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Klimaticket mit VOR – kein Hebel für Großraum Wien?

30.9.2021·Kommentare:  0Retweets:  0 1

Viele Pendler im Großraum Wien staunten letztes Jahr sicher nicht schlecht, als sie bei der Vorstellung des – damals noch 1-2-3-Ticket genannten – Klimatickets nachzurechnen begannen: Denn mit 730 Euro würde man sich pro Jahr einige hundert Euro sparen. Bei der Einführung heuer sieht es aufgrund des Kompromisses mit dem VOR (Verkehrsverbund Ost-Region) nicht mehr ganz so gut aus.

Für manche Pendlerströme viel günstiger

Wer von weiter weg nach Wien pendelt, z.B. aus Gmünd, der kann nun tatsächlich etliche hundert Euro sparen, aber einer der größten Hebel blieb dabei unangetastet: der Großraum Wien mit immerhin ungefähr 1 Million Einwohnern (also der gesamte Großraum minus Einwohner Wiens). Eine Zahl gegen die die Summe weit entfernter Orte und Städte wie Gmünd, Retz, Krems und Co. nicht ankommt.

Burgenlands »Durchreise«-Problem

Als eines der Kernprobleme wurde das Pendeln aus dem Burgenland nach Wien präsentiert: Burgenländische Pendler hätten wegen der Durchreise durch Niederösterreich alle 3 Bundesländer und somit den Maximalpreis von damals noch 3 mal 365 Euro bezahlen müssen – 1095 Euro insgesamt. Ein der geografischen Lage des Großraum Wiens geschuldetes Problem und gegenüber burgenländischen Pendlern unfair.

Ein teurer Kompromiss

Der Kompromiss sieht nun so aus: Niederösterreich und Burgenland werden im Klimaticket als ein Bundesland betrachtet. Statt 365 Euro kostet es aber 550 Euro und reiht sich damit in die vielfältige Preislandschaft der sogenannten Regionaltickets der anderen Bundesländer ein, die die 365 Euro ebenfalls nicht halten konnten (Anmerkung: Eine erste Version des Posts ging fälschlicherweise davon aus, dass für die anderen Bundesländer noch 365 Euro gelten würden). In Vorarlberg sind’s 385, in Tirol 509,40, in der Steiermark (ab 1.1.) 588, in Salzburg 595 und in Oberösterreich 695 Euro. Die Rechenbeispiele für Niederösterreich von Landeshauptfrau Mikl-Leitner bei der Pressekonferenz heute waren jedenfalls nicht zufällig aus weiter entfernten Gebieten gewählt, denn so wirkt die Ersparnis trotz der Erhöhung auf 550 Euro noch immer enorm.

Für Großraum Wien irrelevant

Pendler aus dem neuen föderalistischen Verbund Niederösterreich + Burgenland nach Wien müssen zudem 365 Euro für Wien draufschlagen, wodurch aus den damals kolportierten 730 Euro nun 915 Euro werden (»Metropol-Regionalticket«). Gerade für viele Niederösterreicher vom Speckgürtel bis in den Großraum hinaus ändert sich dadurch wenig: Durch das Klimaticket wird Pendeln mit den Öffis somit allenfalls ein bisschen billiger und für nicht wenige wird sich’s im Vergleich zur klassischen, auf eine Strecke beschränkten Jahreskarte (Streckenkarten wird es laut Mikl-Leitner weiterhin geben) gar nicht auszahlen. Ein wirklicher Hebel zur Reduktion des Pendler-Autoverkehrs im Großraum Wien entsteht dadurch nicht.

»Ja, aber Moment!« werden jetzt einige anmerken, »mit dem Klimaticket kann man dafür im ganzen Bundesland und nicht mehr nur auf einer Strecke öffentlich fahren!« Stimmt und das ist ein Mehrwert. Abseits des Pendelns wird man dafür aber in Niederösterreich und Burgenland allenfalls ein Lächeln ernten, denn für den regelmäßigen Einkauf im Supermarkt, einen Besuch im Tierpark oder irgendeines anderen Ausflugziels wird’s öffentlich – gelinde gesagt – schwierig.

Es ist ein Anfang

Unterm Strich kann man wohl sagen: Für einige wird’s im Großraum Wien (etwas) billiger und sie bekommen dafür (theoretisch) mehr – ein Schritt in die richtige Richtung. Für eine echte Verkehrswende und eine Reduktion des Autoverkehrs auch abseits des Pendelns ist das Klimaticket aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn dafür, wie öffentlicher Verkehr auch außerhalb von Wien flächendeckend funktionieren könnte, fehlt (seit jeher) jegliches Konzept (und das Netz sowieso).


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