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Test: »Mighty« – Spotify am MP3-Player, ganz ohne Smartphone

3.5 / 5 Sterne·30.7.2017·Kommentare:  0 · ~ 5 min

Der »Mighty« ist ein via Kicktstarter entstandener MP3-Player mit 8 GB Speicher und (als Killer-Feature) Spotify-Unterstützung. So weit, so gut. Doch warum sollte man sich so einen, wenn man so will, »iPod shuffle«-Klon im Smartphone-Zeitalter überhaupt noch zulegen? Die Antwort auf diese Frage, sowie alle Features samt Alltagstauglichkeit des »Mightys« im ausführlichen Test.

Wozu noch ein MP3-Player?

MP3-Player sind im Smartphone-Zeitalter eine vom Aussterben bedrohte Art. Sogar Apple hat vor kurzem den »iPod nano« und »iPod shuffle« eingestellt – ironischerweise just, als der »Mighty« veröffentlicht wurde. Seit Smartphones die Wiedergabe von Musik übernommen haben, hat der klassische MP3-Player einfach ausgedient und selbst die ihm verbleibenden Nischen wie z.B. Sport werden langsam aber sicher von Wearables wie Smartwatches oder Bluetooth-Ohrhörern besetzt. Als Spotify-User stand man so allerdings bisher vor dem Problem, dass man für Sport weiterhin auf seine Offline-Musikbibliothek auf dem »iPod shuffle« zurückgreifen oder eben das Smartphone mitschleppen musste (dabei wäre Spotify-Unterstützung z.B. für Bragis »The Dash« aufgelegt). Genau hier setzt das Start-up Mighty Audio mit dem »Mighty« an und verbindet die (letzten verbleibenden) Vorteile eine MP3-Players mit einem modernen Musikstreaming-Service.

Auf einen Blick

  • + Spotify-Unterstützung
  • + Guter Klang
  • + Klein und leicht
  • + Bluetooth
  • + Sync via W-Lan
  • - (Noch) keine Zufallswiedergabe
  • - Schlechter Bluetooth-Empfang
  • - Keine MP3/AAC-Files

Ein Old-School-MP3-Player auf Steroiden

In der zweckmäßigen Kartonverpackung befinden sich:

Der »Mighty« ist nur geringfügig größer als ein »iPod shuffle«: etwas breiter und dicker und mit 17 gegenüber 12,5 Gramm (theoretisch) auch schwerer. Dafür hat er unter der Haube nicht nur 8 GB Speicher, sondern auch noch W-Lan und Bluetooth integriert – nicht schlecht für diese Größe. Befüllt wird der »Mighty« über die iOS- bzw. Android-App. In dieser wählt man die zu synchronisierenden Wiedergabelisten seines Spotify-Kontos aus, stellt die Download-Qualität ein und weist bei Bedarf auch Bluetooth-Ohrhörer zu, mit denen sich der »Mighty« ab dann immer nach dem Einschalten verbindet. Angezeigt wird auch der Akku- und Speicherstand.

Musik im W-Lan synchronisieren

Bevor man Musik übertragen kann, benötigt man einen Spotify-Premium-Account und ein (kostenloses) »Mighty Audio«-Konto. Das Übertragen der Musik via W-Lan funktioniert gut und auch schnell – wenn man immer darauf achtet, dass der »Mighty« und das Smartphone guten W-Lan-Empfang haben. Dabei sollte der »Mighty« auch immer am Strom hängen, da bei diesem Vorgang viel Akku verbraucht wird. Eine Synchronisation muss immer manuell in der App ausgelöst werden – prinzipiell kein Problem, man darf aber nicht erwarten, dass der »Mighty« von allein up-to-date bleibt, wenn man am Smartphone oder am PC seine Wiedergabelisten bearbeitet.

Gute, klassische Bedienung

Der »Mighty« hat 6 Buttons:

… sowie einen Befestigungsclip auf der Rückseite und einen 3,5-mm-Kopfhörereingang. Der Akku ist integriert und soll bis zu 5 Stunden Musikwiedergabe ermöglichen. Wie weit dieser Wert nach unten geht, wenn man mit Soundqualität »Extrem« über Bluetooth hört, teste ich noch. Der »Mighty« ist laut Herstellerangaben stossfest und wasserabweisend. Der verwendete Kunststoff fühlt sich gut an, die Verarbeitung ist exzellent und die Buttons haben einen knackigen Druckpunkt. Auch der Clip auf der Rückseite wirkt strapazierfähig. Dass man sich bei Mighty Audio in der langen Entwicklungszeit wirklich Gedanken gemacht hat, beweisen auch die Öffnung im Clip zum Durchschnüren von Riemen zur zusätzlichen Sicherung sowie die leichte Erhebung im Plus-Button zur Orientierung bei »blinder« Bedienung.

Die Tasten zur Musiksteuerung sind wie beim »iPod shuffle« in einem Kreis um die Play-Taste angeordnet. Rechts über diesem Ring befindet sich eine Status-LED und daneben der Button zum Wechseln der Playlists. Drückt man diesen liest eine Stimme den Namen der Playlist vor, zu der gerade gewechselt wurde – eine einfache, aber sehr effiziente Lösung, die sich auch z.B. beim Laufen gut benutzen lässt, ohne auf die Tasten schauen zu müssen. Spulen durch langes Drücken von Weiter oder Zurück funktioniert übrigens nicht, der »Mighty« springt einfach zum nächsten bzw. vorherigen Song.

Guter Sound, unterdurchschnittlicher Bluetooth-Empfang

Am Klang gibt’s nichts zu meckern, wobei dieser hauptsächlich von der eingestellten Soundqualität sowie den verwendeten Ohrhörern abhängt. Im direkten Vergleich zu einem »iPod shuffle« hat dieser zwar die angenehmere Klangsignatur (wärmer und bassbetonter), der »Mighty« klingt etwas roher und luftiger. Ich würde allerdings nicht sagen, dass der »Mighty« per se schlechter als ein »iPod shuffle« klingt, die Klangsignaturen sind allerdings recht unterschiedlich.

Die Bluetooth-Performance ist hingegen nicht berauschend: Wer den »Mighty« mit dem Clip an der Hose befestigt, wird zu den Hörern im Ohr keine stabile Verbindung zusammenbringen. Abhilfe schafft nur, den »Mighty« z.B. an einem LED-Armband am Oberarm zu befestigen – oder eben kabelgebundene Hörer zu verwenden. Eigentlich ist das die einzige echte Schwäche des »Mightys«, die sich leider auch nicht auf die verwendeten Bluetooth-Ohrhörer zurückführen lässt. Die Verbindung war mit …

… immer gleich problematisch. Mit Bragis »The Dash« ließ sich der »Mighty« partout nicht verbinden, was eventuell daran liegt, dass die Verbindung mit »The Dash« über die eigene App etc. nicht unbedingt straight-forward ist. Ich aktualisiere den Test, wenn sich »The Dash« doch verbinden lassen sollte.

Mit Kabelhörern wie den Sennheiser »CX 685« oder den Shure »SE535« funktioniert der »Mighty« übrigens tadellos.

Keine Zufallswiedergabe, keine MP3-Dateien aus der eigenen Musiksammlung

Aktuell unterstützt der »Mighty« leider keine Zufallswiedergabe, was laut Mighty-Support an Spotify hängt, aber anscheinend in Arbeit ist. Derweil lassen sich Songs jedenfalls nur in der in Spotify eingestellten Reihenfolge abspielen. Schwerer wiegt, dass der »Mighty« keine anderen Musikdateien unterstützt. Wer z.B. auch Songs aus seiner iTunes-Bibliothek hören will hat Pech, da dieses Feature nicht unterstützt wird (der »Mighty« wird übrigens auch nicht als Laufwerk angezeigt, über das mitgelieferte Kabel wird nur der Akku geladen). Wer also hauptsächlich einen klassischen MP3-Player (vor allem in Anbetracht der Einstellung des »iPod shuffles«) sucht, muss sich woanders umsehen.

Teurer als ein »iPod shuffle«, billiger als Sonys Sport-Walkman-Ohrhörer1

Mit 86 Dollar (zzgl. > 20 Euro für Zollabwicklung etc.) ist der »Mighty« für einen MP3-Player kein Schnäppchen – dazu ein paar Vergleiche:

Es kommt eben wirklich darauf an, welche Features man benötigt. Für eine Sportspeziallösung liegt der »Mighty« meiner Ansicht nach preislich gerade noch im Rahmen.

Fazit

Der »Mighty« ist ein Nischenprodukt für Leute, die gerne auch dann Musik hören, wenn ein Smartphone stört (z.B. beim Laufen, Klettern etc.) aber trotzdem Spotify verwenden wollen. Wer in diese Zielgruppe fällt, kann nicht viel falsch machen: Spotify am MP3-Player ohne Smartphone, dieses Versprechen hält der »Mighty« auf jeden Fall. Man sollte aber beachten, dass dieser keine herkömmlichen MP3- oder AAC-Files abspielen kann und Bluetooth nur in Kopfnähe uneingeschränkt funktioniert. Die Zufallswiedergabe wird hoffentlich per Softwareupdate nachgereicht (was die Wertung leicht verbessern würde).

★★★½☆


  1. Liebe Sony Corporation, solche generischen Bezeichnungen passieren wenn man sein Produkt »NW-WS413« nennt. 

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Mighty

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