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Test: Brydge Keyboard fürs »iPad Pro 10,5″« – Eine schlechte iPad-Tastatur

2.5 / 5Sterne·3.10.2018·Kommentare:  0Retweets:  0 1

Bevor Apple seine »iPad Pros« diesen Herbst mit hoher Wahrscheinlichkeit erneuern wird, widme ich mich noch dem letzten iPad-Accessoire, das ich mir näher angeschaut habe: dem berühmten Brydge Keyboard (bzw. dem »Brydge 10,5"«, um genau zu sein), das ursprünglich auf Kickstarter entstanden ist. Gleich vorweg: Wie der Titel schon andeutet, kann man diese Tastatur kaum empfehlen und wenn Apples »Smart Keyboard« die meiner Meinung beste iPad-Tastatur ist, müsste das Brydge – trotz enorm vieler positiver Aspekte – aktuell eigentlich das schlechteste sein.

Auf einen Blick

  • + Toller Look
  • + Gute Verarbeitung
  • + Tasten fühlen sich gut an
  • + Beleuchtung
  • + Gute Scharniere
  • + Variante für jede iPad-Farbe
  • - Unzuverlässige Tasten
  • - Unwürdige Verpackung
  • - Einzeilige Entertaste

Erwartete Probleme, die nicht aufgetreten sind

Bevor ich mir ein Brydge bestellt habe, habe ich eigentlich an einem Artikel gearbeitet, in dem ich begründe, warum ich mir keine Brydge-Tastatur kaufen werde. Folgende drei Gründe sprachen für mich dagegen:

Gleich vorweg: Punkt 1 und 2 sind bei mir nicht aufgetreten und für Punkt 3 habe ich mir einfach ein entsprechendes Schutztuch besorgt. Das Hauptproblem des Brydge liegt aber ganz woanders und dazu komme ich am Ende dieses Tests.

Unwürdige Verpackung

Bevor wir zur eigentlichen Tastatur kommen, möchte ich hier auf etwas eingehen, das ich bei Produkten normalerweise eher als nebensächlich erachte: die Verpackung. Die ist bei Brydge für ein Produkt dieser Preisklasse nämlich unzumutbar. Die Tastatur kommt zwar in einem schönen und stabilen Karton mit Magnetlasche. Dieser ist aber unversiegelt und die Tastatur liegt einfach ohne weiteren Schutz direkt im Karton. Anker Powerbanks um 10 Euro haben vertrauensvollere und luxuriösere Verpackungen als dieses 140-Euro-Produkt. Verrutschen kann die Tastatur im Karton zwar nicht, hochwertigen Eindruck macht das aber keinen.

Gute Verarbeitung, überraschend gute Scharniere

Bevor wir zum vernichtenden No-go dieser Tastatur kommen, zunächst die positiven Aspekte. Die Tastatur an sich ist gut verarbeitet, fühlt sich gut in der Hand an und die Tasten samt Druckpunkt machen (zunächst) einen sehr guten Eindruck, weil sich auf ihnen angenehm Tippen lässt. Die Zeichen sind zudem aufgedruckt und nicht geklebt (würde bei Beleuchtung auch nicht anders gehen). Ich würde fast behaupten, dass sie sich sogar besser anfühlen, als beim Apple »Smart Keyboard« und Logitech »Slim Combo«. Die Tastatur ist zudem beleuchetet, bietet eine Shortscuts-Reihe und ist (bei Brydge muss man das dazusagen, weil das nicht immer so war) als Qwertz-Version verfügbar. Zumindest Pseudo-Qwertz: Denn während Z und Y am richtigen Platz sind, ist Enter leider nur einzeilig realisiert. Die Verbindung wird über Bluetooth hergestellt, was aufgrund der tiefen Lage des Smart Connectors, wenn das iPad in den Scharnieren steckt, wohl auch nicht anders machbar wäre. Ein großes Problem ist das aber meiner Meinung nach nicht.

Bei den Scharnieren war ich vor dem Kauf skeptisch, diese hat Brydge aber gut hinbekommen. Sie üben nämlich genau den richtigen Druck aus: Das iPad steckt stabil in den mit Gummi gepolsterten Klammern, drücken aber nicht zu fest, um Displayverfärbungen zu erzeugen (wie gesagt, auf Amazon merken das User an, bei mir ist das nicht der Fall). Die Scharniere bleiben zudem stabil, wie ein mehrstündiger Test über Nacht bei mir ergab. Und entgegen meiner Erwartung kann man das iPad auch recht schnell aus den Klammern ziehen. Die Scharniere lassen wirklich keine Wünsche offen.

Vorteile gegenüber Apple- & Logitech-Alternativen

Die Tastatur ist dreistufig beleuchtet und wiegt 520 Gramm. Bei der Logitech »Slim Combo« habe ich das vergleichbare Gewicht von 528 Gramm und mit den ganzen Bulk, den das iPad durch das Backcover bekommt, kritisiert. Das Brydge ist sicher nicht leicht, hat aber einen Akku verbaut und muss schwer genug sein, damit es mit einem iPad durch die Kopflast nicht nach hinten kippt. Insofern geht das Gewicht hier in Ordnung, wobei das iPad samt Tastatur gewichtstechnisch schwerer als so manches Notebook ist. Apropos kippen: durch die Scharniere lässt sich das iPad stufenlos bis zu 180 Grad nach hinten neigen – ohne jemals das Gleichgewicht zu verlieren. Die Brydge-Lösung ist somit außerordentlich elegant und hat im Gegensatz zum »Smart Keyboard« eine leicht zu reinigende Unterseite samt Gummmifüsschen, wodurch die Tastatur im Gegensatz zur »Slim Combo« weder verrutscht noch zerkratzt. Es klingt in Anbetracht der vorhandenen Lösungen von Logitech und sogar Apple selbst seltsam, aber der Brydge-Ansatz ist eigentlich der offensichtlichste: Eine Tastatur, mit der man die besten Aspekte eines Notebooks mit jenen eines Tablets kombiniert. Stabiler Stand mit beliebigem Blickwinkel ohne viel Bulk und dazu ein super Schreibgefühl. Es könnte alles so schön sein, wenn da nicht diese eine Sache wäre …

No-go: Tastendruck-Erkennung bzw. Switches

Kommen wir jetzt zu dem Teil, den die Brydge-Tastatur zu meiner Meinung nach schlechtesten Option für iPad-Nutzer macht: der Tastendruck-Erkennung. Denn das Brydge erkennt nicht immer jeden Tastenanschlag. Wie oft? Mindestens 1-2 mal pro 70 Anschläge – das ist eine Zumutung.

Das Phänomen scheint auch nicht auf bestimmte Tasten beschränkt zu sein. Manchmal ist es die Shift-Taste und ein Buchstabe wird halt klein geschrieben, manchmal eine Buchstaben-Taste. Das N ist mir sehr häufig aufgefallen, liegt aber womöglich an der häufigen Verwendung im deutschen Sprachgebrauch. Bin ich der beste und präziseste Tipper? Nein, aber dieses Phänomen hat garantiert nichts mit Tippstil oder Ähnlichem zu tun, denn weder das »Slim Combo«, noch das »Smart Keyboard« (oder irgendeine andere Tastatur, die ich jemals verwendet habe) weisen dieses Problem auf. Habe ich eventuell ein Montagsprodukt erwischt? Wenn ja, dann nicht eines, sondern zwei. Auf Amazon scheint dies zudem einer der Hauptkritikpunkte zu ein. Und nein, man gewöhnt sich nicht daran, man hämmert auch nicht irgendwann so präzise auf die Tasten, dass das Problem nicht mehr auftritt und es hat auch garantiert nichts – wie manchmal in Reviews im Web angemerkt wird – mit Bluetooth zu tun. Ich habe diesen Test großteils auf dem Brydge geschrieben und schon während des Schreibens laufend fehlende Buchstaben korrigiert, aber selbst beim finalen Check sind mir noch mindestens ein Dutzend Wörter mit fehlenden Konsonanten und Vokalen aufgefallen, die mir bei der laufenden Korrektur entgangen sind – mühsam. Ultra-mühsam.

Es sind einfach die miserablen Switches, die einen präzisen, festen Druck im Zentrum der Taste erfordern. Das kann man auch reproduzieren, indem man eine Taste entweder sanft in einer der Ecken drückt oder auch in der Mitte kurz antippt. Obwohl der Druckpunkt erreicht wird, wird kein Anschlag ausgelöst. Ergo: miserable Switches. Passiert nicht einmal bei 20-Euro-Billigtastaturen.

Dass ich übrigens beim besten Willen keine Möglichkeit gefunden habe spitze Klammern zu tippen (die Symbole am B und am N sind seltsamerweise einfache »Gänsefüsschen« und keine spitzen Klammern), will ich der Vollständigkeit halber zwar auch erwähnen, mutet aber in Anbetracht der miesen Switches wie ein Luxusproblem an.

Fazit

Das Tastendilemma ist echt schade, denn wenn dieses eine Problem nicht bestehen würde, dann hätte das Brydge nicht nur das Potenzial, besser als das »Smart Keyboard« zu sein. Es wäre eigentlich genau jene Art Tastatur, die Apple selber bauen würde. Verarbeitung, Materialwahl etc. sind super, das Gefühl beim Tippen sehr gut und die Lösung an sich elegant. Aber schreiben kann man darauf einfach nicht.

Große Ambitionen, noch größerer Haken ★★½☆☆


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Brydge 10.5

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