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Gruber, Birchler: Android-Apps schlechter als iOS-Apps? Warum die Frage keine Rolle spielt.

3.2.2023·Kommentare:  0Retweets:  0 0

Ein Thema, das eigentlich erstaunlich selten hochkocht (vermutlich, weil es sich alle schon ihrem Ökosystem gemütlich gemacht haben), ist die Frage, ob die selbe App in iOS oder Android besser ist. Oder auch, ob die »beste« App einer bestimmten Kategorie in Android gleich gut (oder besser) ist, als die »beste« iOS-App in derselben Kategorie. Hochkochen tut es meistens dann, wenn prominente Befürworter eines der beiden Lager ihre Meinung kundtun – wie kürzlich John Gruber und Matt Birchler. Doch sind Android-Apps da wirklich so viel schlechter? Aus meinem Blickwinkel spielt das eigentlich gar keine Rolle.

Screenshotvergleich iA Writer zwischen Android und iOS mit Tränen lachendem Smiley,
In manchen Apps fällt der Unterschied ja eher gering aus.

Den Anlassfall, den Post »The Shocking State of Enthusiast Apps on Android« bzw. eigentlich John Grubers Tröt bzgl. guter Mastodon-Clients für Android, sowie Grubers Reaktion auf Birchler (»Making our Hearts Sing«), könnt ihr nachlesen, im Grunde geht es aber um die RSS-Reader-App »Read You«. Die gibt es zwar gar nicht im Play Store, dafür im freien Open-Source-App-Repository F-Droid.

Da stellt sich mir instinktiv schon mal die Frage, ob der Vergleich nicht hinkt. Was kommt als Nächstes? GIMP ist nicht so benutzerfreundlich und nicht so schön wie Pixelmator?

Warum man sich auch gerade auf dieses Beispiel, das halt ein Mastodon-User erwähnt hat, einschießt, erscheint mir auch nicht ganz logisch. Ich verwende z.B. Feedly und dafür musste ich bei meinem Tablet-Umstieg Ende 2019 aufs Tab S5e nur Google und ein paar klassische Listicles bemühen. 🤷‍♂️

Aber gut, einerseits wurde eben jene App Matt Birchler als so eine Enthusiasten-App für einen Vergleich als Best-of-Breed empfohlen und andererseits, gut, definieren wir Enthusiasten-Apps mal einfach so. Und ja, da würde ich, rein anhand der Screenshots und als regelmäßiger Android-User (sogar auf einem Tablet!) natürlich auch sagen, Reeder auf iOS ist mir da lieber. Aber ob Feedly oder Reeder – das ist wiederum einerlei.

Das Runterbrechen auf Apps als Kunstform, wie es John Gruber im verlinkten Post mit seinen Kubrick-Zitaten tut …

The test of a work of art is, in the end, our affection for it, not our ability to explain why it is good.

… ist da meines Erachtens gar nicht notwendig. Ja, eine App in der Herzblut steckt, funktioniert nicht einfach nur. Sie funktioniert gut. Das heißt schnell, das UI liefert via Discoverability Hinweise darauf, wie sie benutzt werden kann. Klickbare Elemente sind als solche erkennbar und so weiter und so fort. Und ob das bei »Read You« gegeben ist, kann ich wie gesagt, nicht einmal beurteilen. Es wäre aber leicht messbar.

Warum das eigentlich keine Rolle spielt

Nur, das spielt in meinen Augen für die meisten (?) User:innen gar keine Rolle. Schon mal die App der Ex-Hello-Bank bzw. jetzt Easy Bank auf iOS und Android ausprobiert? Oder Flatex (iOS, Android)? Oder generell Banking-Apps? Klar, Banken sind von Natur aus Pfennigfuchser. Wenn die in einer langfristigen Strategie nicht als Ziel, die Nummer 1 in B2C mit 30 % Abstand zum Zweiten zu werden, drin haben, gibt es da nur das UX-Minimum. Und das heißt eben Wrapper um eine Webapp.

Aber auch in anderen Bereichen sieht es ähnlich aus: Microsoft Outlook und OneNote beispielsweise. Die fühlen sich auf beiden Plattformen ziemlich gleich an (bilde mir sogar ein, dass Outlook eine Zeit lang auf Android besser für Tablets optimiert war als die iPadOS-Version). Streaming-Anbieter wie Netflix, Amazon und Disney? Kein nennenswerter Unterscheid. Wie wär’s mit Spotify? Eben.

Oder mal ein krasses Gegenbeispiel: Samsungs Taschenrechner-App vs. Apples Taschenrechner-App (die es nach wie vor nicht am iPad gibt): Anlehnung ans legendäre Braun-Design hin oder her: Wie wär’s mal mit einer klar ersichtlichen History, Apple?

Es ist jedenfalls meiner Meinung nach nicht so, wie John Gruber schreibt:

[…] the cultural differences have […] grown because both users and developers have self-sorted.

Das klingt nämlich so, als wäre Android-Benutzer:innen eine gute Benutzererfahrung nicht wichtig. Es ist vielmehr so, dass die Mehrheit der User:innen, meiner Meinung nach, bei vielen Apps gar keinen Unterschied merkt.

Aber ja, was stimmt ist, dass wenn ich in mobilen Ökosystemen unterwegs bin und unbedingt etwas Spezielleres wie einen Code-Editor oder eine IDE haben will, es bei Apple sehr gute Optionen für Enthusiasten gibt und bei Android halt nur Wüste – mit teils haarsträubenden Berechtigungsanforderungen (ich erwähne das Beispiel, weil ich mich da selber mal umgesehen habe).

Eure Meinung

Was meint ihr? Seid ihr Android- oder iOS-Fan und könnt aufgrund der App-Situation mit dem jeweils anderen Ökosystem gar nichts anfangen? Oder seid ihr entspannt in beiden Welten unterwegs? Über euer Feedback freue ich mich wie immer in den Kommentaren!


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