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Kurztest: Shure True Wireless Adapter (RMCE-TW1 & -TW2) – ja, er zahlt sich aus

4.0 / 5Sterne·26.11.2021·Kommentare:  2Retweets:  0 1

Anfang des Jahres habe ich mir den Shure True Wireless Adapter (offiziell »True Wireless Secure Fit Adapter« bzw. RMCE-TW1) besorgt. Gemeinsam mit den Shure SE846, mit denen ich ihn hauptsächlich verwende. Weil ich vor Kurzem auf Twitter danach gefragt wurde, anbei ein ein kurzer Test.

Retro-Chic mit enormem Klangpotenzial – Shures True Wireless Secure Fit Adapter. (© Shure)

TL;DR

Gleich vorweg, ja der True-Wireless-Adapter zahlt sich für Besitzer von Shure-Ohrhörern mit MMCX-Anschluss aus. Ich habe damals noch Generation 1 erstanden, mittlerweile gibt es auch Generation 2 (RMCE-TW2) – auf die Unterschiede bin ich in einem eigenen Post eingegangen. Ich beziehe mich hier zwar auf Gen. 1, würde aber sagen, dass mein Urteil vermutlich fast 1:1 auf Gen. 2 übertragbar ist.

Ich könnte den Test auch gleich hier beenden, denn mit der richtigen Erwartungshaltung, nämlich dem Fokus aufs Musikhören, gibt es da relativ wenig zu meckern. Ein paar Dinge sollte man aber beachten:

Hinweis: Dies ist ein unabhängiger, nicht kommerziell ausgerichteter Testbericht basierend auf meinen Erfahrungen. Ich habe das getestete Produkt selbst bezahlt, mir stand weder ein Testmodell oder eine Leihgabe zur Verfügung, noch enthält dieser Artikel Affiliate-Links. Ich stehe zudem in keinerlei Beziehung zum Hersteller und/oder Händler. Mehr zur nicht-kommerziellen Ausrichtung von benedikt.io gibt’s unter Über.

Sehr gute Klangqualität

Wie schon durch mein Experiment mit den FiiO UTWS1 vermutet, bleibt die Klangqualität gegenüber der Kabelverbindung im Prinzip unverändert erhalten. Und im Gegensatz zum FiiO UTWS1 gibt es beim Shure-Modell keinerlei Grundrauschen. Egal, ob man also die SE215, SE535, die SE846 oder ein anderes Shure-Modell anschließt, die Klangcharakteristik ist pro Modell die Gleiche und offensichtliche Defekte nicht wahrnehmbar (Spotify, Qualitätsstufe »Sehr hoch«, ohne Audio-Normalisierung). Ich muss aber dazu sagen, dass ich keine detaillierten Vergleichstests zwischen Kabel und Adapter durchgeführt sondern nur kurz getestet habe. Oder sagen wir es so: Einem Blindtest würde der Adapter standhalten. Es empfiehlt sich aber jedenfalls in der ShurePlus-PLAY-App den richtigen Ohrhörer einzustellen, damit dieser optimal angesteuert werden kann. Die Bluetooth-Verbindung zwischen Adapter und Ausgabegerät ist übrigens stabil – muss man aber vermutlich heutzutage nicht mehr gesondert erwähnen.

»Nur« SBC, ACC, aptX – ein Problem?

Shure steht für hochwertigen Klang, der True-Wireless-Adapter bietet aber »nur« SBC, AAC und aptX und keine besseren Codecs – ist das ein Problem? Gegenfrage: Hast du wirklich ein Smartphone bzw. Ausgabegerät, dass aptX HD unterstützt? Selbst wenn, kann ich zumindest beim theoretisch noch besseren LDAC, der seit Android 8.0 an Bord ist, aber de facto nur von Sony unterstützt wird, laut meinen ersten Tests keine großartigen Unterschiede erkennen. LDAC habe ich mit meinen Sony WF-1000XM4 mit einem Tidal-HiFi und Deezer-HiFi-Abo angetestet und muss sagen, zumindest aufs erste Hinhören sind keine Unterschiede wahrnehmbar. Ich schließe nicht aus, dass man das bei genauerem Testen hört. Wie bereits erwähnt: Darauf, den Unterschied bei einem Blindtest erkennen zu können, würde ich aber nicht wetten.

Hochwertiges Ladecase

Das runde Case mit Reißverschluss ist das größte, das mir im True-Wireless-Bereich jemals untergekommen ist. Bedenkt man aber die Größe der Ohrhaken, ist der Vergleich nicht ganz fair. Und: Die Verarbeitung und Robustheit suchen ihresgleichen.

Einsetzen erfordert Zeit

Da ich vorher den Musik-Fokus und die entsprechende Erwartungshaltung erwähnt habe: Ohrkanalohrhörer mit Schaumstoff-Stöpseln sind natürlich umständlicher einzusetzen als welche mit Silikon oder gar komplette starre Konstruktionen wie z.B. die AirPods. Mit den Ohrhaken verkompliziert sich der Prozess noch mehr. Mal schnell die Ohrhörer einsetzen funktioniert nicht wirklich. Bei korrektem Sitz wird man dafür mit Topklang belohnt.

Rückständige Telefonie-Funktionalität

Beim Telefonieren ist Gen. 1 etwas rückständig: Der rechte Adapter ist der Hauptohrhörer, der das Signal zum linken weitergibt. Telefonieren klappt einerseits somit nur mono und andererseits nur mit dem rechten Ohrhörer. Die Mikrofonqualität ist aber ok, sofern man die generell eher niedrige Qualität prinzipiell aller Ohrhörer in dem Bereich als irgendwie annehmbar bezeichnen kann.

Nicht konfigurierbare Hardware-Buttons

Archaisch mutet auch der Entnahme-Prozess aus dem Case bzw. das Einschalten an: Die Ohrhaken werden je mit einer Klammer im Case fixiert und nicht magnetisch, zudem muss bei Gen. 1 noch jeder Ohrhörer einzeln durch längeres Drücken des (einzigen) Buttons am Hörer (der graue runde Bereich im Foto oben) eingeschaltet werden. Die Ohrhörer untereinander verbinden sich dann automatisch. Bei Gen. 2 erfolgt das Einschalten automatisch bei der Entnahme. Die Funktionalität der Buttons kann im Gegensatz zu Gen. 2 nicht per App konfiguriert werden und ist fix und für links und rechts ident: Einmal drücken für Play/Pause, zweimal für Transparency (Umgebungsmodus), dreimal für Sprachassistent. Erneut lang drücken schaltet die Ohrhörer aus.

Ja, das geht komfortabler, ist aber auch kein No-go – ein bisschen manuelles Hands-on-Bühnenfeeling beim Benutzen der Ohrhörer schadet nicht. 😉

Guter Tragekomfort (bei kurzen Sessions)

Der Tragekomfort ist prinzipiell gut und viel besser als z.B. bei den relativ starren Haken der FiiO UTWS1, aber bei längeren Sessions (ab mehreren Stunden) spürt man den Druck dann schon etwas.

EQ nur mit aktiver App

Die gute Nachricht zuerst: Ja, es gibt einen anpassbaren Equalizer – aber mit Einschränkungen. Die schlechte Nachricht: Gen. 1 kann die Equalizer-Einstellungen der ShurePlus-PLAY-App nicht direkt am Adapter speichern. Wer EQ-Änderungen vornimmt, muss immer über die App Musik hören. Die EQ-Einstellungen am Adapter speichern, um z.B. auf einem ganz anderen Gerät Spotify damit zu hören, geht aber mit Gen. 2.

Kein ANC, IPX, Wirelss Charging, dafür Audio Transparency und gute Akkulaufzeit

AptX Low Latency bietet Gen. 1 wie gesagt nicht, Videos schauen ist aber kein Problem, wahrnehmbare Latenz wäre mir nicht aufgefallen. Es gibt zwar Audio Transparency (Umgebungsmodus), aber kein ANC.

Die Akkulaufzeit mit einer Ladung beträgt 8 Stunden, inklusive via USB-C aufladbarem Case (ohne Wireless Charging) kommt man insgesamt auf 32 Stunden Spielzeit – ganz ordentlich, wie ich finde.

Die erste Generation hat zudem keinerlei IPX-Zertifizierung (Gen. 2 immerhin IPX4), Shure verweist aber auf die grundsätzliche Robustheit und Schweißresistenz wegen der Bühnentauglichkeit. Sport im Außenbereich (z.B. Laufen) bei trockenem Wetter sollte also nur wegen des Schweißes kein Problem sein, ab Nieselregen würde ich dann eher zu einer Alternative greifen.

Fazit

Der Shure True Wireless Secure Fit Adapter ist weder perfekt, noch günstig. Prinzipiell hat man damit aber die Möglichkeit seine Shure-Ohrhörer zu den am besten klingendsten True-Wireless-Ohrhörern umzufunktionieren. Allein deswegen ist er schon empfehlenswert. Gen 1. ist (noch) um die 170 Euro zu haben, Gen. 2 um die 180, dieser Mehrpreis zahlt sich aufgrund der der Verbesserungen definitiv aus, auch wenn man damit trotzdem nicht die Komfortfeatures aktueller True-Wireless-Ohrhörer wie z.B. den Sony WF-1000XM4 erhält. Der Fokus von Shure ist und bleibt hier das Musikhören und dafür ist der Shure True Wireless Secure Fit Adapter schon eine verdammt solide Lösung.

★★★★☆


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Shure True Wireless Secure Fit Adapter (Gen 1+2)

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