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Netflix’ absurde Budgets für oft mittelprächtige Produktionen

22.10.2021·Kommentare:  0Retweets:  0 1

Ich habe mir in letzter Zeit oft gedacht, dass Netflix qualitativ erstaunlich schnell beim 90er-Jahre-Fernsehfilm angekommen ist – trotz teils absurd hoher Budgets für seine Produktionen. Es folgt daher eine kurze Analyse, warum Netflix sich das leisten kann, um jeden Preis seinen Katalog erweitern muss und dabei auf reichweitenstarke Hollywood-Stars zurückgreift.

2014: Euphorie und ein faires Angebot

Am Anfang1 war alles einfach: Für 10 Euro konnte man auf Netflix eine Handvoll sehr gute Eigenproduktionen sehen und je nach Länderkatalog ein überschaubares Angebot an Hollywood-Filmen und Serien ohne der jeweils aktuellsten Staffel. Vielen war das 10 Euro wert. Dann wurde Netflix immer erfolgreicher und die Studios begannen ihre Inhalte von Netflix abzuziehen, um eigene Streaming-Dienste damit aufzubauen. Das war der Startschuss für die In-Gang-Setzung einer riesigen Produktionsmaschinerie, die jede noch die durchschnittliche Idee in die Tat umsetzte um Netflix’ Katalog, koste es, was es wolle, um eine weitere Eigenproduktion zu erweiterten – denn man brauchte nun dringend Content, um den alteingesessen Studios weiterhin Paroli bieten zu können.

Quantität statt Qualität – und alle schauen zu

In Nullkommanichts war man mit dieser Strategie bei Netflix qualitativ auf dem Stand alter 90er-Fernsehproduktionen fürs Privatfernsehen angelangt – sowohl was Filme, als auch was Serien anbelangt. Stellvertretend erwähne ich hier einmal »The Old Guard« und »Another Life«, die ich selber irgendwo zwischen enttäuschend (»The Old Guard«) bis lachhaft (»Another Life«) einstufen würde. Die Ausgangslage ist dabei genau gleich: Die Leute schauen einfach, was da und nicht, was gut ist (Disclaimer: Netflix hat zum Teil auch sehr gute Produktionen). Freilich mit einem entscheidenden Unterschied: Bei Netflix schauen dann weltweit an die 100 Millionen, was da ist. Zahlen, von denen man bei 90er-»TV-Highlights« wie »Bier – Anschlag auf das Oktoberfest« (gab’s wirklich) nicht einmal träumen konnte – allein weil’s im deutschsprachigen Raum nicht einmal so viele Einwohner gibt.

150 Mio. für »Red Notice«

Wenn man sich also fragt, wie Netflix in eine Produktion wie »Red Notice« bis zu 150 Mio. Dollar pumpen kann, die vom Duo Dwayne Johnson und Rawson Marshall Thurber angeführt wird, deren Kinohistorie qualitativ eher Fragwürdiges und oft nicht einmal so Erfolgreiches hervorgebracht hat, dann muss man sich einfach nur diese Zahlen vor Augen führen. Denn wenn pro Monat 85 bis 100 Millionen 10 Euro an Netflix abdrücken und diese Filme schauen (von den insgesamt 193 Mio. zahlenden Kunden ganz zu schweigen), dann ist das vergleichbar mit einem Kino-Einspielergebnis von 850 Mio. bis 1 Mrd. Dollar – ein doch recht moderater Kinohit, der jedes noch so üppige Budget mit viel Gewinn hereinspielt. Jeden Monat, wohlgemerkt.

Ein Blockbuster pro Monat

Und genau in diesem Intervall kann Netflix derartige Summen in solche Produktionen pumpen – so lange die Abonnentenzahlen stimmen. Wichtig scheint nur zu sein, dass die handelnden Akteure irgendwie bekannt sind. Und auch solche Engagements stellen in finanziellen Sphären wie diesen kein Problem dar.

So rechnet Netflix

Meine Rechnung ist natürlich sehr einfach gehalten, Metriken-Meister Netflix hat etwas konservativere Formeln: So rechnet der Streaming-Gigant vor, dass der Überraschungshit »Squid Game« in den ersten 23 Tagen 132 Mio. Zuschauer erreicht hat. Der Wert scheint zunächst etwas theoretisch, da er alle Personen umfasst, die zumindest zwei Minuten lang eingeschaltet haben. Allerdings haben von diesen ganze 89% immerhin 75 Minuten geschaut – der Erfolg ist also unumstritten. Eingebracht haben dürfte dies Netflix an die 900 Mio. US Dollar (es ist von »impact value« und nicht Gewinn die Rede), bei läppischen 21,4 Mio. Dollar Produktionskosten für die erste Staffel.

Eure Meinung

Was meint ihr? Seid ihr mit der Qualität von Netflix zufrieden oder hat sich auch bei euch nach der Euphorie 2014 mittlerweile Ernüchterung breit gemacht? Über Feedback dazu freue ich mich wie immer in den Kommentaren!


  1. Zumindest in Österreich war der 2014. 

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