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»Willow« (Serie) – Kritik Staffel 1: Das war wohl nichts

Achtung Spoiler!·2.5 / 5Sterne·16.1.2023·Kommentare:  0Retweets:  0 0

Also das mit dem »Willow«-Rivival als Serie … das war wohl nichts. So leid es mir tut. Und der damals von mir erwähnte »spät zündende Charme«? Vergesst das wieder. Meine Kritik von Staffel 1 als Nachruf auf ein Fantasy-Franchise, dass es nie gab und wohl auch nie geben wird.

Beginnen wir mal beim Positiven: Einige Bilder und Ideen könnten tatsächlich aus einer guten »Willow«-Fortsetzung stammen. Dieser Versuch hier ist aber über weite Strecken einfach nur seltsam sowie komplett unerfahren geschrieben und inszeniert. Die Serie liegt bei IMDB aktuell bei 5.4 und es würde mich nicht wundern, wenn sie nach Staffel 1 auf unter 5 abrutscht.

Hat man hier Serienschöpfer Jonathan Kasdan (Sohn von »Star Wars«-Urgestein Lawrence Kasdan) etwa ein potenzielles Franchise als Prüfung überlassen, bei dem man nichts verhauen kann (weil eben kein Franchise da ist)?

Spoiler-Alarm!
Gleich geht’s los mit teils massiven Spoilern. Wer die Serie nicht kennt, aber auch nur das geringste Interesse daran hat, sollte hier aufhören zu lesen.

Gehen wir die Folgen einzeln durch:

Für Folgen 1 & 2 könnt ihr meine Kritik von damals lesen – da war noch nicht Hopfen und Malz verloren.

Leider kommt »Willow« auch in Folge 3 nicht in die Gänge und zeigt – eher im Gegenteil – merkliche Schwächen bei Buch & Inszenierung: Was sollte z.B. die ganze eingeschobene Nebenhandlung mit Hannah Waddingham (sie spielt Rebecca Welton in »Ted Lasso«) im anachronistischen Jeans-Outfit? Mutete wie eine Traumsequenz an, war es aber nicht. Überhaupt wirkte die ganze Folge über weite Teile wie eine unzusammenhängende Szenen-Abfolge, bei denen man sich nie sicher war, ob das nun real oder Traum sein soll. Willow deutet das in Anbetracht des Wolkenschleiers zwar auch an, aber am Ende der Folge gibt es keine Aufklärung und alles was man gesehen hat, war offenbar echt.

Eines muss man den Machern aber lassen: Zumindest in Folge 2 und insbesondere 3 gibt es ordentliche Cliffhanger inklusive halbwegs origineller Musikauswahl. Die wäre da noch okay gewesen, die Serie übertreibt es damit aber (dazu gleich mehr) – und ganz ehrlich, wäre hier in Folge 3 nicht das Original des Songs die bessere Wahl gewesen?

Folge 4: Nockmaar also. Eh ok. Sitzen aber halt nur in Festung rum und einer ist besessen. Und am Ende sieht man, dass da anscheinend doch die ganze Zeit böse Kreaturen gelauert haben und jetzt, wo die Heldentruppe Nockmaar verlässt, sollen sie sie fangen?!

Folge 5: Der Geisterwald mit den Knochenschädeln. Das ist wieder eine eher üble Folge: Einerseits wird da der Muscle der Antagonistin von einst entmystifiziert (nämlich Kael – gespielt von Pat Roach, dessen Charakter in »Jäger des verlorenen Schatzes« schmerzhafte Bekanntschaft mit einem Propeller macht). Andererseits hat Kevin Pollak als Rool einen Gastauftritt – der überhaupt nichts zur Sache tut. Einfach nur als Gag. Eine ganze Szene lang. Mit Plüschlöwenpfoten-Hüttenpatschen wie vom Ikea. Ich weiß schon, dass das so gedacht ist, dass er dafür vermutlich eine Maus oder so erlegt hat. So sieht’s halt aber leider nicht aus. Eher billig, schlecht und unoriginell. Fanservice der übelsten Sorte. Dazwischen viel Gerede und Beziehungskisten – übel, übel. Aber gut, Troll-Cliffhanger, immerhin.

Folge 6: Gefangen in der Trollmine inklusive Rettungsaktion. Gastauftritt mit massig Screentime: Christian Slater. Wirkt als Hommage an die 80s-Val-Kilmer-Hochzeit ja ganz ordentlich. Aber auch hier hat man ständig den Eindruck, dass Macher am Werk sind, die sich weder mit Fantasy, noch mit dem Grundmaterial beschäftigt haben. Die Trolle wirken im Kinofilm noch wie komplett wilde Bestien (fast schon ein bisschen nach Horror) und jetzt in dieser Folge, spazieren sie in aufrechtem Gang herum und führen mit den Gefangenen plötzliche Dialoge wie ein britischer Sir zur Teatime – und genau so, nämlich dass einer von diesen steifen Herrn da einfach in einem Kostüm steckt, sieht das auch aus – unfassbar.

Folge 7: Die Schlittenfahrt durchs Wattmeer. Einmal raus aus der Mine geht es weiter Richtung »verlassene Stadt« durch die schon mehrmals erwähnte geteilte See. Oder wie man in unserer Realität sagt: Wattmeer. Lass ich mir als Setting einreden, aber in der als Verfolungsjagd aufgesetzten Episode passiert halt nicht viel. Allerdings müssen wir spätestens jetzt über die Musik in »Willow« reden. Da wird in den Credits ja eigens immer James Horner erwähnt, der das geniale »Willow«-Theme 1988 komponiert hat. Einen derartigen eingängigen Soundtrack hat »Willow« aber einerseits gar nicht (und stolpert damit genau in die Falle, von der ich anhand des Trailers noch hoffte, die Serie würde diese umgehen). Und andererseits sind die Macher irgendwie besessen davon, furchtbare hippe und moderne Popsongs in diese Serie zu quetschen. Ich meine, wolltet ihr in einer Fantasy-Serie, die eigentlich 80s-Charme versprühen soll, eine Trainingsmontage zu Kin Palo – For The Glory sehen? Und nein, das ist nicht gut. Das ist nicht originell. Das ist Teenager machen Fantasy-Serie als Schulprojekt.

Folge 8: Bis Folge 8 hat man sich schon mit Einigem abgefunden – und dann ist das Finale gar nicht mehr so schlecht. Man merkt natürlich, dass das hier inklusive Schergen ein Kammerspiel mit nur rund ein Dutzend Schauspieler:innen ist und man nicht eine würdige finale Schlacht wie einst im Kinofilm erwarten kann. Wieder fällt zudem die Musikwahl auf – diesmal aber nicht nur negativ. Seltsam ist zwar jene während der finalen Hochzeitsphantasie mit – was sonst – einer Coverversion von Bruce Springsteens »I’m on Fire«. Spätestens da checkt man, dass die Macher wohl große »How I Met Your mother«-Fans sind. Obwohl’s halt gar nicht passt, diesen Stil hier reinzubringen. Cool ist aber das Anspielen von »Money for Nothing« der Dire Straits (hey, die Originalversion diesmal!) während des finalen Cliffhangers – da passt’s endlich!

Fazit

Abgesehen von den seltsam geschriebenen Episoden und der über weite Strecken anfängerhaften Inszenierung, wirken hier vor allem die Protagonisten so, als handelte es sich um eine Gruppe Teenager, die aus einer dysfunktionalen Schulklasse aus den 2020ern, via Zeitmaschine in eine Fantasywelt katapultiert wurden. Alle Gefühle und Situationen werden entsprechend mit coolen Sprüchen und Zynismus kommentiert. Fehlt nur noch, dass jemand die vierte Wand durchbricht und gleich mit dem Zuschauer redet. Das konnten sich die Macher immerhin noch verkneifen. Kann es sein, dass die Serie für Leute geschrieben wurde, die das Original noch nie gesehen haben? Es wirkt eigentlich zeitweise so wie der einstige Fehlversuch »Your Heighness«, der hatte damals einen lustigen Trailer, war aber eher ein mauer Film. »Willow« als Serie ist noch mauer.

Wird es eine 2. Staffel geben?

Wenn ich wetten müsste, würde ich sagen, nein – habe aber freilich keinerlei Insights. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das genug Disney-Kunden zu Ende geschaut haben – und »Willow«-Fans vermutlich schon recht früh raus waren. Ich mag mich aber irren und die wirklich allerletzte Einstellung zeigt sogar, wie das aufgeschlagene Buch aus dem Intro mit dem Titel »Willow« zugeklappt in ein Regal gestellt wird. Am Buchrücken prangt zusätzlich der Schriftzug »Volume I« und landet im Regal neben zwei Büchern mit dem Titel »Willow – Volume II« und »Willow – Volume III«. Bei entsprechendem Erfolg hätte Disney also wohl noch ein paar Ideen für Fortsetzungen in petto.

★★½☆☆

Eure Meinung

Und wie fandet ihr »Willow« als Serie? Seid ihr als Fans enttäuscht oder hat euch die Serie gefallen? Kanntet ihr »Willow« bisher nicht und fragt euch, was die Fans alle haben? Über Feedback freue ich mich wie immer in den Kommentaren!


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Willow https://benedikt.io/2023/01/willow-serie-kritik-staffel-1/ 2023-01-16 Stephen Woolfenden, Debs Paterson, Philippa Lowthorpe, Jamie Childs https://benedikt.io/media/movie-review.jpg Das war wohl nichts. So leid es mir tut.

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