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Kritik: »Aquaman«

Spoilerfrei·3 / 5Sterne·14.1.2019·Kommentare:  0Retweets:  0 1

Ich frage mich ja schon seit Längerem, wann die erste Comic-Verfilmung den Bogen der Glaubwürdigkeit überspannen wird (wohlgemerkt, der Glaubwürdigkeit und nicht jenen des Realismus1).

»Aquaman« überschreitet diese Grenze zwar nicht unbedingt, tastet sich aber schon sehr nah an sie heran. Denn auch wenn man meint, im Superhelden-Gerne schon so ziemlich alles gesehen zu haben, so belehrt einen »Aquaman« eines Besseren: Willem Dafoe auf einem Seepferdchen? Check. Nicole Kidman in einem Schuppenkostüm? Check. Dolph Lundgren?! Check. Julie Andrews (zumindest ihre Stimme in der OV)?!?! Äh, check.

Was wie die Traumbesetzung eines abgedrehten Sci-Fi-Blockbusters aus den 80ern klingt, ist jedoch in Wahrheit DCs bis dato erfolgreichste Comic-Verfilmung – wenn auch im 21 Jahrhundert, mit über einer Milliarde Dollar Einspielergebnis, Stand Jänner 2019. Aber was macht diese Geschichte nun weniger glaubwürdig als andere Superhelden-Geschichten? Bietet z.B. »Wonder Woman« mit der »Paradiesinsel« Themyscira nicht ein ähnlich abgedrehtes Setting wie Atlantis in »Aquaman«? Mag sein, aber die ständig im Wasser schwebenden Charaktere, die sich im in Neonfarben ausgeleuchteten Ozean wie normale Menschen unterhalten, verlangen einem schon ein bisschen viel ab.

Dazu kommt halt wieder eine klassische Story, die wie eine Mischung aus Disneys »Vaiana« und einem »Game of Thrones«-Klon-Thronfolge-Drama anmutet. Für dem Genre nicht abgeneigte Besucher zwar gerade noch verträglich, aber doch irgendwie schräg und – man möge mir den Vergleich verzeihen – trotz überwiegendem Handlungsverlauf tief im Ozean etwas »oberflächlich«.

Da können auch Hauptdarsteller Jason Momoa und Leinwandkontrahent Patrick Wilson wenig retten. Ironischerweiser scheint mir »Aquaman« als Realfilm-Interpretation seines 60er-Jahre-Zeichentrick-Vorgängers zwar sehr gelungen, ich bezweifle allerdings, ob das eine gute Nachricht ist.

Interessanter wäre vielleicht gewesen, eine charakterfokussierte Origin-Story in dem kleinen Hafenstädtchen inklusive dem atmosphärischen Leuchtturm-Zuhause zu erzählen, in dem Aquamans Vater seinen Dienst tut. Also in jenem Setting, in dem der Film – und das durchaus vielversprechend – beginnt. Da DC aber Aquaman (den Charakter) ja unbedingt bereits in »Justice League« unterbringen wollte und »Aquaman« (der Film) zeitlich danach spielt, schied diese Option wohl von vornherein aus. Schade.

★★★☆☆


  1. Ich verweise hier wieder gerne an den von mir oft gebrauchten Begriff des »Suspension of Disbeliefs«.  

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Trailer (YouTube) · IMDb · Rotten Tomatoes · Metacritic · Box Office Mojo

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Aquaman https://benedikt.io/2019/01/kritik-aquaman/ 2019-01-14 James Wan https://benedikt.io/media/movie-review.jpg Schräg, abgedreht, oberflächlich. Finanziell immerhin DCs bis jetzt erfolgreichste Kinoumsetzung. ★★★☆☆

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