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Test: Bose »SoundSport Free Wireless« – Klangreferenz mit begrenztem Einsatzgebiet

3.5 / 5 Sterne·17.10.2018·Kommentare:  0Retweets:  0 1

Die »SoundSport Free Wireless« sind die ersten komplett kabellosen Bluetooth-Ohrhörer von Bose und sie klingen fantastisch. Warum sie trotzdem nicht uneingeschränkt zu empfehlen sind, lest ihr in diesem Test.

Änhlichkeit zu den »SoundSport Wireless«?

Man kann es sich fast vorstellen, wie bei Bose die Alarmglocken zu schrillen begannen, als 2016 komplett kabellose Ohrhörer den Markt eroberten und man selber nichts Vergleichbares im Angebot hatte:

»Wir brauchen was ohne Kabel!«
»Aber wir haben doch die ›SoundSport Wireless‹!?«
»Nein, ganz ohne Kabel!«
»…«
»Okay, ich habs! Wir packen die ganze ›True Wireless‹-Technik ins bestehende Modell und kappen das Kabel!«
»Das könnte klappen, die sind Dinger sind ohnehin riesig …«

So oder so ähnlich könnte ich mir das Kickoff-Meeting vorstellen, in denen die Idee zu den »Soundsport Free Wireless« entstanden ist, die dem Vorgänger-Modell ohne »Free« im Produktnamen, vom Verbindungskabel zwischen den Hörern abgesehen, sehr ähnlich schauen.

Auf einen Blick

  • + Hervorragender Klang
  • + Bequemer Sitz
  • + Hohe maximale Lautstärke
  • - Keine Abschirmung vor Umgebung
  • - Sound dringt nach außen
  • - Auffälliges Design
  • - Latenzprobleme in YouTube-App
  • - Fragwürdige Privacy-Voreinstellung

Verpackung und Inhalt

Die Verpackung der »Free Wireless« ist nobel: In einem weißen Kartonschuber, auf dem sich ein geradezu perfektes Abbild des Produkts (sogar die korrekte Farbvariante!) befindet, steckt eine schwarze Box aus stabilem Karton mit weißem Bose-Logo, die sich wie ein Buch öffnen lässt. Auf Seite 1 gleich ein Hinweis auf die Bose-App, hinter Seite 2 befindet sich der eigentliche Packungsinhalt:

Bose vs. Datenschutz

Bevor wir zum eigentlichen Test der Hörer kommen, ein paar Worte zur Bose »Connect«-App: Die ist prinzipiell für den Betrieb nicht notwendig, erlaubt aber die das Vornehmen von Einstellungen wie Bluetooth-Name, Standby-Timer, Sprache und Sprachansagen. Die App ist schön, fast schon liebevoll designt und funktioniert super. Aber: Selbst in der aktuellen Version 6.3.0 von Oktober 2018 und nach Inkrafttreten der DSGVO im Mai nimmt sich Bose rotzfrech das Recht heraus mit dem Akzeptieren der AGB auch gleich die Übermittlung der Daten an Bose zu aktivieren. Wohlgemerkt ohne, dass man das als Benutzer mitbekommt. Man kann die Einstellung in den Datenschutzrichtlinien zwar wieder Ausschalten, wissen muss man das aber erst einmal. Auch ich habe erst nicht daran gedacht, bis ich mich dunkel an folgende Meldung auf »The Verge« erinnern konnte: »Bose Connect app is sharing private listening data, claims lawsuit«. Die App kennt nämlich jeden Titel, den man am Gerät abspielt – egal ob via integriertem Player oder Apps wie Spotify. Am Datenschutz-Screen recht salopp formuliert:

[…] erfasst Bose Connect Diagnose- und Nutzungsdaten (unter anderem Titelinformationen). […]

Datenschutzrechtlich ist das also – gelinde gesagt – durchaus relevant.

Brauchbares Lade-Etui

Hat man die Datenfreigabe an Bose deaktiviert, kann’s mit der Inbetriebnahme der Hörer losgehen, dafür muss man diese aus der Lade-Schale bzw. -Etui nehmen. Diese ist aus Kunststoff gefertigt und lässt sich aufklappen. Der Knopf zum Öffnen aktiviert gleichzeitig die Ladestandsanzeige des Etuis (5 kleine weiße LEDs), über welches die Hörer geladen werden. Nach dem Öffnen zeigt im Etui jeweils ein LED pro Hörer an, ob dieser geladen wird (blinkt) oder aufgeladen ist (leuchtet permanent). Die Hörer selbst sind magnetisch fixiert, sodass diese nicht sofort herausfallen, wenn man das Etui nicht waagrecht öffnet. Das Etui selbst ist gut verarbeitet und recht ergonomisch, aber hosentaschentauglich ist es leider nicht.

Zweckmäßige Computerstimme

Setzt man die Hörer in die Ohren ein, meldet sich sogleich eine Computer-Stimme zu Wort, die zuerst den Ladestand der Hörer ansagt und anschließend, mit welchem Gerät die Hörer verbunden sind. Die Stimme klingt leider wie ein bemitleidenswerter Roboter, spricht aber dafür mehrere Sprachen und ist extrem nützlich. Nicht nur wegen des Ladestands, sondern auch weil es gerade bei mehreren gepaarten Geräten extrem praktisch ist, zu wissen, mit welchem sich die Hörer nun verbunden haben.

Gute Steuerung über Buttons

Nicht nur das, mit einem Druck auf den Ein/Aus-Button am linken Hörer lassen sich die gekoppelten Geräte durchschalten – das ist extrem praktisch. Die Lautstärke kann am rechten Hörer über die Plus- und Minus-Knöpfe geregelt werden. Die Knöpfe sind nicht unbedingt leichtgängig, haben aber einen guten Druckpunkt und lassen sich, mit dem Hörer zwischen Daumen und Zeigefinger eingeklemmt, gut drücken.

Ohrhörer: Bequemer Sitz, auffälliges Aussehen

Die »SoundSport Free Wireless« fühlen sich wertig an, sind gut verarbeitet und lassen sich sehr schnell ins Ohr einsetzen und sitzen dann absolut bequem. Dem gegenüber steht natürlich ihr sehr auffälliges Design. Das ist prinzipiell gelungen und ich habe mich sogar für die rote Variante entschieden, die mir optisch eigentlich gefällt – nur halt nicht aus meinen Ohren herausstehend. Hier sollte man sich auch nicht von den geschickt gemachten Werbefotos täuschen lassen: Die »SoundSport Free Wireless« stehen wirklich weit aus den Ohren heraus, sind im Vergleich zu anderen recht groß und sie fallen einfach auf. So sehr, dass Bose aus der Not eine Tugend gemacht und Varianten mit ausgefallenen Farbkombinationen herausgebracht hat – quasi als Kopfschmuck. Ich würde zwar meinen, dass die »Free Wireless« so noch immer besser als Apples »AirPods« aussehen – aber das ist Geschmackssache. Preis gewinnt hier weder Apple noch Bose.

Klang: Wow!

Der eigentliche Grund, warum ich mich für die »SoundSport Free Wireless« entschieden habe, war die angeblich sehr, sehr gute Soundqualität. In dieser Hinsicht stechen in der Berichterstattung neben den Bose nur noch die Sony »SP700N« hervor – aber ich wollte einmal Bose eine Chance geben. Nach dem Pairing, dem ersten Einsetzen in die Ohren und dem Drücken auf Play musste ich dementsprechend ein lautes Lachen ausstoßen. Nicht, weil der Klang schlecht war. Sondern weil mir sofort klar war, dass ich diese Monstrosität aufgrund des extrem guten Sounds nun in der Öffentlichkeit tragen werde. Die »SoundSport Free Wireless« haben einen Sound, der sofort gefällt. Nicht etwa wie die durchaus gewöhnungsbedürftigen Shure »SE535« mit ihrem nahezu perfekten neutralen Klang, sondern mit einer sehr breiten Bühne, super bassbetont aber dennoch ohne Mitten und Höhen zu Verschlucken. Ein wirklich sehr schöner, ausgewogener aber mitreißender Klang – das kann Bose wirklich.

Größtes Manko: Keinerlei Abschirmung

Leider, leider hat sich in der Praxis ein für mich großes Problem herauskristallisiert: Die »SoundSport Free Wireless« haben aufgrund ihrer offenen Bauweise keinerlei Abschirmung gegenüber Außengeräuschen. Gut, dreht man halt lauter auf, möchte man meinen. Aber das nützt nichts. Die »Soundsport Free Wireless« sind nämlich keine Ohrkanal-Ohrhörer. Sie halten mit den Flügeln (den zuvor erwähnten »StayHear®+ Sport-Polsterkappen) in der Ohrmuschel und die eigentlichen »Tips« liegen nur am Gehörgang auf. Das heißt im Zug hört man Gespräche, das Öffnen der Türen etc. durch. Man nimmt praktisch ständig das vorhandene Grundrauschen der Außenumgebung wahr. Noch schlimmer ist es beim Laufen, wo man bei etwas Wind fast nur noch diesen wahrnimmt – damit sind die »SoundSport Free Wireless« für einige Sportarten eigentlich überhaupt nicht geeignet. Und natürlich hört die Umgebung auch die abgespielte Musik.

Mein erster Gedanke war, von Comply Foam entsprechende Schaumstoff-Pfropfen zu bestellen, um dieses Problem zu umgehen. Leider gibt es aber für die »SoundSport Free Wireless« kein passendes Modell. Zudem dürfte bei dem auf Bass abgestimmten Sound, das Klangbild bei einer Abdichtung des Gehörgangs durch Schaumstoff ziemlich verzerren.

Asynchroner Sound in YouTube-App

Obwohl sich die »SoundSport Free Wireless« soundtechnisch eigentlich keinen groben Schnitzer leisten (Verbindungsprobleme gibt es weder zum Smartphone, noch zwischen den Hörern), ist es doch seltsam, dass gerade in der YouTube-App (getestet in iOS) der Ton asynchron ist. Geht man im Browser auf YouTube tritt das Problem interessanterweise nicht auf. Das ist möglicherweise nicht Boses Verschulden, aber nervig – und ist mir sonst noch bei keinen True-Wireless-Ohrörern aufgefallen (wenn, dann litten sie wie die Earin »M-1« unter einer allgemeinen Verzögerung).

Fazit

Die »SoundSport Free Wireless« sind ein schwieriger Fall. Denn sie beweisen, das guter Sound (noch dazu zu einem moderaten Preis von ca. 170 Euro) nicht alles ist – das hätte ich vorher selbst nicht für möglich gehalten. Aber was nützt einem guter Sound, wenn sich ständig Außengeräusche dazwischen schummeln, man beim Laufen das Brausen des Windes fast mehr wahrnimmt als die Musik und sich auch am Rudergerät das Geräusch des Schlittens immer wieder in den Vordergrund drängt? Für welche Art Sport sind die »SoundSport Free Wireless« dann bitte geeignet?! Für mich sind sie das In-Ear-Pendant zu echten Bügel-Kopfhörern: Sie lassen sich schnell »anlegen« und eignen sich am besten für die eigenen vier Wände – wenn’s halt ruhig ist und man auch niemandem mit dem nach außen dringenden Sound stört.

Guter Sound ist nicht alles ★★★½☆


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Bose Soundsport Free Wireless

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