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ÖBB: Odyssee mit der S1

25.1.2019·Kommentare:  0Retweets:  0 2

Als mir dieses »Fahrerlebnis« Anfang des Jahres passiert ist und ich meinen mittlerweile monatlichen ÖBB-Post dazu zu schreiben begann, war ich mir nicht sicher, ob diese Problembeschreibung so viel her gibt – denn, gleich vorweg: Sie ist nicht lustig. Allerdings hat sie mich zu meinem empirischen Selbstversuch, den ich 2019 durchziehen werde, inspiriert. Falls sich also jemand gefragt hat, was der Auslöser dafür war, hier ist er:

Der Versuch eines vorverlegten Wochenendstarts

Es ist der 4. Jänner 2019, das neue Jahr ist noch jung und die meisten Kollegen noch auf Urlaub. Ich beschließe, es ruhig anzugehen und läute das Wochenende an diesem Freitag etwas früher ein und mache mich um vier auf den Weg zum Zug.

Ein bisschen Verspätung

In Wien Mitte am Bahnsteig angekommen wird die S1 zwar bereits mit einigen Minuten Verspätung angezeigt, aber hey, das soll die bereits vorherrschende Wochenendstimmung nicht trüben. Die Verspätung erhöht sich zwar Minute um Minute, aber noch bin ich zuversichtlich.

Jede Menge Verspätung

Als die Verspätung aber plötzlich von ca. 15 Minuten auf eine halbe Stunde hochschnellt, muss selbst ich mir eingestehen, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Dieses irgendetwas ist ein defekter Zug auf der Strecke, wie Chris Lohner in Dauerschleife, ebenso wie Verspätung um Verspätung, verkündet.

Mein üblicher Trick, einfach einen Zug bis nach Floridsdorf zu nehmen und auf eine eingeschobene S1 zu hoffen, funktioniert nicht, weil selbst der nächste Zug – ebenfalls verspätet – erst in 25 Minuten einfahren würde.

Wiener Linien to the Rescue?

Ich nutze die Macht meiner Jahreskarte und steige auf die Wiener Linien um: U4 bis Spittelau, dann mit der U6 bis nach Floridsdorf. Denn einerseits ist unklar, wie groß die Verspätung noch werden wird und andererseits schafft man so immerhin schon ein paar Kilometer in die richtige Richtung.

In Floridsdorf angekommen, stelle ich um kurz vor fünf ernüchtert fest: die nächste S1 ist nach wie vor jene, die anscheinend noch immer nicht in Wien Mitte eingetroffen ist. Von Floridsdorf soll sie statt 16:32 um 17:12 abfahren. Nach Verspätungsupdates auf 17:15 und 17:16 fällt mir auf der Anzeige bei der Spalte mit den Haltestellen etwas auf: Diese S1 fährt nicht bis nach Gänserndorf, sondern endet in Strasshof. Ein paar Kilometer vor meinem eigentlichen Ziel.

Leaving Florido

Um 17:20 herum fahren wir tatsächlich von Floridsdorf ab. Im Zug fällt mir eines dieser Werbeplakate für eine Karriere bei den ÖBB auf: »Helle Köpfe geben alles« steht da. Das will ich auch gar nicht bezweifeln, beim Claim ganz unten am Plakat, »Immer in Bewegung. ÖBB.« kann ich mir ein Schmunzeln aber nicht verkneifen.

Wir schieben uns durch die verschneite Vorstadt über Süßenbrunn bis nach Deutsch-Wagram, Helmahof und Strasshof. Kurz vorher verkündet der Lokführer Letzteres als Endstation und meint – immerhin optimistisch – dass der nächste Zug in 10 Minuten eintreffen würde. Scotty ist mit 17 Minuten zwar anderer Meinung, aber Haarspaltereien bezüglich Genauigkeit scheinen mittlerweile fehl am Platz.

Vom defekten Zug zum Polizeieinsatz

In Strasshof am Bahnsteig wird als Grund für die Verspätungen im Schienennetz interessanterweise kein defekter Zug mehr, sondern ein Polizeieinsatz angegeben. Was immer die Ursache für die alle Verbindungen betreffende Verspätung gewesen sein mag, es muss wohl ziemlich episch gewesen sein. Am Bahnsteig meint die Anzeigetafel Abfahrt Richtung Gänserndorf um 17:54, das Display mit allen Abfahrten hingegen 18:00. Letzteres sollte Recht behalten, denn der Zug der um 17:54 ankommt, kommt zwar auf unserem Bahnsteig an, fährt aber Richtung Wien-Meidling in die Gegenrichtung. Einige Minuten später, kurz vor 18:00 trifft auch tatsächlich unsere Garnitur ein und bringt die restlichen Fahrgäste sicher nach Hause. Verspätung: 1 Stunde.

Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir ab Floridsdorf ein Taxi genommen oder im Büro mein ZA-Konto geschont.


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