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Bluetooth-Audio: Mehrfach-Enkodierung bei gleichem Audio-Codec (z.B. AAC)?

9.7.2021·Kommentare:  0Retweets:  0 1

Wer mehr über Bluetooth-Audio-Codecs wie SBC, AAC, aptX, aptX HD oder LDAC wissen will, der findet im Web zwar allerlei Informationen. Zu einem Punkt, der mich immer interessiert hat, findet man hingegen nur wenig bzw. sogar widersprüchliche Aussagen. Nämlich, ob ein Audio-Stream mehrfach enkodiert wird, selbst, wenn die gesamte Kette (z.B. Streaming-Dienst, Smartphone und Ohrhörer) den gleichen Codec (wie z.B. AAC) unterstützt.

In vielen Fällen ist klar, dass der Audio-Stream mehrfach enkodiert werden muss, bis er vom Kopf- oder Ohrhörer ausgegeben wird. Dazu ein einfaches Beispiel: Nutzt man Deezer, wird der Ton im MP3-Format (bzw. Codec) übertragen. Unterstützt der Ohrhörer aber nur AAC oder aptX, wird der Ton erneut mit diesem Codec enkodiert – was, zumindest rein rechnerisch, erneut mit Verlusten behaftet ist.

Ein noch krasseres Beispiel wäre die Nutzung eines Streaming-Diensts mit MP3-Format auf einem iOS-Gerät mit einem etwas älteren Bluetooth-Kopfhörer, der nur den Standard-Codec SBC unterstützt. Denn Apple unterstützt auf seinen iOS-Geräten (neben dem obligatorischen SBC) ausschließlich AAC. Das heißt, der Streaming-Dienst liefert ein MP3-File, welches iOS in AAC umwandelt, welches wiederum bei der Übertragung an die Ohrhörer mit SBC enkodiert wird. Am Ende kommt ein MP3-File heraus, dass zwei weitere Male enkodiert werden musste.

Was, wenn alle Geräte und Dienste AAC unterstützen?

Wie schlimm die Verluste durch die Mehrfach-Enkodierung in der Praxis sind, hängt von vielen Faktoren ab und kann von nicht wahrnehmbar bis desaströs reichen (ist vielleicht einmal etwas für einen eigenen Post). Mich hat aber interessiert, wie die Sache aussieht, wenn in der gesamten Wiedergabe-Kette ein und derselbe Codec zum Einsatz kommt. In der Praxis begegnet man dieser Sitation recht häufig, wenn man z.B. AirPods mit einem iPhone oder Android-Gerät samt Apple Music oder Spotify verwendet.

Dann kommt nämlich in der gesamten Kette ausschließlich AAC zum Einsatz (ein Android-Smartphone bietet in der Regel mehr Codecs, würde in dem Fall aber AAC nutzen). Die Frage ist also nun, ob beim Einsatz des Bluetooth-Profils A2DP, das für die Übertragung von Stereo-Ton zuständig ist, einfach immer eine Enkodierung stattfindet, oder, ob das Signal ohne weitere Bearbeitung durchgeschleift wird. Rein von den Datenübertragungsraten sollte sich das nämlich ausgehen, aber ob dem wirklich so ist, ist eine andere Frage.

Fachpresse uneins: Gleicher Codec → verlustfreie Übertragung?

Und bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander. Bei The Wirecutter, das mittlerweile zur renommierten NY Times gehört, meint man dazu:

If an audio signal is already compressed in a certain codec, and the source device (such as your phone, tablet, or computer) and the “sink” device (such as a wireless speaker or headphones) both support that codec, Bluetooth transmits the encoded audio unaltered, so the sound is the same as you’d get without Bluetooth.

Nicht ganz so sicher ist man sich hingegen bei fairaudio:

Ob dies aber tatsächlich geschieht oder aber eine zusätzliche Digital/Digital-Wandlung durchgeführt wird, ist eine andere Frage.

Auch bei Soundguys war man skeptisch:

It’s reasonable to assume that AAC Bluetooth passes AAC audio files over the air untouched, especially given the shared names. However, there’s never been any conclusive testing done to prove this, so we converted our lossless test files to AAC and re-ran the tests.

… und hat’s deshalb getestet (so geht Tech-Journalismus), mit folgendem Ergebnis:

Even Apple’s iPhone doesn’t pass through AAC files untouched […] all of these phones re-pass an AAC source file back through the encoder, degrading quality

Heißt also, ja, auch wenn die gesamte Wiedergabe-Kette AAC unterstützt (egal ob iPhone oder Android), wird das Quellmaterial mehrfach enkodiert.


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