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ÖBB FGN: Fahr­geld­nach­for­de­rung be­ein­spru­chen – so gehts!

10.1.2023·Kommentare:  5Retweets:  0 5

Sodala, herzlich willkommen zu diesem Tutorial1. Es ist mag leicht satirisch anmuten, ist aber durchaus ernst gemeint. Hier werdet ihr lernen, wie ihr eine ÖBB-FGN bzw. eine Fahr­geld­nach­for­de­rung be­ein­spru­chen könnt, indem ihr diese zuerst findet, dann korrekt ausfüllt und abschickt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Dafür sind 35 Schritte notwendig. Also nehmt’s bitte Platz, los geht’s!

Grundsätzliches

Zunächst zur Frage: Wozu braucht man so etwas? Z.B. um eine Strafe von 135 Euro zu beeinspruchen, die man ausgestellt bekommen hat, weil die Jahreskarte in der App nicht geladen werden konnte (inkl. Update zur in jedem Fall fälligen Gebühr).

Vorbereitung

In dem Fall bekommt man eine Rechnung mit einer Art Referenznummer (»Nachforderungsnummer«), diese bitte bereithalten. Damit ihr auch keinen Schritt verpasst und der Lerneffekt durchs Mitmachen verstärkt wird, macht bitte diese Anleitung hier links in einem Fenster auf und die Fahr­geld­nach­for­de­rungs­be­ein­spru­chungsseite rechts daneben – mitmachen könnt ihr auch ohne echte Referenznummer (dann halt bitte zum Schluss nicht abschicken). Wahlweise könnt ihr auch diese, für die Ewigkeit aufgenommene, epische Screenshot-Montage von mir anzeigen.

Zum besseren Verständnis sei noch erwähnt, dass ich hier den Fall einer Jahreskarte beim VOR (Verkehrsverbund Ostregion) mit Kontrolle durch einen ÖBB-Kontrollor behandle. Das sollte keinen Unterschied machen, erklärt bei Punkt 27 aber meine diesbezügliche Frage (falls jemand die Hin- und Herschieberei bei Problemen zwischen den beiden Betrieben noch nicht kennt).

Durchführung

Zur Durchführung folgt bitte den roten Pfeilen inklusive Beschreibung der einzelnen Punkte darunter:

Screenshots der Infoseite zur Fahrgeldnachforderungsbeieinspruchung mit Pfeilen zu den einzelnen aufzuklappenden Bereichen.
Schritte 1 bis 8 (große Version).
  1. Stelle mit vergessenen, personalsierten Zeitkarten finden.
  2. Nach oben scrollen um besagte, NICHT DIREKT DORT VERLINKTE, E-Mail-Adresse zu finden.
  3. Suchen.
  4. Beim Satz »Alle Einsprüche müssen aus Gründen der Nachvollziehbarkeit und Nachverfolgbarkeit schriftlich eingereicht werden.« mit nachfolgender POSTALISCHER Adresse ERHÖHTEN PULS FESTSTELLEN weil man sich fragt, ob man hier gar einen Brief abschicken muss.
  5. Wieder retour scrollen, um sicher zu gehen, dass man sich beim Wort »E-Mail« eh nicht verlesen hat.
  6. Wieder hochscrollen.
  7. Suchen.
  8. Link mit Mail-Icon anklicken DER NICHT WIE EINE E-MAIL-ADRESSE AUSSIEHT.
Screenshots des Fahrgeldnachforderungsbeieinspruchungsformulars mit Pfeilen zu den einzelnen auszufüllenden Feldern.
Schritte 9 bis 35 (große Version).
  1. »Freudig« feststellen, dass der Link KEINE E-MAIL-ADRESSE IST, sondern diese Seite AUF DER KEIN FORMULAR ZUM AUSFÜLLEN sichtbar ist.
  2. Feststellen, dass man zuerst eine der NICHT NACH CHECKBOXES SONDERN NACH BULLETPOINTS AUSSEHENDEN Optionen wählen muss.
  3. Richtige Option suchen.
  4. Freudig (in echt jetzt) feststellen, dass sich nun Felder, die auch wie welche aussehen, aufklappen.
  5. 10-stellige Nachforderungsnummer eintippen.
  6. Bei der ungefähr 7. Stelle wundern, WIE VIELE FAHRGÄSTE HIER EIGENTLICH UNGERECHTFERTIGE NACHFORDERUNGEN beeinspruchen.
  7. Beim Feld Nachricht wundern, welche Ehrerbietung in schriftlicher Form hier von einem erwünscht wird.
  8. Zuvor gesendetes Beschwerdemail an den VOR ummodeln.
  9. VOR-Jahreskarte abfotografieren, sich selbst per Mail schicken, hochladen.
  10. Wundern, ob man bei »Ich möchte eine Antwort erhalten« auf »Ja« oder »Nein« klicken soll.
  11. Auf »Ja« klicken, in der Hoffnung eine Bestätigung über die erfolgreiche Beeinspruchung zu bekommen.
  12. Bei Klick auf Ja EINEN HERZINFARKT kriegen, weil ein neues MEGAFORMULAR mit kompletter Anschrift aufklappt!
  13. Feststellen, dass das Formular bei KLICK AUF »NEIN« auch NICHT MEHR VERSCHWINDET. GEH WEG!!!
  14. Leicht beruhigen, da man nur Anrede, Vorname, Nachname und E-Mail-Adresse ausfüllen muss. Sich aber dann fragen: DER KONTROLLOR HAT MEINEN AUSWEIS FOTOGRAFIERT UND IHR KENNT MEINE DATEN, WARUM MUSS ICH DAS AUSFÜLLEN WENN ICH SCHON DIE NACHFORDERUNGSNUMMER EINGEGEBEN HABE?
  15. Weiter (leicht) aufregen, weil sich das E-Mail-Feld BEREITS BEIM ERSTEN BUCHSTABEN BESCHWERT, DASS DAS KEINE GÜLTIGE E-MAIL-ADRESSE SEI. ACH WAS, WIRKLICH!?
  16. Wundern, ob die VOR-Vertrags-Nummer (VOR) der »PV-Kundennummer« (ÖBB) entspricht.
  17. Einfach trotzdem eintippen.
  18. AGB akzeptieren – wegen Pflichtfeld warat’s.
  19. Wundern, ob man das NICHT-PFLICHTFELD mit NACH SEHR NOTWENDIG AUSSEHENDER ZUSTIMMUNG »JA, wenn dies zur Bearbeitung meiner Anfrage/ meines Anliegens erforderlich ist, [DANN RELEASE THE DATEN-KRAKEN]« anhakerln muss um das epische ENDGAME zwischen ÖBB und VOR ÜBERHAUPT ERST ZU ERMÖGLICHEN.
  20. Tolstois weniger bekanntes Zweitwerk »Befragung zur Zufriedenheit« samt EPISCHEM PROLOG ZUR DAFÜR NOTWENDIGEN DATENERFASSUNG überspringen.
  21. … und bei einem PFLICHTFELD LANDEN, wo man angeben muss, OB NOCH MEHR VON DIESEN FORMULAREN ausfüllen möchte, aber eh nur, WENN MAN PER ZUFALL als Fahrgast-Tribut für diese Ehre der FORMULAR-HUNGER-GAMES AUSGEWÄHLT WIRD.
  22. JA! JA!! JAAAA!!!!! KONTAKTIERT’S MICH DANN HALT!
  23. Senden-Button sehen.
  24. Angst bekommen.
  25. Senden-Button anklicken.
  26. NOCH EINEN HERZINFARKT KRIEGEN, weil die Felder nach Klick weg sind und man keine Bestätigungsmeldung sieht.
  27. Erleichtert sein, dass es da in mickriger, nicht hervorgehobener Schrift, einfach doch noch irgendwo drin steht.

Geschafft!

Wenn ihr so weit gekommen seid, dann herzlichen Glückwünsch! Eure Geduld und Ausdauer befähigt euch zum Mitführen einer digitalen ÖBB/VOR-Jahreskarte! Feedback wie immer gerne in den Kommentaren!


  1. Ursprünglich wollte ich dieses Tutorial als Satire kennzeichnen, allerdings kann man es auch als Usability-Test nach Steve Krugs »Don’t Make Me Think« (New Riders, 2000) lesen, in dem die/der Proband:in beim Benutzen der Seite versucht, möglichst laut zu denken. Daraus lassen sich dann Rückschlüsse über Benutzungsprobleme ableiten. Lest es, wie es auch am besten gefällt bzw. ihr am meisten für euch mitnehmen könnt.

    Zudem erschien dieses Tutorial zunächst unter dem Titel »Mein un­frei­wil­lig ko­mi­sches, aber auch ernst ge­meintes Tu­to­ri­al zum Fin­den, Aus­fül­len und Ab­schi­cken ei­ner ÖBB-Fahr­geld­nach­for­de­rungs­be­ein­spru­chung. In 35 Schrit­ten (kein Witz).« – zur besseren Auffindbarkeit habe ich den Titel später geändert. 


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5 Kommentare

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#1 von Michael am 17.1.2023, 17:44 Uhr

LOL. I guess?! (Und habe mehrmals laut auflachen müssen.)

#2 von Benedikt am 18.1.2023, 6:18 Uhr

Haha, danke – und freut mich! 😄 Man muss sich aus solchen Dingen ja auch irgendeinen Mehrwert für sich selbst raussuchen. Und da bieten die ÖBB einiges an Potenzial. 😆

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