4 GB internen Speicher lassen sich, in der Ladeschale verstaut und an einen PC angeschlossen, wie auf einen USB-Stick MP3- und AAC-Dateien kopieren. Es ist eines der besten Features von »The Dash«, da man so ohne Smartphone Laufen gehen kann (und dabei auch Musik hören kann, ohne Verbindungsabbrüche zum Smartphone durchleiden zu müssen). Und nicht nur das, man kann mit »The Dash« auch ins Wasser.

Schwimmen dank Wasserdichtheit kein Problem

»The Dash« sind nämlich nicht nur spritzwassergeschützt, sondern tatsächlich wasserdicht. Ich war diesbezüglich skeptisch, aber nach einigen Tests bin ich mittlerweile erstaunt, was »The Dash« so alles mitmachen. Selbst nach mehreren Sprüngen ins Becken blieben sie bombenfest im Ohr. Allerdings muss man seine Erwartungshaltung insofern dämpfen, dass »The Dash« zwar wasserfest sind und auch brav Musik spielen. Das Klangbild wird aber doch sehr stark verzerrt, sobald Wasser zwischen Ohr und »The Dash« gelangt. Das ist aber weniger der Produktqualität als der Physik und Akustik geschuldet.

Umgebungsgeräusche mit »Audio Transparency« hören

»Audio Transparency« ermöglicht das Aktivieren des Mikrofons während des Musikhörens (oder auch einfach so), um seine Umgebung besser wahrzunehmen. Das funktioniert erstaunlich gut und lässt sich im Gegensatz zu »The Headphone« auch mit einem intuitiven Wischer einfach ein und ausschalten.

Laufen geht auch ohne Smartphone, Bedienung dafür teilweise tückisch

Wer im Winter mit Haube läuft oder versucht mit verschwitzten Händen »The Dash« per Touch zu bedienen lernt bald die negativen Eigenschaften der Touch-Bedienung kennen. Denn ähnlich wie beim Microsoft »Band 2«, reagiert die Bedienung bei verschwitzten Händen nicht genau und auch durch die Berührung mit der Haube wird manchmal unbeabsichtigte eine Option ausgelöst – übrigens genau so, wenn man sich im Zug die Jacke anzieht. Trotzdem finde ich, dass die Touch-Bedienung die beste Option für Ohrhörer dieser Art ist. Die Audio-Transparency-Funktion nützt beim Laufen aufgrund der übertragenen Windgeräusche allerdings wenig.

Fitness-Tracking

Meine Erfahrungen mit dem Fitness-Tracking stammen noch aus den Anfangstagen von »The Dash« und waren zu dem Zeitpunkt eher durchwachsen. Gleichzeitiges Hören von Musik inkl. BLE-Verbindung für das Aufzeichnen der Fitnessdaten war unter Windows 10 Mobile nicht möglich, die Sensoren haben die Aufzeichnung mit einer Fehlermeldung gestoppt, wenn diese nicht fest genug im Ohr saßen (ließen sich aber nicht mehr zum Weiteraufzeichnen bewegen), die Daten waren lediglich in der App gespeichert etc. Ich werde diesen Bereich mit meinen Erfahrungen mit Bragi OS 3 erweitern, denn damit funktioniert das Tracking auch ohne App. Dank Comply-Foam-Pfropfen sollten die Ohrhörer auch immer fest genug sitzen (mehr dazu unten).

Bulkige, zweiteilige Ladeschale

Die Ladeschale ist nicht nur Accessoire, sondern ein notwendiger Bestandteil von »The Dash«: nur so kann der Akku geladen, der MP3-Player befüllt und die Software aktualisiert werden. Die Schale ansich hat im Vergleich zur Konkurrenz zwei entscheidende Nachteile: Sie passt nicht wirklich in eine Hosentasche und besteht im geöffneten Zustand aus zwei Teilen. Das Problem daran? Wer unterwegs »The Dash« verstauen (oder verwenden) möchte, nimmt die Schale in die Hand (und das leider nicht bequem aus der Hosentasche), zieht diese auseinander und hat nun in jeder Hand einen Teil. Es ist keine Hand frei um »The Dash« nacheinander ins Ohr zu setzen. Also muss man die äußere Hülle und die Schale in eine Hand quetschen um dann »The Dash« nacheinander zu verstauen oder einzusetzen. Das wurde leider auch mit »The Headphone« und »The Dash Pro« nicht besser.

Ausreichende Spielzeit mit Verbesserungspotenzial

»The Dash« haben eine Spielzeit von bis zu 3 Stunden. Das ist prinzipiell ausreichend. Durch das automatische Ein- und Ausschalten beim Einsetzen und Herausnehmen aus der Ladeschale kann es aber durchaus sein, dass »The Dash« nur 90 Minuten Betrieb durchhält. Mir ist das bei einem Halbmarathon passiert, wo ich die Ladeschale nicht mitschleppen wollte. Also habe ich »The Dash« voll aufgeladen eineinhalb Stunden vor Start aus der Schale genommen (aber nicht aktiv eingeschaltet), ab der Startlinie hielten diese dann nur ungefähr 90 Minuten durch. Bei »The Dash Pro« sollen bis zu 5 Stunden Spielzeit möglich sein. Mein Halbmarathonszenario ließe sich damit wohl meistern, einen ganzen Marathon würde ich aber auch »The Dash Pro« nicht zutrauen.

Komfort kostet extra

Ein Problem, das laut Zubehörliste auch im Nachhinein nicht korrigiert wurde, ist die Tatsache, dass »The Dash« nicht mit Comply-Foam-Pfropfen geliefert wird. Anfangs gab es diese nicht für diese Art Ohrhörer – mittlerweile aber schon (bei »The Headphone« und »The Dash Pro« werden solche Schaumstoff-Pfropfen als sogenannte »FitTips« mitgeliefert) und diese sind wesentlich bequemer, stabiler und abdichtender als Bragis eigene Silikonüberzüge. Von Comply Foam kosten diese aber 20 Dollar, zusätzlich 9 Dollar Versand sowie Zollgebühr. Nicht, dass die beigelegten »FitSleeves« nicht auch sicher im Ohr sitzen würden, mit der Comply-Foam-Alternative kann man diese bezüglich Komfort und Klang aber einfach nicht vergleichen.

No-go: Verbindung zum Smartphone

Selbst nach vielen Software-Updates ist eines gleich geblieben: Die unbrauchbare Bluetooth-Verbindung zum Smartphone. Steckt man dieses in die Hostentasche brecht die Verbindung dauernd ab. Im Standalone-Modus funktionieren »The Dash« dafür uneingeschränkt, da die Verbindung zwischen den Hörern mittels NFMI funktioniert.

Fazit

Für wen ist »The Dash«? Für Enthusiasten, die von Anfang an dabei sein wollten und auch eigentliche No-gos, wie die unbrauchbare Smartphone-Verbindung, in Kauf genommen haben. »The Dash« ist ein faszinierendes Produkt, dessen geglückte Veröffentlichung mit dem Gros aller angekündigten Features in der Tech-Branche als Wunder eingestuft werden kann. Mit den angekündigten »The Dash Pro« vermute ich allerdings stark, dass Bragi den Verkauf von »The Dash« zugunsten der Pro-Version einstellen wird. Denn wenn die Bluetooth-Probleme tatsächlich behoben wurden, sind auch die 50 Euro Aufpreis (349 gegenüber 299 Euro) verschmerzbar. Unabhängig davon bedeutet das aber für »The Dash«, dass diese in bestimmten Anwendungsszenarien, wie Laufen und Schwimmen (jeweils ohne Smartphone) glänzen, in anderen aufgrund der Verbindungsprobleme aber durchfallen. So faszinierend »The Dash« z.B. im Standalone-Modus funktionieren, so enttäuschend ist leider die Bluetooth-Performance in Verbindung mit einem Smartphone. Hoffnung geben in dem Fall aber »The Dash Pro« – denn wenn Bragi die Erwartungen erfüllen kann, hat das Münchner Start-up einen echten Hit in der Hand und Interessenten können »The Dash« einfach überspringen.

Trotz argem Bluetooth-Patzer faszinierend ★★★½☆


Schlagwörter

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Bragi The Dash

10 Kommentare

#1 von Günter am 10.11.2017, 9:57 Uhr

Hallo
Diese Comply-Foam-Pfropfen….muss ich auf bestimmte Sachen achten, oder sind diese Unisex für alle Marken und Modelle?
Danke
Günter

#2 von Benedikt am 10.11.2017, 12:50 Uhr

Hi Günter, bei den Comply-Foam-Pfropfen musst du unbedingt auf die Kompatibilität zu deinen Ohrhörern achten, da es für jede Marke bzw. jedes Modell eigene Serien gibt.

Es gibt auf complyfoam.com rechts in der Navigation den so genannten »Earphone Finder«, mit dem du kompatible Modelle für deine Ohrhörer finden kannst.

Mit »The Dash« ist aktuell nur das Modell »Truly Wireless« kompatibel, das ich selber im Einsatz habe und sehr empfehlen kann und meiner Meinung nach auch besser ist, als die bei die »The Dash Pro« mitgelieferten Comply-Foam-Klone.

#3 von Günter am 10.11.2017, 16:07 Uhr

Danke für deine Antwort.
Werde dort gleich nachsehen.
Schönes WE
Günter

#4 von Günter am 14.11.2017, 19:48 Uhr

Guten Abend Darf ich nochmals eine Frage stellen? Ich möchte die „The Dash“ mit einen TV verbinden. Dazu muss ich noch einen Bluetooth Transmitter kaufen. Aber die eigentliche Frage ist, sind die Kopfhörer aptX fähig? Danke schon mal. Mit freundlichen Grüßen Günter

#5 von Benedikt am 15.11.2017, 15:17 Uhr

Hi Günter, klar!

Mit einem Bluetooth-Transmitter solltest du »The Dash« mit einem TV verbinden können. Die geringe Latenz von »The Dash« sollte auch einen synchronen Ton ermöglichen, allerdings weiß ich nicht, wie sich der Transmitter hier auswirkt.

»The Dash« sind nicht aptX-fähig und unterstützen nur SBC. Bezüglich Kompatibilität mit Transmittern sollte das aber keine Rolle spielen (SBC-Unterstützung ist bei Bluetooth-Audio vorgegeben) – falls es dir darum gegangen ist.

#6 von Günter am 15.11.2017, 15:43 Uhr

Danke für deine Antwort. Es geht mir primär darum, dass der Ton synchron übertragen wird. Mit freundlichen Grüßen Günter

#7 von Benedikt am 17.11.2017, 8:51 Uhr

Bitte, gern!

Mir war bisher nicht bewusst, dass aptX (bzw. aptX Low Latency) auch eine geringere Latenz als SBC hat. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass sowohl »The Headphone« als auch »The Dash« den Ton bei Video synchron wiedergeben, wenn sie z.B. direkt mit »Apple TV« oder einem »Lumia 950« verbunden sind.

Ich kann am Wochende versuchen meinen alten TaoTronics Bluetooth-Transmitter anzuwerfen und schauen, wie gut er mit »The Dash« funktioniert (habe den Transmitter nie wirklich verwendet).

#8 von Benedikt am 20.11.2017, 8:07 Uhr

Update: Mit meinem zwei Jahre alten TaoTronics-Transmitter funktioniert Bluetooth-Audio-Streaming ziemlich gut. Vom Mac mini gibt es vielleicht noch zusätzlich eine minimale Verzögerung zur direkten Bluetooth-Verbindung, was aber wohl nur im direkten Vergleich auffällt. An meinem Onkyo-Receiver war die Verzögerung höher, allerdings war nach dem Deaktivieren der Option »Lippensynchronisation« der Ton perfekt synchron.

Kurzum: Die direkte Verbindung ist zwar immer zu bevorzugen, ansonsten funktioniert ein Transmitter fast genau so gut.

#9 von Günter am 20.11.2017, 17:59 Uhr

Ja kann ich so auch fast bestätigen. Habe auch so einen kleinen Tranmitter gekauft( frag jetzt nicht wie das Teil heißt) Ist Recht easy zum Einrichten gefangen. Habe zum TV ca. 4Meter Abstand. Es darf nix dazwischen sein was den Empfang stört. Auch den Kopf weg drehen ist schon störent für den Empfang. Das geht bis total Ausfall. Lippensynchron ist geht so. Beim Zimmer verlassen bricht der Empfang nach ein paar Sekunden ab. Aber für meine Anforderungen reicht es. Mfg. Günter

#10 von Benedikt am 22.11.2017, 9:42 Uhr

Hi Günter, freut mich, dass der Transmitter auch bei dir gut funktioniert!

Bezüglich Empfangsstörung beim Drehen des Kopfes oder Verlassen des Zimmers: Das ist meiner Meinung nach normal, da der Kopf aufgrund seines hohen Wassergehalts Bluetooth-Signale blockiert und »The Dash« da prinzipiell auch empfindlicher sind. Bei der Synchronität könntest du in den Optionen deines Fernsehers schauen, ob es eventuell Verzögerungseinstellungen gibt.


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