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SSD in »Mac mini« (2012) einbauen – zahlt sich das Upgrade aus?

29.4.2018·Kommentare:  2Retweets:  0 2 · ~ 4 min

Kurz: ja, tut es! Wer seinem in die Jahre gekommenen »Mac mini« neues Leben einhauchen will, dem bietet sich mit dem Einbau einer SSD die ideale Möglichkeit dazu. Im Folgenden beschreibe ich, welche Erfahrungen ich mit dem Tausch der alten HDD gegen eine SSD gemacht habe, und was man sonst noch alles berücksichtigen muss.

Zur Lage des »Mac mini« 2018

Die erste Frage, die man sich vor dem Einbau einer SSD stellen muss, ist, ob sich ein Tausch heutzutage noch finanziell auszahlt. Und diese Frage geht Hand in Hand mit Apples Update-Zyklus des »Mac minis« der sich leider durch sehr lange Intervalle auszeichnet. Zuletzt wurde dieser nämlich 2014 (!) aktualisiert. Wer 2012 (oder auch 2014) einen »Mac mini« gekauft hat, könnte sich also berechtigterweise die Frage stellen, ob man die über 200 Euro für eine SSD nicht lieber gleich in einen neuen »Mac mini« investieren sollte. Größter Vorteil für Besitzer eines 2012er Modells wäre dabei zweifellos der Support für Auflösungen größer als 4K. Die Gerüchte bezüglich einer neuen 2018er-Version halten sich aber in Grenzen, bezüglich der Zukunft des »Mac minis« meinte Tim Cook im Oktober 2017 aber immerhin:

[…] we do plan for Mac mini do be an important part of our product line going forward.

Somit scheinen aktuell ca. 230 Euro für eine SSD auch 2018 noch eine sinnvolle Investition zu sein.

Warum eine SSD?

Als ich meinen »Mac mini« Anfang 2013 gekauft habe, war ich mit der Leistung sehr zufrieden – auch was die verbaute HDD betraf. Leider wurde die Performance in den letzten Monaten rapide schlechter und jeder Vorgang, der irgendetwas auf die Festplatte schreiben musste, dauert gefühlt ewig. Eine Erklärung habe ich nicht wirklich dafür. Es mag sein, dass die verbaute 1-TB-Festplatte kurz davor war, den Geist aufzugeben (Checks mit dem Festplatten-Dienstprogramm deuten allerdings nicht darauf hin) oder aber auch ein Treiber-Problem mit »Sierra« oder »High Sierra«. Fest steht jedenfalls: Irgendetwas hat dazu geführt, dass die Performance des »Mac minis« ziemlich unbrauchbar wurde und alles auf ein Festplattenproblem hingedeutet hat. Spoiler: Der Tausch gegen eine SSD hat das Problem behoben, wie folgende Tabelle zeigt.

Start- und Ladezeiten im Vergleich

Angegeben ist jeweils der Durchschnittswert von mehreren Durchläufen. Gestoppt wurde, sobald der erste Screen der Anwendung vollständig geladen war (z.B. bei Apple »Fotos« inklusive aller Thumbnails in der Seitenleiste etc.)

Vorgang/Startdauer HDD SSD
Power → Login 0:17 0:19
Login → Desktop 1:30 0:06
Apple »Mail« 0:09 0:05
Apple »Fotos« 0:17 0:03
Spotify 0:52 0:05

Welche SSD, welches Werkzeug?

Grundsätzlich ist die Festplatte im 2012er und 2014er »Mac mini« laut Apple kein sogenannter »user-replaceable part« und führt bei eigentständigem Tausch zu Garantie- bzw. Gewährleistungsverlust. Aber keine Angst, bei einem über 5 Jahre alten Gerät spielt das erstens keine Rolle mehr und der Tausch lässt sich zweitens sehr leicht nur durch lösen von Schraub- und Steckverbindungen durchführen.

Wer die Festplatte in seinem »Mac mini« tauschen möchte, findet auf iFixit eine sehr gute Anleitung, die aber meiner Meinung nach etwas zu penibel ist (dazu später mehr), sowie eine Auflistung des notwendigen Werkzeugs. Ich habe mich für Folgendes entschieden (bzw. dagegen entschieden):

Crucial »MX500« ·
Die neueste SSD von Crucial schneidet in Reviews gut ab, hat einen guten Preis und zudem war ich mit den Ram-Bausteinen von Crucial stets zufrieden. Eine Alternative wäre z.B. auch die Samsung »850 Evo« (ist aktuell aber um ca. 50 Euro teurer). Die Bauhöhe ist übrigens egal, sowohl 7,5- als 9,5-mm-Platten lassen sich einbauen, bei 7,5 mm Höhe muss ein – in der Regel mitgelieferter – Adapterrahmen angebracht werden, damit die Platte im Schacht hält.
Torx-Schraubenzieher-Set ·
Im Prinzip braucht man nur einen Torx-6- und Torx-8-Schraubenzieher, dieses Set ist günstig, robust und für diese Aufgabe mehr als ausreichend.
Spudger (optional) ·
Den Spudger (warum nennt das niemand Spachtel?) benötigt man eigentlich nur, um den Festplatten-Konnektor vom Motherboard zu bekommen. Der Stecker ist allerdings ohnehin recht lose, man kann sich hier z.B. auch mit Zahnstochern behelfen.
Logic Board Removal Tool ·
Bitte vergesst das auf iFixit angeführte U-Eisen namens »Logic Board Removal Tool« – absolut unnötig, da das Motherboard nicht ausgebaut werden muss!
2-mm-Hex-Schraubenzieher ·
Ebenfalls unnötig, da der Schritt, in dem dieser Schraubenzieher vorkommt, nicht durchgeführt werden muss!
Externes 2,5″-Festplattengehäuse (optional) ·
Stattdessen zahlt sich ein externes Gehäuse aus, damit man die alte Platte nach dem Ausbau weiterverwenden kann. Ein USB-3-zu-SSD-Kabel tut es auch, wenn man öfters Platten tauscht.

Vor dem Einbau

Die neue SSD muss zwar vor dem Einbau nicht entsprechend formatiert werden, es empfiehlt sich aber, diese zuvor auf Funktionsfähigkeit zu prüfen (z.B. mit dem zuvor erwähnten externen Gehäuse).

Die iFixit-Anleitung ist gut, aber unnötig kompliziert

Die Anleitung auf iFixit ist zwar sehr gut, enthält aber mehr Schritte als notwendig sind. Und so zahlt es sich auch aus, die Kommentare zu lesen, denn darin erfährt man schnell, dass nur Folgendes zu tun ist:

Schritt 1–9:
Entfernen aller notwendigen Schrauben, weder Lüfter (Schritt 5) noch Antennenblech (Schritt 10–11) müssen abgesteckt werden, man kann diese auch einfach so beiseite legen.
Schritt 12:
Festplattenanschluss lösen. Hier kommt der Spudger oder z.B. ein Zahnstocher zum Einsatz – beides einfach wie einen Hebel verwenden.
Schritt 17–20:
Nach Schritt 12 kann man alle weiteren Schritte überspringen, denn man kann die Festplatte wie in Schritt 17 bis 20 beschreiben bereits herausnehmen und tauschen.

Folgende Schritte beim Wiedereinbau werden in der Anleitung zwar nicht erwähnt, sind aber gut zu wissen:

SSD-Einbau:
Die Platte wieder richtig einzusetzen ist eine Herumspielerei. Eine kleine Hilfestellung: Die Platte so waagrecht und so weit oben wie möglich einsetzen, damit man die oberen Aussparungen für die Abstandhalter-Schrauben erwischt. Durch den schrägen Blickwinkel in den Einbauschacht sieht man zuerst nur die unteren Aussparungen für die optionale 2. Festplatte (z.B. damals für Fusion-Drive). Das gewinkelte Konnektor-Kabel ist aber nur für den Einbau in der oberen Position geeignet.
Festplattenanschluss:
Darauf achten, dass der Konnektor wirklich fest sitzt (er klickt leider nicht und rastet auch nicht ein, deshalb ist das nicht leicht festzustellen). Wenn macOS nach dem Booten im Recovery-Modus keine Festplatte anzeigt, liegt das mit hoher Wahrscheinlichkeit daran, dass der Konnektor nicht richtig sitzt.

Erster Start mit neuer SSD und Wiederherstellen aus einem »Time Machine«-Backup

Wenn ein »Mac mini« mit neuer Platte ohne Recovery-Partition bootet, versucht dieser automatisch im Recovery-Modus mit jener macOS-Version zu starten die mit dem Mac geliefert wurde (bzw. mit der ältesten verfügbaren Version), indem er diese von Apple herunterlädt.

Aber: Das ist aktuell »Mountain Lion« (10.8) und damit lässt sich kein »Time Machine«-Backup von »High Sierra« (10.13) wiederherstellen!

Daher sollte man beim ersten Start nach dem Gong entweder mit Option + Command + R die neueste verfügbare Version herunterladen oder die alte Platte vor dem Einschalten extern anstecken, denn dann bootet der »Mac mini« mit der dortigen »High Sierra«-Recovery-Partition.

Das Wiederherstellen dauert einige Stunden, lief bei mir aber problemlos ab. Einzig die Bibliotheken von Apple »Mail« und »Fotos« mussten beim ersten Start der jeweiligen Programme aktualisiert bzw. repariert werden.

Neue SSD – und nun?

Wer durch den Einbau einer SSD auf den Geschmack gekommen ist, dem bieten sich noch weitere Upgrade-Möglichkeiten:

16 GB Ram

Im Gegensatz zur Festplatte gehört Ram im (2012er) »Mac mini« sogar zu den »user-replaceable parts« und kann auch ohne Garantieverlust vom Benutzer eingebaut werden. Wer nicht schon kurz nach dem Kauf auf 16 GB upgegradet hat, kann so auch jetzt noch die Performance erhöhen.

Eine zweite SSD

Wie zuvor erwähnt lassen sich in einen »Mac mini« auch zwei Festplatten einbauen. Wer das tun möchte braucht allerdings ein zweites, speziell geformtes Verbindungskabel zum Logic-Board und Abstandhalter-Schrauben. All das bietet z.B. iFixit im in einem entsprechenden Upgrade-Kit um 20 Euro an.

4K-Auflösung

Eingangs habe ich mit der fehlenden Unterstützung für Auslösungen jenseits der 4K den großen Nachteil des 2012er »Mac minis« erwähnt. Es gibt aber trotzdem Möglichkeiten, auf 4K upzugraden.

Über weitere Tipps in den Kommentaren freuen würde ich mich freuen!


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