Navigation überspringen

Frasier (2023) ist gut, aber steht Hauptdar­steller Kelsey Grammer seiner eigenen Serie im Weg?

Spoilerfrei·4.5 / 5Sterne·18.12.2023·Kommentare:  0

Nachdem ich nun alle Folgen der ersten Staffel von Frasier (2023) gesehen habe, erhöhe ich meine Wertung nach den ersten zwei Folgen noch einmal (vor allem nach der großartigen letzten Folge). Während aggregierte professionelle Kritiker:innen der Neuauflage ein eher durchschnittliches Zeugnis ausstellen, stehen die Wertungen der Zuseher:innen dem diametral entgegen:

Woran liegt das? Ich vermute einmal, dass der Name »Frasier« heutzutage niemandem mehr etwas sagt. Außer natürlich denjenigen, die den Charakter bzw. seine Vorgänger-Serien (»Cheers« von 1982 und »Frasier« von 1993 an) bereits kannten. Und die bekommen nun auf gleichem Niveau genau das Gleiche in der Neuauflage geboten – und finden es, so wie ich, richtig gut. Mehr vom Selben, sicher – aber ist das nicht genau die Anforderung an so eine Neuauflage?

Von Kritiker:innen geschmäht

Viele Kritiker:in sehen das naturgemäß anders: Eine klassische und damit vom Konzept her recht angestaubte Sitcom, inkl. Hintergrundlacher, weit weg von teilweise fast schon innovativen non-linearen Erzählweisen eines »How I Met Your Mother« (2005) und auch ohne dem eine Zeit lang en-voguen Nerdhumor eines »The Big Bang Theory« (mit ansonsten auch eher klassischer Machart). Frasier (2023) wirkt so, als hätte die Serie 2004 gar nicht aufgehört. Wieder das Gleiche? → bestenfalls Mittelmaß, so der Konsens vieler Kritiken.

Für Fans genau richtig

Als Fan finde ich das aber gar nicht schlecht. Und nicht gerade wenige Schmähs sind sogar richtig gut und erinnern bereits jetzt in Staffel 1 an die Hochzeit von »Frasier«. Hätte man aus dem Reboot der Neuauflage irgendwas Innovatives zaubern können? Vielleicht, aber mit dem erhöhten Risiko, dass die bisherigen Fans nicht darauf anspringen. Hätte man mehr Altstars aus der Original-Serie verpflichten sollen? Da bin ich mir nach zehn Folgen gar nicht mehr so sicher, denn mein Gefühl am Anfang hat sich bisher bestätigt: Die neuen Charaktere fügen sich perfekt ein, die als Söhne von Frasier und Niles gecasteten Schauspieler passen wie die Faust aufs Aug und Nicholas Lyndhurst als Frasiers Uni-Kollege und Freund aus früheren Zeiten ist der perfekte Neuzugang.

Fast perfekt? Jaaeeiiinnn.

Bleiben nur zwei kleine und ein großer Wermutstropfen. Zunächst einmal die kleinen: Es gibt nur zehn Folgen. Und die Episoden-Seiten auf Paramount+ verraten teilweise einfach zu viel (insbesondere was Gaststars betrifft).

Die Sache mit Kelsey Grammer & Trump

Ein weitaus größeres Problem für die Serie dürfte der Hauptdarsteller selbst sein: Dessen Pressesprecher musste nämlich offenbar kürzlich ein Interview abbrechen, als der BBC-Reporter auf Ex-Präsident Trump zu sprechen kam. Mit solchen Aktionen, egal welcher politischer Coleur, tut sich (und damit der Serie) Kelsey Grammer jedenfalls keinen Gefallen, weil manche das auch in ihre Wertung einfließen lassen – dazu gleich mehr.

Fazit: Gut, …

Unterm Strich bin ich mit dieser Fortsetzung, rein auf die Serie bezogen, zwar happy und kann sie Fans bedenkenlos ans Herz legen. Alle anderen können ja mal einen Blick in die Original-Serie von 1993 werfen, wer z.B. mit »Friends« (1995) etwas anfangen konnte, sollte ich bei »Frasier« – trotz eines merklich anderen Settings – sofort wohl fühlen.

… aber

Beides, also mein Fazit und die Empfehlung für Fans, gelten aber nur unter der Voraussetzung, dass man den Künstler (Grammer) von der Kunst (Frasier) trennen kann. Das ist in dem Fall nicht unbedingt leicht, selbst wenn andere politische Ansichten als die eigenen natürlich in Ordnung sind. Wenn sich Grammer in der Öffentlichkeit nur als Republikaner geben würde (was er schon immer war), dann wäre das wohl nicht so schwierig. Mit Grammer als ausgesprochenem Trump-Befürworter, das macht die Sache ungleich komplizierter und schwingt halt bei jeder »Frasier«-Sitzung so ein bisschen mit (wie gesagt, er tut sich und dem Projekt damit einfach keinen Gefallen). Auch, wenn die Serie selbst damit nichts zu tun hat und der Charakter des Dr. Frasier Crane ja eigentlich sogar liberal ausgelegt ist.

Wird es eine 2. Staffel geben?

Zurück zum Thema und einer Frage, die nach wie vor offen ist: Wird es eine zweite Staffel geben? Die Antwort darauf sollte es in den kommenden Wochen geben. Nach dem Schauspieler:innen-Streik, wo es selbigen auch verboten war, in Talk-Shows etc. die Werbetrommel für ihre Filme und Serien zu rühren, tut Kelsey Grammer seit Kurzem genau das. Für die Serie und alle Beteiligten wär’s jedenfalls schade, wenn es nicht weitergehen würde. 🤞

★★★★½

Eure Meinung

Was meint ihr? Hat euch die Neuauflage gefallen, konntet ihr damit gar nichts anfangen oder sagten euch die Serien rund um den Charakter Frasier bisher nichts? Oder verzichtet ihr bewusst auf Serien, wenn ihr die politischen Ansichten der Darsteller:innen problematisch findet? Auf euer Feedback freue ich mich wie immer in den Kommentaren!


Schlagwörter

· · ·

Frasier (2023) ist gut, aber steht Hauptdar­steller Kelsey Grammer seiner eigenen Serie im Weg? https://benedikt.io/2023/12/frasier-2023-kelsey-grammer/ 2023-12-18 https://benedikt.io/media/movie-review.jpg Nachdem ich nun alle Folgen der ersten Staffel von Frasier (2023) gesehen habe, erhöhe ich meine Wertung nach den ersten zwei Folgen noch einmal (vor allem nach der großartigen letzten Folge). Während aggregierte professionelle Kritiker:innen der Neuauflage ein eher durchschnittliches Zeugnis ausstellen, stehen die Wertungen der Zuseher:innen dem diametral entgegen: Bei Metacritic aktuell etwa 56 […]

Kommentieren

Ich freue mich über jeden Kommentar (Guidelines) & antworte immer (meist < 24h), HTML erlaubt.