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Test: 10 Monate mit dem »iPhone X« – Gutes Smartphone, fades Fazit

4.5 / 5Sterne·10.9.2018·Kommentare:  0Retweets:  0 2

Übermorgen, am 12.9., wird Apple die neuen 2018er-iPhones vorstellen. Ein später, aber dennoch guter Zeitpunkt um ein kurzes Fazit zu meinen 10 Monaten mit dem »iPhone X« zu ziehen und zu erklären, warum für »Notch«-Verweigerer dieses Jahr vielleicht ein besserer Zeitpunkt zum Umsteigen sein könnte.

Auf einen Blick

  • + Grandioses, rahmenloses Display
  • + Face ID funktioniert super
  • + Sehr gute Kamera
  • + iOS-App-Vielfalt
  • - Glasfront- und Rückseite
  • - Diverse iOS-Schwächen
  • - Hakeliges 3D Touch
  • - Relativ schwer (174 g)

Die besten Features: Display, Face ID, Gesten

Das »iPhone X« war zwar nicht das erste Smartphone mit Notch (siehe Essential »PH-1«), aber das erste, das abgesehen von der Notch rundherum keinen Rahmen hatte. Alle anderen Smartphones, die diesbezüglich nachgezogen haben, haben trotz Notch noch ein Kinn – also einen dicken Rahmen an der Unterseite.

Das Display ist sehr gut und auch wenn einige Tester Verbesserungen bei der maximalen Helligkeit festgestellt haben, muss ich zugeben, dass mir dieser Umstand nie wirklich negativ aufgefallen ist.

Face ID statt Touch ID wurde anfangs kontrovers diskutiert. Ich finde Face ID aber viel besser, da ich Touch ID ca. 6 Monate im Jahr nicht nutzen kann und die Qualität der Touch-ID-Buttons oftmals zu wünschen übrig lässt. Klar könnte es noch besser funktionieren, aber es ist schon jetzt ein großartiges Feature, das Apple überall einbauen sollte. Weg mit Touch, her mit Face ID!

Super funktionieren auch die neuen Gesten für Multitasking und Co. Diese gehen intuitiv von der Hand, funktionieren schnell und zuverlässig – hat man nach 5 Minuten drauf. Das müsste Apple nun nur noch beim iPad hinbekommen …

Ein Grund für meinen Umstieg war – hauptsächlich wegen der App-Vielfalt – auch iOS. Wobei dies einerseits mit Version 11 auch einen der Kritikpunkte darstellt (dazu gleich mehr) und man iOS auch mit einem günstigeren 8er-iPhone bekommen kann.

Sehr gute Kamera

Als Nokia- und späterer Microsoft-Smartphone-User habe ich die iPhone-Kameras ja immer ein bisschen belächelt. Es war zugegebenermaßen auch das Einzige, das man als Nokia-User von der Konkurrenz aus Cupterino belächeln konnte. Im Gegensatz zu einem »iPhone 6« (meinem Dienst-iPhone) ist die Kamera im »X« aber wirklich gut, löst schnell aus und es gibt gute Bearbeitungsfunktionen, sodass ich nun wieder regelmäßiger auf Flickr und Instagram poste. Wer sich hier für Vergleiche zur Nokia-Ära interessiert, dem empfehle ich die berühmten Shoot-outs auf All About Windows Phone, konkret jenen zwischen »iPhone X« und einem »Lumia 950 XL« – denn wenn Steve Litchfield sagt, dass das »iPhone X« bessere Fotos als das Windows-Flaggschiff macht, dann ist das auch so. Wer sehen will, wie Apple im Lauf der Zeit aufgeholt hat, kann sich auch die Duelle mit dem iPhone 7 und iPhone 6S geben.

Kein Kopfhörer-Anschluss? Kein Problem!

Der fehlende Kopfhöreranschluss mag manche stören, mich als True-Wireless-Early-Adopter, allerdings nicht. Zum Pendeln und mobilen Musikhören gibt es dazu meiner Meinung nach keine Alternative. Zur Not liegt ein Adapter bei, Partylautsprecher bespielt man ohnehin am besten mit Bluetooth.

Drahtlos aufladen? Schon, aber …

… wirklich verwendet habe ich dieses Feature nie. Ich lade das »X« über Nacht via Kabel auf – obwohl ich mir eine drahtlose Anker-Ladestation besorgt und von meinem »Lumia 950« noch einen FatBoy herumliegen habe. Wireless Charging hat sich bei mir im täglichen Gebrauch noch nicht etabliert. Schlecht für das »X« ist das aber nicht, weil es sich ja auch nicht anderweitig negativ auswirkt.

Kein Fan von Glas

Wenn ich am »iPhone X« etwas als störend bezeichnen müsste, dann wäre das die Materialwahl. Und hier bin ich unter Apple-Fans wohl allein auf weiter Flur, denn bei vielen gilt das »iPhone 4« nach wie vor als designtechnischer Höhepunkt. Was ich für Apple-Produkte ironischerweise bezeichnend finde, weil die ganzen eckigen, Glas- und Glaslook-Produkte einfach nicht ergonomisch in der Hand liegen. Das »iPhone X« punktet hier immerhin mit einem abgerundeten Rahmen, liegt also angenehmer als die 4er- und 5er-Generation in der Hand. Leider ist es mit 174 g aber auch kein Leichtgewicht.

Erster Table Drop nach zwei Wochen

Abgesehen davon, dass sich Glas in der Hand nicht gut anfühlt ist es auch das rutschigste Material, das es gibt. So gleitet das »iPhone X« oft in einem – nicht sofort wahrnehmbaren – minutenlangen Vorgang von jeder auch nur minimal unebenen Fläche. Das hat bei mir nach ungefähr zwei Wochen zum ersten Table Drop, einem Tisch-Absturz, geführt (wie übrigens auch bei YouTuber MKBHD, ab 10:28), während ich mir im Bad die Zähne geputzt habe. Passiert ist zum Glück nichts, habe aber dafür meine Einstellung zu Schutzhüllen fürs »iPhone X« angepasst – es steckt seitdem eigentlich dauernd in einer. Weiterer Pluspunkt: Die meisten Hüllen fühlen sich auch besser an als Glas. Blogpost für eine »iPhone X«-Schutzhüllen-Revue ist in Arbeit.

3D Touch

Die 3D-Touch-Funktionalität finde ich interessant, die Implementierung aber eher mau. Es ist so gut wie nie klar, was man »3D-touchen« (also fester drücken) kann und das Prinzip des »Durchdrückens« – also fester drücken für Vorschau, noch fester für in geeigneter App öffnen (z.B. WhatsApp-Foto in Fotos-App oder Twitter-Link in Browser etc.) funktioniert einfach nicht intuitiv. Entweder ist der Druckweg ingesamt zu kurz oder es stimmt etwas mit dem Timing nicht. Ein mentales Modell, wie das funktionieren sollte, kann man sich hier meiner Meinung nach einfach nicht bilden – auch nicht nach einigem Training.

»iOS 11« – Opfer seines Erfolgs

»iOS 11« mag stabil funktionieren, dafür gibt’s widerum wenig Innvation: Control Center sieht auf allen Screenshots frei definierbar aus, ist aber unflexibel und die Icons alle fix positioniert. Genau so wie der mühsame, starre Home Screen, auf dem sich Icons seit Jahren nur sehr, sehr eingeschränkt platzieren und einordnen lassen. Auch der lahme Today Screen ist so gut wie nutzlos. Dort brauchen Widgets wie z.B. »Harmony« von Logitech so lange zum Initialiseren, dass man mit der dezidierten App schneller ist. »Windows 10 Mobile« war hier in vielen Bereichen schon viel weiter. Der Konkurrenzdruck war aber jahrelang nicht gegeben, sodass hier so gut wie keine Weiterentwicklung stattgefunden hat. »iOS 12« soll hauptsächlich Stabilitätsverbesserungen bringen, große Änderungen wie z.B. die Home-Screen-Verwaltung sollen gerüchteweise erst nächstes Jahr kommen.

Preis oder warum sich ein Umstieg 2018 mehr lohnt

Klar ist: Das »iPhone X« war in vielen Bereichen, vor allem beim Display, ein Pionier. Wie auch das Preisschild von 1.149 Euro – Ab-Preis wohl gemerkt. Klar ist auch: Rahmenlose Displays wurden 2018 zum Standard-Feature, selbst Billig-Smartphones versuchen nun mit zumindest dünnen Rändern zu punkten. Fürs iPhone bedeutet das auch, dass ab 2018 alle Modelle so ein Display haben werden, dieses also auch zu einem günstigeren Preis erhältlich sein wird. Wer also hauptsächlich ein rahmenloses Display und Face ID nutzen möchte, wird dies heuer wahrscheinlich um geschätzt ein paar Hunderter weniger tun können.

Langzeittest, kurzes Fazit

Meine Annahmen nach den ersten 24 Stunden haben sich im Prinzip bestätigt und führen zu einem eigentlich recht faden Fazit: Das »iPhone X« ist ein sehr gutes und sehr teures Smartphone – trotz einiger Kritikpunkte. Man kann (bzw. konnte Ende 2017) mit der Wahl nichts falsch machen, wenngleich z.B. ein »Moto G5« oder »G6« im Prinzip die gleichen Aufgaben erledigt. Es gilt der bekannte Vergleich mit einem Sportwagen. Das »iPhone X« ist so einer und man braucht ihn nicht, um von A nach B zu kommen. Wer allerdings gerne mit dem Auto fährt, hat auf dem Weg mehr Spaß – auch wenn die Kompaktklasse die gleiche Aufgabe erfüllt. Spannend wird es ab 12.9., wenn die selben Luxus-Features des »iPhone X«, wie das rahmenlose Display, sehr wahrscheinlich zur Serienausstattung werden.

★★★★½


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