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Sennheiser Momentum True Wire­less 3 – Test: Im Gerangel um den Spitzenplatz

4.0 / 5Sterne·6.9.2022·Kommentare:  2Retweets:  1 1 · ~ 12 min

Als ich mir 2019 die allerersten Sennheiser Momentum True Wireless zugelegt habe, sind sie schnell zu meinen Favoriten aufgestiegen. In meinem Test der Sennheiser Momentum True Wireless 3 gehe ich der Frage nach, ob das 2022 mit der 3. Generation auch so wäre und wie sie sich im Vergleich mit meinen täglichen Begleitern, den Sony WF-1000XM4 (siehe meinen Test), schlagen.

Verpackungsinhalt der Sennheiser Momentum True Wireless 3 auf einem Tisch: Ohrhörer in Case, mitgelieferte Aufsätze daneben. Darunter die Ohrfinnen, nochmals darunter das USB-A-auf-USB-C-Kabel.
Zum Lieferumfang gehören Case, Silikonaufsätze in 4 Größen, Ohrfinnen in 3 Größen und ein USB-Kabel.

Die Momentum True Wireless 3 (fortan auch als MTW3 bezeichnet) sind im Mai 2022 erschienen und folglich wurden bereits unzählige Testberichte veröffentlicht. Daher kann ich an der Stelle gleich vorgreifen: Die Momentum True Wireless 3 sind natürlich sehr gute True-Wireless-Ohrhörer, mit denen man nichts falsch machen kann. Zwei Punkte, ein sehr positiver und ein sehr negativer sind mir gleich bei der Inbetriebnahme aufgefallen:

1. Die sind wirklich angenehm klein

Positiv überrascht war ich, vor allem als Sony-WF-1000XM4-User, sofort von der Größe, denn die MTW3 sind merklich kleiner. Auf Fotos kommt das gar nicht so gut rüber, aber man merkt es bezüglich Haptik und natürlich beim Tragen sofort. Wer da empfindlich ist, für den sind die MTW3 eine sehr gute Wahl.

2. Verbindungswechsel zwischen Geräten mühsam

Der zweite Punkt, der mir sofort aufgefallen ist: Die Verbindung zwischen zwei Geräten, z.B. vom Arbeitslaptop zu Apple TV, zu wechseln ist recht mühsam. Denn anders als die Sony WF-1000XM4 kann man die Verbindung der MTW3 nicht einfach anfordern und alles läuft. Man muss die aktive Verbindung mit dem aktuellen Gerät erst trennen, damit die neue Verbindung hergestellt werden kann. Für wen sich das jetzt konstruiert anhört: Ich bin während meiner Testphase ständig in diese Problematik gelaufen: Vom Büro ins Wohnzimmer setzen, MTW3 aus Case nehmen, Verbindung mit Apple TV klappt nicht. Zurück ins Büro, sämtliche Geräte checken, mit denen man die MTW3 mal gepairt hat (bei mir konkret: Arbeitsrechner, iPad, Galaxy Tab S5e, iPhone X, iPhone XR, Apple Watch), die bestehende Verbindung kappen, hoffen, dass sie sich nicht erneut mit anderem Gerät verbinden, zurück auf die Couch ins Wohnzimmer und mit Apple TV versuchen. Zu Ehrenrettung sei erwähnt, dass hier die App ein klein wenig Abhilfe schafft – mehr dazu im Abschnitt, in dem es um die App geht.

Hinweis: Das Testgerät wurde mir freundlicherweise als Leihgabe von Sennheiser bzw. der Agentur Markenstern zur Verfügung gestellt. Dieser Test wurde – wie immer – weder gegen Bezahlung oder sonstige Gegengeschäfte erstellt, noch unterliegt dieser Bedingungen, Beschränkungen oder einer Vorabgenehmigung seitens des Herstellers oder Dritter. Mehr zur Unabhängigkeit und nicht-kommerziellen Ausrichtung von benedikt.io gibt’s unter Über.

Das ist an sich kein neues Problem und betrifft viele (vor allem ältere) Bluetooth-Ohrhörer, aber die Aonic Free können das zum Beispiel ebenso wie die Sony WF-1000XM4. Wer rein im Apple-Universum mit Beats- und AirPods-Modellen unterwegs kennt das Problem nicht, Multipoint würde zwar (bedingt) Abhilfe schaffen, unterstützen die MTW3 zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht (manche Reviews meinen, es würde via Firmware-Update nachgereicht werden – meine Anfrage bei Sennheiser dazu läuft). Update: Ich habe von Sennheiser die Bestätigung erhalten, dass Multipoint nachgereicht wird.

Gerade auf diesen einen Punkt scheint auch kein mir bekanntes Review einzugehen und ich glaube nicht, dass mein Nutzungsszenario da recht exotisch ist (und mühsam wäre es schon ab 2 Geräten).

Auf einen Blick

  • + Sehr guter Klang
  • + Kompakt, leicht & bequem
  • + Sehr gutes Mikrofon
  • + aptX Adaptive
  • + Sleeker Look
  • + (Künftig Multipoint)
  • - Mühsamer Verbindungswechsel
  • - Akku-Specs mittelmäßig
  • - App buggy

Standardinhalt in großer Verpackung

Geliefert werden die MTW3 in einer Sennheiser-typischen, aber heutzutage unzeitgemäßen, großen Verpackung. Konkret zweieinhalb bis dreimal so groß wie z.B. jene der Sony WF-1000XM4, mit de facto gleichem Inhalt. Klingt nach I-Tüpfelchenreiterei, aber auf Europaletten umgerechnet, verbraucht Sony hier nur rund ein Drittel des Frachtraums eines Schiffs, Flugzeugs oder LKWs. Und ja, das war tatsächlich mein erster Eindruck – so sehr man über die Wichtigkeit einer Verpackung auch streiten kann.

Verpackung der Sennheiser Momentum True Wireless 3 neben jener der Sony WF-1000XM4, die nur ein Drittel so groß ist.
Viel Größere Verpackung, aber gleicher Inhalt wie die Sony WF-1000XM4?

Da ich ein Review-Sample erhalten habe, kann ich über die Retail-Verpackung keine gesicherten Aussagen treffen, allerdings sah meine Box neu aus und war oben und unten mit einem runden Sticker versiegelt und nicht in Folie eingeschweißt (ich bilde mir ein, wie bei meinen Sennheiser Momentum True Wireless 2019).

Lieferumfang: Standard + Ohrfinnen

Zum Lieferumfang gehören …

Bei den Specs (größtenteils) vorne mit dabei

Bedenkt man, dass Sennheiser (bzw. Sonova, die die Kopfhörer-Sparte von Sennheiser vor einigen Monaten übernommen haben) die UVP zum ersten Mal auf unter AirPods-Pro- und Sony-WF-1000XM4-Niveau gesenkt hat, kann man sich hier nicht beschweren. Ich tu’s aber jetzt trotzdem, denn bei zwei Punkten könnte man meckern:

1. Die Silikonstöpsel

Die sind zwar super, sogar in 4 Größen mitgeliefert und alle mit Schutzfilz. Andere Marken nennen das Wax Guard oder Tech Defender, damit sich nach längerer Nutzungszeit kein Ohrenschmalz am Schutzgitter der Stege ansammelt. Kennt man bereits von Sennheisers Sportohrhörern, die meiner Erfahrung nach auch ewig halten (also die Silikonaufsätze inklusive Schutzgitter). Aber ich frage mich, ob es nicht an der Zeit wäre, dass auch Sennheiser seinen Kunden erlaubt, in die Welt der Schaumstoff-Aufsätze einzutauchen.

Sony hat das bei den WF-1000XM4 gemacht und auch beyerdynamic liefert bei den Free BYRD zusätzlich zu den Silikonstöpseln Schaumstoff-Aufsätze mit. Ja, auch als Fan von Schaumstoff-Aufsätzen gebe ich zu, dass das eine Geschmacksfrage ist. Ich selbst bin aber nach einmaligen Ausprobieren nie wieder zu Silikon zurückgewechselt, da diese viel besser abdichten und viel bequemer sind. Schaumstoff-Stöpsel sind dafür Verschleißteile, die man alle paar Wochen bis Monate wechseln sollte.

Man kann natürlich z.B. von Comply Foam entsprechende Schaumstoff-Stöpsel kaufen, allerdings hat Sennheiser bei den MTW3 den Durchmesser der Stege vergrößert, weswegen evtl. vorhandene Schaumstoff-Aufsätze von Vorgängern nicht mehr passen. Kompatible Modelle sind merkwürdigerweise im deutschsprachigen Raum nur schwer zu bekommen. Die Comply Foam TW-400-C (die übrigens auch für die bei mir eher durchgefallenen Bowers & Wilkins PI7 – siehe siehe meinen Test – passen), gibt es nirgends zu bestellen, außer noch teurer auf Amazon.co.uk (über 40 Euro für 3 Paar) oder direkt aus den USA mit teurem Versand und Zollgebühren. Ein Nachbau wie die InAirs 2 könnten passen, haben aber keinen Tech Defender bzw. Wax Guard und der Schaumstoff ist nicht so angenehm wie jener der Comply Foam. Zudem relativiert eine etwaige Extra-Anschaffung die gute UVP der MTW3 wieder etwas.

2. Die Akkulaufzeit

Niedrige Akkulaufzeiten haben mich noch nie von einem Kauf abgehalten. Bei den Sony HBH-IS800 (siehe meinen Test) musste man froh sein, 2,5 Stunden zu schaffen. Für Die Earin M-1 (siehe meinen Test) galt 2015 das gleiche. Insofern sind die 7 Stunden der Momentum True Wireless 3 schon ganz ordentlich.

Allerdings meinen im Web viele Reviews, die Akkulaufzeit der MTW3 wäre in etwa gleich wie bei anderen Modellen – und das stimmt meiner Meinung nach nicht. Oft wird die Angabe Sennheisers von 7 Stunden z.B. mit den 8 Stunden der Sony WF-1000XM4 verglichen. Nur, dass die Angabe – zumindest laut Tests auf der Futurezone und auf Techstage – von Sennheiser allerdings ohne ANC gilt (Update: Ich habe von Sennheiser die Bestätigung erhalten, dass die 7 Stunden ohne ANC gelten, mit ANC sind es 6½ Stunden). Und dann sehen diese 7 Stunden gegenüber den 12 Stunden, die die WF-1000XM4 ohne ANC schaffen, nicht mehr so gut aus. Auch die kürzlich erschienen beyerdynamic Free BYRD bieten ohne ANC ganze 11 Stunden.

Die MTW3 haben zwar den entscheidenden Vorteil, dass sie merklich kleiner sind. Spannend ist allerdings, dass die Akkus – zumindest in den MTW3 und in den WF-1000XM4 – mit rund 75 mAh gleich groß sein dürften. Wenn es also nicht gerade am Antennendesign liegt, sollte die kompakte Größe jedenfalls nicht der Grund sein, warum die MTW3 (zumindest am Papier) nur halb so lang spielen.

Im Case sind die Ohrhörer in 1,5 Stunden voll geladen, 10 Minuten reichen für eine Stunde Spielzeit. Prinzipiell halte ich die 7 Stunden für keinen schlechten oder gar problematischen Wert. Wenn nach einem Jahr Nutzung die Leistung aber merklich nachlässt, dann könnte es bei einem Spielfilm- und Serien-Abend schon knapp werden, wenn die Ohrhörer nur mehr 3-4 Stunden durchalten. Ob das bei den Momentum True Wireless 3 so sein wird, kann ich nicht sagen, die 1er waren dafür aber sehr anfällig und auch die Leistung der WF-1000XM4 lässt nach einem Jahr schon merklich nach (allerdings nicht so krass, dass sie mir die Hälfte der ursprünglichen Laufzeit durchhalten würden).

Super Design & Verarbeitung

Nimmt man die Momentum True Wireless 3 zum ersten Mal aus dem Case sticht nicht nur die Kompaktheit ins Auge. Die Verarbeitung ist top, das Design (ich habe die Grafit-Variante) schnörkellos und schön (und gefällt mir besser als jenes der WF-1000XM4). Das Case ist in Ordnung, auch wenn ich nicht der größte Fan bin. Die Ladekapsel der Earin M-2 ist noch immer unerreicht (auch wenn sie kein Wireless Charging bietet – Foto siehe meinen Test der Sony WF-1000XM4). Zumindest anhand meiner Erfahrung mit den MTW1 kann ich aber sagen: Der Stoffbezug hält sich auch nach Jahren noch gut, löst sich nicht ab und auch der (übrigens wie bei vielen Herstellern) filigrane Klappmechanismus funktioniert nach Jahren noch problemlos (mit ein bisschen mehr Knarzen vielleicht).

Eine Änderung gegenüber der ersten Generation ist einerseits der Verzicht auf einen Ladestatus-Button (verschmerzbar, LED gibt’s zudem weiterhin) und anderseits, dass der USB-C-Anschluss nun an der »Vorderseite« angebracht ist. Zuerst dachte ich, dass das vermutlich keine große Rolle spielt. Allerdings sieht man so nun nicht den Ladestatus, wenn man das Case via Kabel auf einem Schreibtisch lädt (wenn das Kabel an der Rückseite des Schreibtisches geführt wird). Vielleicht gibt es aber auch Situationen, wo die neue Anordnung besser ist?

Die Magneten, die die MTW3 im Case halten könnten für meinen Geschmack stärker sein. Sie halten die Ohrhörer sicher genug, dass sie beim Öffnen nicht herausfallen. Beim Einsetzen muss man aber hin und wieder ein bisschen nachhelfen, dass die Ohrhörer tatsächlich in die Parkstellung rutschen.

Case-Größen der Sony WF-1000XM4, Sennheiser Momentum True Wireless 3 und 1 im Überblick.
Die Ladecases der Sony WF-1000XM4, Sennheiser Momentum True Wireless 3 und 1 im Größenvergleich.

Der Größenunterschied zwischen dem Case der Sony WF-1000XM4 und dem der Sennheiser MTW3 macht für mich genau den Unterschied zwischen hosentaschentauglich und nicht-hosentaschentauglich aus. Das Case der WF-1000XM4 geht da gerade mal so durch, jenes der MTW3 nicht mehr – und das, obwohl Sonys Ohrhörer sogar merklich größer sind.

Komfort: Kompakt und dadurch bequem

Prinzipiell ist der Komfort beim Tragen großartig und aufgrund der kompakteren Außenabmessungen viel besser als jener der – wie eben angemerkt – merklich größeren WF-1000XM4. Nimmt man Letztere nach einer längeren Session aus den Ohren spürt man die Druckstellen, bei den Momentum True Wireless 3 gibt es das Problem nicht.

Ohrhörergrößen der Sony WF-1000XM4 und Sennheiser Momentum True Wireless 3 im Vergleich.
Mehr als nur ein Fotofinish: Die Momentum True Wireless 3 sind merklich kleiner (trotz hier montierter größter Ohrfinne, die fast nicht auffällt).

Für mich halt minus der Einbußen durch die Silikonstöpsel: Die Abdichtung ist entweder nicht perfekt oder sie drücken zu sehr und sie sitzen nicht so sicher beim Gehen oder Laufen. Im Endeffekt aber ein lösbares Problem: Wer sich die MTW3 zulegt, beißt in den sauren Apfel und holt sich einfach die (evtl. teuren) Comply-Foam-Aufsätze oder eine Alternative und die Sache hat sich.

Sehr gute Touchoberflächen

Die Touchoberflächen der ersten Generation waren ja bzgl. Reaktionsfähigkeit und Gestenerkennung eher dürftig. Insofern war ich gespannt wie sich die MTW3 im Vergleich zu den Sony WF-1000XM4 schlagen würden, von deren Touchoberflächen ich regelrecht begeistert war. Die gute Nachricht: Jene der MTW3 stehen den Sonys hier in nichts nach – es sind sehr gute, reaktionsschnelle Oberflächen. Einzig und allein die Triple-Touch-Geste (auf die Sony wohl bewusst verzichtet), erfordert einiges an Übung, um das Timing richtig hinzubekommen.

Bei der Soundqualität vorne mit dabei

Bei der Soundqualität spielen die MTW3 im Bereich von 200 bis 300 Euro teuren TWS-Ohrhörern ganz vorne mit. Sind sie besser als die WF-1000XM4? Jein. Die Soundsignatur ist unterschiedlich und ich tendiere ja sogar eher zur Signatur von Sennheiser. Entgegen meiner Befürchtung klingen sie auch nicht exakt gleich wie die MTW1 und bieten merkliche Verbesserungen bei Mitten und Höhen. Auch hier gibt es in der App ein Bass-Anhebungsfeature, dass mir aber nicht so zusagt – ich finde die Standardsignatur eigentlich perfekt. Bei meinen Demo-Songs, z.B. das »Fortunate Son«-Cover der Dead Daises hört man gegenüber den WF-1000XM4 sofort die helleren und detaillierteren Mitten und Höhen, das gefällt mir bei den Momentum True Wireless 3 besonders gut.

Codecs

Was Codec-Support angeht, kann man sich nicht wirklich beschweren: Neben SBC, AAC und aptX ist hier auch aptX Adaptive an Bord, der bezüglich Latenz und Qualität das beste beider Welten im aptX-Universum vereinen soll. Das ist eine gute Sache und macht die MTW3 zukunftssicherer. Für aktuelle Anwendungsfälle gilt aber: Findet mal ein Quellgerät, dass aptX Adaptive (oder aptX HD, mit dem Adaptive kompatibel ist) beherrscht. Testen konnte ich das also nicht wirklich (z.B. beherrscht auch Sennheisers eigener Bluetooth-Transmitter BT T100 kein aptX Adaptive). Nach meinen Erfahrungen mit Sonys Codec LDAC (den die WF-1000XM4 und jedes Android-Gerät ab Android 8 unterstützen – siehe meinen Test), würde ich mir hier aber auch keine großen Sprünge erwarten (gegenteilige Meinungen und Erfahrungen gern in den Kommentaren!)

Ich würde gerne absatzweise über die Soundqualität sinnieren, die Analyse der Klangkurve können aber andere besser und ich kann unterm Strich nur sagen: Für wen Komfort und Klang ganz oben stehen, der kann mit den Momentum True Wireless 3 nichts falsch machen. Wer aber bereits ein Top-Modell von heuer oder letztem Jahr besitzt, muss vielleicht nicht zwangsweise umsteigen – da ist Ausprobieren angesagt.

Gutes ANC, aber mit Respektabstand zu den Besten

Bei meinem Cleanmaxx-Test schnitten die WF-1000XM4 eindeutig besser ab, denn die tiefen Geräusche werden besser rausgefiltert, bei den Sennheisern scheint das hohe Blasgeräusch des Hemdentrockners sogar verstärkt zu werden. Ich vermute, einerseits weil die Silikonstöpsel nicht ideal sind (ich habe es mit den Größen M und L getestet). Vielleicht ist das auch das Geheimnis eines wirklich guten ANCs: als Grundlage abdichtende Schaumstoff-Aufsätze, dann erst ein gutes ANC-Mikro und den Rest macht die Software.

Andererseits, weil hohe Töne vielleicht umso mehr auffallen? Den Eindruck hatte ich auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, nämlich dass Stimmen bei herausgefiltertem Fahr- und Motorengeräusch dann umso auffälliger durchkommen.

Andere Reviews stellen dem ANC ein gutes Zeugnis aus (aber eben keine Bestnoten). Ich glaube, dass man mit Schaumstoff-Aufsätzen hier auch keinen Grund zur Sorge hat – für mich wäre das jedenfalls kein K.O.-Kriterium.

App und appspezifische Features könnten Feinschliff vertragen

Sennheisers Smart Control App scheint im Gegensatz zur Sony Headphones App eine native iOS-App zu sein – was ich prinzipiell gut finde. Allerdings ruckelt diese – zumindest auf meinem iPhone X – öfters beim Scrollen und UIs wie das Aktivieren des Equalizers könnten mehr Feinschliff vertragen bzw. haben auch noch den einen oder anderen Bug. Ich verstehe z.B. in der App nicht, wie man einen eingestellten Equalizer deaktivieren kann, um wieder in die Neutralstellung zu kommen.

Außerdem ist es mir einige Male, konkret beim Anpassen der Soundzonen, passiert, dass meine eigenen Equalizer-Presets nicht mehr angezeigt wurden und, dass der Zurückbutton öfter nicht funktioniert hat.

Equalizer mit 3 Bändern

Apropos Equalizer, wer hier gerne experimentiert, wird vielleicht auch etwas enttäuscht sein, weil man nur 3 Bänder einstellen kann – bei den WF-1000XM4 sinds 5, auch die Aonic Free bieten da wesentlich mehr Möglichkeiten.

Eine Sache macht Sennheiser in der App dafür richtig gut: Jeder Touch-Geste (1-, 2-, 3-mal Tippen, Halten) kann ein beliebiges Kommando zugewiesen werden – so und nicht anders sollte das sein (Sony hat das leider nicht geschafft).

Was ich mich gerade in Bezug auf ANC-Steuerung und Equalizer irgendwann gefragt habe: Warum gibt es eigentlich keine App für die Apple Watch (gilt aber freilich für alle Hersteller)?

Soundzonen klingen cool, aber …

Sennheiser bietet auch ein Soundzonen genanntes Feature an, mit dem die Ohrhörer den Equalizer, den ANC-Modus und einige weitere Einstellungen wechseln können, wenn man sich bestimmten Koordinaten nähert (dafür muss der Zugriff auf die Ortungsdienste auf »Immer« gestellt sein). Komischerweise hat das bei meinen Tests nie funktioniert (Anfrage diesbezüglich läuft). Ich würde jetzt zwar nicht davon ausgehen, dass das Feature generell nicht funktioniert, testen konnte ich es aber nicht. Update: Sennheiser hat rückgemeldet, dass hier keine Bugs bekannt sind – wie gesagt, ich gehe davon aus, dass es funktioniert, aber in meinem speziellen Fall was nicht geklappt hat.

Etwas einfacherer Verbindungswechel via App

Der zuvor kritisierte mühsame Verbindungswechsel von einem Gerät zum andern, lässt sich durch die Smart Control App teilweise etwas entschärfen. Öffnet man die App und wechselt dort in die Einstellungen der Momentum True Wireless 3 findet man unter dem ersten Menüpunkt »Verbindungsmangement« eine Liste aller Geräte, mit denen man die MTW3 gepairt hat. Neben jedem Gerät gibt es einen Schiebeschalter. Aktiviert man diesen, so wechseln die Momentums zum entsprechenden Gerät. Die Sache hat allerdings einen Haken: Wirklich gut funktioniert das nur, wenn man die App auf nur einem Gerät installiert hat und immer dieses zum Wechseln nutzt.

Es ist z.B. nicht möglich, die App auch am Android-Tablet zu installieren und sich die Verbindung dort zu holen, denn: Damit die Momentum True Wireless 3 in der App angezeigt werden, müssten sie natürlich vorher mit dem Tablet via Bluetooth verbunden werden, was eben nicht geht.

Dazu hatte ich noch das Problem, dass, sobald ich die MTW3 einmal mit Sennheisers Smart Control App am Android-Tablet (die natürlich Ortungsdienste braucht, wie Bowers & Wilkins – das geht besser, Leute! Siehe Shure) verbunden hatte (angemeldet mit Sennheiser-Account), ich die Ohrhörer dann partout nicht mehr in der Sennheiser-App am iPhone öffnen konnte (dafür war erneutes Pairing erforderlich). Umgekehrt das gleiche Ergebnis. Weist man den MTW3 in der App am iPhone die Verbindung mit dem Android-Tablet zu, sind sie damit zwar via Audio-Verbindung verbunden. Sie lassen sich dann aber am Android-Tablet nicht in der Smart Control App öffnen und bearbeiten.

Ich vermute, dass das damit zusammenhängt, dass die Verbindung für die App mit dem Low-Energy-Profil erfolgt und theoretisch unabhängig von der Audio-Verbindung via A2DP ist, diese aber nicht mit 2 Geräten gleichzeitig bestehen kann. Das ist aber wie gesagt nur eine Vermutung.

Hierzu eine Idee: Sennheiser könnte das Kommando für »Zum nächsten Gerät wechseln« (wie einst bei den Bose SoundSport Free Wireless) einfach als Option zur Button-Konfiguration hinzufügen (gleich als erstes geprüft, steht dort aktuell leider nicht zur Auswahl). Löst man das Kommando aus, wird in der Liste unter »Verbindungsmangement« einfach das nächste Gerät verbunden. Damit ließe sich die Problematik beim Verbindungswechsel relativ elegant lösen.

Computerstimme könnte gesprächiger sein

Die Computerstimme ist übrigens genau gleich, wie bei den anderen Sennheiser-Bluetooth-Modellen – mir gefällt sie sehr, sie ist mir allerdings oft zu wenig verbos. Das ist eigentlich witzig, denn das »Geschwafel« der WF-1000XM4 nervt mich zwar manchmal, aber es ist unterm Strich hilfreicher »Noise-Cancelling« angesagt zu bekommen, als einen nicht zuordenbaren Piepston wie bei den MTW3.

Soundtuning mittels Soundcheck

Auch der Soundcheck-Modus hat mich nicht wirklich angesprochen. Der Ansatz ist zwar nicht so schlecht: Man spielt im Streamingdienst seiner Wahl seinen Lieblingssong und die Sennheiser-App wendet in Echtzeit Filter an lässt einen aus 3 Optionen jenen wählen, der einen am meisten zusagt. Das Ganze wird einige Male wiederholt und am Ende bekommt man einen entsprechenden 3-Band-Equalizer-Preset.

Was fehlt: Speak-to-Chat, 360 Reality Audio

Eine Speak-to-Chat-Funktion wie bei den Sony WF-1000XM4, welche die Wiedergabe pausiert, sobald man zu sprechen beginnt, sucht man übrigens vergebens. Unterstützung für 360 Reality Audio gibt es auch nicht – wobei das aus meiner Sicht verschmerzbar ist.

Cases und rechter Ohrhörer der Sony WF-1000XM4, Sennheiser Momentum True Wireless 3 und 1 auf einem Tisch.
Große Sprünge gibt’s beim Mikrofon.

Sehr gutes Mikrofon

Bisher habe ja noch bei jedem TWS-Ohrhörer bemängelt, dass die Mikrofonqualität bestenfalls mittelprächtig ist. Auch bei extrem teuren Modellen wie den Bowers & Wilkins PI7 (siehe siehe meinen Test). Und auch die Sony WF-1000XM4 bekleckern sich da nicht gerade mit Ruhm. Auf der Verpackung der MTW3 prangt als Feature »High quality voice pickup« und natürlich habe ich mir zuerst auch gedacht, »klar, schauen wir mal …«. Allerdings muss man wirklich klipp und klar sagen, dass die Mikrofonqualität der Momentum True Wireless 3 wirklich sehr gut ist. Vielleicht nicht ganz auf dem Niveau von Mikrofonen in Smartphones wie dem iPhone X, aber um ein Vielfaches besser als z.B. bei den Sony WF-1000XM4. Respekt!

Telefonie in Stereo

Telefonieren geht in Stereo, ich hatte aber einmal das Problem, dass ich einmal am iPhone nur den rechten Hörer aus dem Case genommen und verbunden habe. Der ließ sich dann partout nicht zur Nutzung als Headset überreden, am Telefonscreen sprang das Icon von Bluetooth beim Anruf immer auf den Telefonlautsprecher um. Das klappte erst, als ich den zweiten Hörer dazu nahm, dafür ging das Telefonat dann wieder nur in Mono. Vielleicht war es ein iPhone/Spotify-Problem (das lief vorher im Hintergrund), denn prinzipiell beherrschen die MTW3 das Telefonieren sowohl Stereo als auch wahlweise nur links oder rechts.

Die Mikrofonqualität ist zwar sehr gut, bei Telefonaten kommt beim anderen Ende aber nicht so viel davon an – da klingen die WF-1000XM4 und die MTW3 vielleicht nicht gleich, aber gleich schlecht – das mag aber durchaus am Telefonnetz bzw. der Sprachbox liegen, mit der ich das Feature getestet habe. Wichtig dabei, das ist mit Sicherheit kein Sennheiser-Spezifikum und die Mikrofonqualität (mit den iOS-Sprachmemos getestet) ist, wie gesagt, wirklich sehr gut. Und vermutlich auch bei Videokonferenzen viel besser, da diese nicht übers Funknetz, sondern die Internetverbindung laufen.

Taugen auch für Sport

Ich habe mit den Sennheiser Momentum True Wireless 3 auch eine Laufrunde absolviert. Dafür scheinen mir sie mir auch gut geeignet, auch wenn einige Tests das IPX4-Rating bemängeln. Klar, da bieten andere mehr, aber in dem Reigen nicht: Sonys WF-1000XM4 haben ebenfalls nur IPX4, so wie die beyerdynamic Free BYRD und auch die AirPods Pro. Aber ja, die Galaxy Buds Pro 2 zum Beispiel, übertrumpfen alle gleich mit IPX7.

Prinzipiell würde ich wie gesagt zu Schaumstoff-Aufsätzen tendieren, womit bei mir jegliche TWS-Ohrhörer bombenfest sitzen. Bei Silikonstöpseln ist das anders, denn hier fallen Unterschiede in der Symmetrie der Ohrmuschel und Gehörgänge stärker auf. So lockerte sich der rechte Ohrhörer bei mir bei Bewegung immer recht schnell. Abhilfe schaffen hier tatsächlich die mitgelieferten Ohrfinnen, beim entsprechenden Ohrhörer sorgte die größte Finne (die aber immer noch sehr dezent aussieht) für absolut sicheren Halt. Insofern war es von Sennheiser also eine gute Entscheidung, dass, wenn man schon auf Silikonstöpsel setzt, für sicheren Halt auch gleich Ohrfinnen mitgeliefert werden.

Auch die Umsetzung ist da gelungen, weil die kleinste Größe keinen Bulk hinzufügt und durch die Gummioberfläche für mehr Grip beim Einsetzen und Herausnehmen aus dem Ohr sorgt.

Fazit

Die Sennheiser Momentum True Wireless 3 sind nicht nur würdige Nachfolger, sondern gehören meiner Meinung mit zu den besten True-Wireless-Ohrhörern, die man in der Preisklasse kaufen kann. Einziger wirklicher Haken ist das mühsame Wechseln der Verbindung – und das kann ein echtes No-go sein.

Ich war letztes Jahr Sony gegenüber skeptisch, habe die WF-1000XM4 aber schätzen und lieben gelernt und ich mag auch deren Sound. Heuer bin ich mir aber nicht sicher, ob ich mich nicht doch für die Momentum True Wireless 3 entschieden hätte, denn zwei wichtige Features gefallen mir besser: die kompakte Größe (zu den WF-1000XM4 zurück zu wechseln war nicht einfach) und die Soundsignatur. Dazu kommt ein viel besseres Mikrofon. Ja, in der App hakts, und man kann nicht so viel konfigurieren. Letzteres betrifft aber hauptsächliche Dinge, die man wirklich gezielt haben wollen muss (Speak-to-Chat zum Beispiel).

Wie bei den Sony WF-1000XM4 gilt bezüglich Wertung auch hier: Behebt Sennheiser die Troubles beim Verbindungswechsel und die App-Probleme, wäre noch ein halber Stern mehr drin.

★★★★☆


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