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Star Trek: Die 3 größten Fehler von »Discovery« und meine Hoffnungen für »Picard«

23.1.2020·Kommentare:  0Retweets:  0 2

Morgen (Freitag, 24.1.) startet mit »Star Trek: Picard« die wohl am heißesten erwartete »Star Trek«-Serie seit knapp 20 Jahren. Nach dem traurigen Aus für »Star Trek: Enterprise« 2005 und dem zumindest eigenwilligen »Star Trek: Discovery« 2017 erhoffen sich Fans auf der ganzen Welt nun genau jene (perfekte) »Star Trek«-Serie, auf die sie seit Jahrzehnten warten.

Ich muss zugeben, auch meine Erwartungshaltung ist entsprechend hoch. Nicht, dass ich von »Star Trek: Discovery« enttäuscht war. Es hat in meinen Augen vieles richtig gemacht, aber sich leider auch ein paar Fehler geleistet, die »Star Trek: Picard« hoffentlich nicht wiederholt.

Die 3 größten Fehler von »Star Trek: Discovery«

3. Wieder mal ein Prequel …

Jeder Fan auf dieser Erde in diesem Universum fragt sich: Warum versteifen sich die Verantwortlichen bei Paramount (Kino) und CBS (TV) seit 20 Jahren nur1 auf Prequels? »Star Trek: Enterprise« (2001-2005), die Kelvin-Zeitlinie (2009-2016), »Star Trek: Discovery« (seit 2017) – man musste ja schon froh sein, wenn neuer Stoff zumindest in der Kirk-Ära angesiedelt war.

Was ist das Problem bei Prequels? Nun, sie sind zunächst einmal von der Grundidee her fad, weil deren Möglichkeiten durch die bestehenden Geschichten beschränkt sind. Nichts, was in einem Prequel geschieht, kann Auswirkungen auf den bereits umgesetzten Lauf der (Franchise-)Geschichte haben. Also picken sich die Macher meist angerissene, im bestehenden Material nicht näher beleuchtete – aber von Fan-Theorien umwobene – Ereignisse heraus (Krieg der Föderation mit den Klingonen, der erste Warp-Flug etc.) in der Hoffnung, damit vor allem die Fanbasis anzusprechen und Hype zu erzeugen. Dabei können zwar interessante Geschichten herauskommen (die Autoren von »Voyager« und »Deep Space Nine« hatten teils kreative Methoden um historische Star-Trek-Ereignisse in aktuelle Storys einzubinden – Sichwort »Tribbles«).

»Enterprise« ging mit diesem Ansatz aber schon nach wenigen Folgen die Luft aus. Dass die Serie ein Prequel war, machte von den Storys her bald keinen Unterschied mehr und Notfallmaßnahmen gegen Quotentiefs wie der Angriff der Xindi auf die Erde schienen bei der »next Generation« im 24. Jahrhundert plötzlich komplett austherapiert zu sein.

Der durchaus kreative Ansatz im Kino, mit der sogenannten Kelvin-Zeitlinie die Karten neu zu mischen und die (neue) Zukunft für Kirk, Spock & Co. völlig offen zu lassen, ist so gesehen natürlich genial. An den Kinokassen führte das leider nicht zum gewünschten Erfolg und auch hier hatte das Notfallprogramm, mit »Beyond« (2016) ein Action-Spektakel bieten zu wollen, eher den gegenteiligen Effekt – und mit der Grundidee der Kelvin-Zeitlinie absolut nichts mehr zu tun (das Schicksal um die Kinofilme ist derzeit – bestenfalls – offen).

Und in »Discovery« erfuhren Fans erst wieder nicht wie’s mit der Föderation, der Sternenflotte und dem Alpha-Quadranten weitergeht. Stattdessen wurde ein weiterer Spin-off zwischen »Star Trek: Enterprise« und die Kirk-Ära gequetscht. Und als Steigerung gab’s mit den hierzulande nicht veröffentlichten »Short Treks« teilweise sogar Prequels zum Prequel …

Diese Fehler wiederholt »Star Trek: Picard« zum Glück nicht. Die Serie spielt in der Zukunft (auch in der Serie sind seit dem letzten Auftritt Picards 20 Jahre vergangen) und bietet damit zum ersten Mal seit »Star Trek: Nemesis« Einblicke in Star Treks Menschheitsgeschichte nach »Das nächste Jahrhundert, »Deep Space Nine« und »Voyager«.

2. Einschläfernder Fahrstuhlmusik-Vorspann

Man kann darüber streiten, ob ein Detail wie die Introsequenz einer Serie überhaupt wichtig ist. Die einschläfernden, sphärischen Klänge des – visuell durchaus gelungenen – Vorspanns von »Star Trek: Discovery« stören mich aber jedes Mal. Mag sein, dass man sich dabei einiges gedacht hat, aber ein guter Vorspann sollte den Zuseher packen und die Vorfreude verstärken, im besten Fall Gänsehaut auslösen, wenn nach der Abblende des Spannung aufbauenden Cold Openings die ersten Klänge der Titelmelodie erklingen. Das »Discovery«-Intro liefert aufgrund des profillosen Themes leider nichts davon. Jetzt muss man für »Picard« nicht gleich Mike Post engagieren, aber ich hoffe inständig, dass man – selbst wenn sich das Intro nur auf eine Title Card beschränken sollte – hier musikalisch in die Vollen geht.

1. Verkorkste Erzählweise

Gut, mit dem Prequel-Ansatz kann man leben, wenn die Geschichten spannend sind. Und ein wenig gelungener Vorspann ist in einer Minute überstanden (bzw. kann – für mich zwar ein Sakrileg – im Streaming-Zeitalter übersprungen werden). Der meiner Meinung nach größte Fehler ist den Machern aber bei der Erzählweise unterlaufen.

Um das besser zu erklären, muss ich zunächst ein dunkles Geheimnis von mir lüften: Ich habe die 2. Staffel von »Discovery« noch gar nicht fertiggeschaut. Denn obwohl mir die Serie grundsätzlich gefällt, war sie immer ein bisschen mühsam anzuschauen, irgendwie – in Ermangelung eines besseren Begriffs – stressig.

Lange bin ich nicht dahintergekommen, was dieses Gefühl beim Anschauen ausgelöst hat, bis ich irgendwann am Anfang der 2. Staffel erkannt habe, dass die Macher oft Ideen für in sich geschlossene Episoden auf mehrere Epsioden aufteilen. Und zwar nicht in Form eines dichten Handlungsbogens, sondern z.B. 3 Ideen für 3 Einzelepisoden gleichzeitig verteilt auf mehrere Episoden plus Rahmenhandlung. Als konkretes Beispiel sei hier die Nebenhandlung um Dr. Hugh Culber (Wilson Cruz) genannt, die irgendwann wieder aus dem Nichts heraus aufgegriffen wurde. Es hat fast den Anschein, als würde man versuchen, klassische Plot-Ideen für 45-minütige Episoden ins Korsett des angesagteren Miniserien-Formats zu quetschen.

Daher hoffe ich sehr, dass man sich bei »Star Trek: Picard« auf alte Stärken besinnt2 und die Folgen nicht als derartiges Potpourri an Storylines serviert. Der Trailer wirkt vielversprechend und sieht zumindest danach aus3, als würde es um eine einzelne Geschichte gehen, was Produzent Alex Kurtzmann im Interview mit dem »Standard« zu bestätigen scheint:

[..] Und jetzt hat es das Streaming-TV möglich gemacht, Geschichten auf eine so neue Weise zu erzählen. Deep Space Nine war noch mehr eine typische Fernsehserie. Jetzt aber geht es mehr in Richtung langer Geschichten, fast so etwas wie zehn oder fünfzehn Stunden lange Filme.

Hoffen wir also auf eine gelungene Premiere am Freitag.

Eure Meinung

Was meint ihr? Gespannt auf »Star Trek: Picard«? Oder nach »Star Trek: Discvoery« doch eher skeptisch? Auf Feedback dazu freue ich mich in den Kommentaren!


  1. Mit Ausnahme des desaströsen »Star Trek: Nemesis«
  2. Und zwar an alte »DS9/Dominion-Krieg«-Stärken. 
  3. Wobei auch das damalige »Discovery«-Promomaterial den Eindruck einer konsequenten »Klingonen-Konflikt«-Erzählung vermittelte. 

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