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Maus-Support in iPadOS: Je nach Maus viel­ver­spre­chend bis enttäuschend

25.3.2020·Kommentare:  0Retweets:  0 1

Seit gestern Abend ist iPadOS 13.4 verfügbar und damit erstmals in der Geschichte des iPads auch offizieller Maus-Support. Meine ersten Erfahrungen schwanken zwischen vielversprechend und enttäuschend. Man könnte fast scherzhaft meinen, Apple hat die Mausunterstützung so lange hinausgezögert, weil sie iPad-Usern kein (zumindest stellenweise) schlechtes Scrolling in iPadOS zumuten wollten.

Doch der Reihe nach. Eine Bluetooth-Maus oder -Trackpad kann man seit iPadOS 13.4 ganz normal über die Bluetooth-Einstellungen verbinden, das Eingabegerät funktioniert dann sofort. Allerdings mit »natürlichem Scrollen« bzw. das, was Apple darunter versteht: Scrollen nach oben mit dem Mausrad scrollt in iPadOS nach unten. Das entspricht der natürlichen Wischbewegung, widerspricht aber für viele (ältere?) User dem seit Jahrzehnten angewöhnten Mausrad-Scrolling. Zum Glück lässt sich dies in den Einstellungen unter Allgemein → Maus & Trackpad ändern – ja, die einst geschmähte Eingabemethode hat jetzt einen recht prominenten Platz in den iPadOS-Einstellungen (wo sich z.B. auch die Mauszeiger-Geschwindigkeit einstellen lässt).

Maus-Unterstützung prinzipiell gut …

Das Bewegen des Mauzeigers funktioniert sehr gut, auch das Markieren von Text klappt wunderbar. Und das Verschmelzen des Mauszeigers mit seiner Umgebung je nach Objekt (z.B. Hover-Effekt bei App-Icons) fühlt sich gar nicht so seltsam an, wie ursprünglich angenommen. Die visuelle Integration des Mauszeigers in ein touchbasiertes Betriebsystem ist überhaupt schön gelöst. Denn anstatt eines faden statischen Zeigers, hat Apple den punktförmigen Cursor wie einen kleinen, sportlichen Blob ausgelegt, der je nach Objekt mit einer sehr flotten Animation seine Form ändert.

Weil ich übrigens selber danach googeln musste: Das Aufrufen des Home Screens entspricht der originalen Wischgeste, ist aber für die Ausführung via Maus eher nicht intuitiv. Man muss nämlich »einfach« den Mauszeiger so lange nach unten ziehen, bis der Home Screen erscheint. Große Tische sind von Vorteil, wenn man iPadOS mit einer Maus verwendet.

… aber

Je nach Maus bzw. Trackpad stellt man schnell fest, dass die neue Mausunterstützung in iPadOS auch unschöne Seiten hat, nämlich beim Scrollverhalten. Getestet habe ich ein Logitech T651 (die einstige 3rd-Party-Alternative zu Apples Magic Trackpad), eine Logitech M535, eine Logitech M720 Triathlon und last and least (dazu gleich mehr) eine Apple Magic Mouse der ersten Generation (mit Batteriefach).

Logitech T651 – Zweifingerscrolling möglich

Während sich Logitechs (lang ausgelistetes) Trackpad – im Gegensatz zu beliebigen Bluetooth-Mäusen – mit einem Samsung Galaxy Tab S5e gar nicht verbinden lässt, funktioniert das in iPadOS sofort. Den Mauszeiger kann man wie gewohnt bewegen und selbst das Scrolling mit zwei Fingern funktioniert auf Anhieb. Weitere Gesten, wie von Apple mit seiner eigenen Trackpad-Hardware beworben, klappen hingegen leider nicht. Eine 1:1-Abbildung des Scrollings per Touch bietet das T651 jedoch nicht, es ist merklich abgehakter und scrollt auch nicht kinetisch (es gibt kein nachscrollen etc.). Den Rubberband-Effect am Ende des Scrollbereichs gibt es zwar, der fühlt sich aber wie angetackert und recht unnatürlich an.

Logitech M535 – simpel, funktional

Diese simple Maus (siehe auch meinen Test) bietet das normalste Scrollverhalten. Durch das kaum spürbare Raster des Scrollrads (fühlt sich echt billig an) dreht man zwar viel, es funktioniert aber alles so, wie man es erwartet. Kinetisches Scrolling gibt es zwar auch hier nicht, dafür denselben Rubberband-Effect wie beim T651.

Logitech M720 Triathlon – Fehler beim 1. Koppeln

Zunächst dachte ich, das man die M720 Triathlon (ebenfalls von mir getestet) in iPadOS vergessen kann: Egal, ob das Mausrad eingerastet und stufenweise gescrollt hat oder frei lief, das Scrolling funktionierte so gut wie gar nicht. Es erforderte immer ein paar Mausrad-Umdrehungen, bis sich überhaupt etwas tat und dann sprang der zu scrollende Bereich gleich um eine halbe Bildschirmhöhe weiter. Nachdem ich die Maus aber mit einem anderen Gerät und dann wieder mit dem iPad verbunden hatte, klappte das Scrolling problemlos. Witzig: Klinkt man das Scrollrad aus und lässt es ewig frei laufen, kann man endlich sehen, wie weit der Rubberband-Effect tatsächlich geht – mit einer Wischgeste schafft man es jedenfalls nie so weit. Auch hier gibt es kein kinetisches Scrolling und auch im freilaufenden Mausradmodus ist das Scrollen bei weitem nicht mit dem »flüssigen Bildlauf« in Logitech Options am Mac vergleichbar (welches wiederum meilenweit von Apples Magic Mouse entfernt ist).

Apple Magic Mouse (1. Generation) – kein Scrolling

Mit Apples eigener Hardware gibt es gleich gar kein Scrolling: Meine mit MagicGrips upgegradete und seit Jahren in Verwendung befindliche Magic Mouse kann zwar den Mauszeiger bewegen und klicken, scrollen aber nicht.

Mir ist klar, dass die allererste Magic Mouse bereits einige Jahre auf dem Buckel hat. Aber gerade von einem Unternehmen, dass sich in Sachen Umweltschutz so vorbildlich gibt, hätte ich mehr erwartet. Ich vermute stark, dass das Scrolling mit einer aktuellen Magic Mouse erstens einwandfrei und zweitens mit allen Apple-Features (kinetisches Scrollen, Rubberband-Effect) sowie butterweich funktioniert. Ich kann hier also aktuell nur hoffen, dass Apple die Unterstützung nachliefert oder muss sonst befürchten, dass es hier irgendeine Hardware-Limitierung gibt, die Scrolling am iPad unmöglich macht. Aktuell jedenfalls enttäuschend.

Logitech Combo Touch – Bangen um Trackpad-Experience?

In Anbetracht dieser ersten Erfahrungen stelle ich mir die Frage, wie gut das Trackpad der für Mai angekündigten Logitech Combo Touch funktionieren wird. Denn eigentlich hätte ich diese Tastatur mit Trackpad für mein 2017er iPad Pro ins Auge gefasst. Ich bin gespannt, ob die Benutzererfahrung mit Apples Magic Keyboard für das iPad Pro vergleichbar sein wird.


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