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Social-Media-Integration und Datenschutz – geht das zusammen?

29.10.2018·Kommentare:  0Retweets:  1 2

In seiner Hochzeit hatte benedikt.io mehrere hundert Kommentare pro Jahr, 2006 sogar über 600. Heuer sind es aktuell knapp über 100. Obwohl die Kommentarfrequenz sicher in unmittelbarem Zusammenhang mit der Anzahl veröffentlichter Posts steht – und in dieser Hinsicht gab es auf benedikt.io in den letzten Jahren auch Dürrezeiten – wiegt der Aufstieg von Social-Media-Plattformen wie Facebook viel schwerer. Diese haben nicht nur RSS als Vertriebskanal verdrängt, sondern es auch geschafft, einen Großteil der Interaktion im Web, wie z.B. das Kommentieren von Beiträgen, auf ihre Plattformen zu ziehen.

Meine Inhalte, Facebooks Kommentare?

Das hat einige Vor- aber auch erhebliche Nachteile: Während man nun also durch das Posten von Links zum eigenen Blog eine potenziell größere Zielgruppe erreicht, werden diese Beiträge aber fast ausschließlich auf der entsprechenden Social-Media-Plattform kommentiert. Wer über andere Wege, wie z.B. Suchmaschinen, zum eigenen Blog kommt, hat in der Regel nichts von diesen Kommentaren.

3rd-Party-Scripts einbinden?

Die von Facebook als Win-Win-Situation angebotene Lösung, doch einfach ihre Social-Media-Embeds auf der eigenen Seite für die Anzeige von Likes und Kommentaren einzubinden, hat natürlich einen entscheidenen Haken: Aufgabe des Datenschutzes. Denn über diese Einbindungen ist es Facebook möglich, einen beachtlichen Teil des Surfverhaltens seiner User aufzuzeichnen – weil eben viele Seiten diese Einbindungen nutzen.

Alternative, datenschutztaugliche Lösungen

Frei vom Zwang, benedikt.io kommzeriell betreiben zu müssen, habe ich mir also die Frage gestellt, wie man den Mehrwert von Kommentaren datenschutztauglich nutzen kann. Als Basis dafür diente die Überlegung, einen von mir abgesetzten Tweet oder ein Facebook-Status-Update aufgrund seiner eindeutigen URL als Manifestation meines Inhalts auf der jeweiligen Plattform zu betrachten. Oder einfacher ausgedrückt: Wenn ich auf Facebook einen Artikelverweis auf mein Blog poste, ist das nichts weiter als ein Link, der einfach direkt dort kommentiert werden kann. Ich muss also auf meinem Blog nichts weiter tun, als auf das enstprechende Status-Update zurückzuverlinken.

Twitter

Bei Twitter ist das einfach, weil die Plattform grundsätzlich öffentlich und für jeden einsehbar ist – also auch, wenn man keinen Twitter-Account hat. Ich kann von meinem Blog aus hinverlinken und jeder User kann dort abgegebene Kommentare lesen.

Facebook

Facebook ist hier mit Fokus auf den Freundeskreis zwar anders ausgelegt, aber auch dort ist das problemlos möglich. So problemlos, dass einigen Usern eventuell gar nicht bewusst ist, dass sie einen Kommentar zu einem öffentlichen Status-Update abgeben. Facebook regelt das nämlich über das kleine graue Symbol unter dem Benutzernamen, das normalerweise aus zwei Portrait-Silhouetten als Symbol für »Freunde« besteht. Als Autor kann man diese Einstellung auf »öffentlich« ändern – das Symbol dafür ist dann eine Erdkugel. Ich habe also bei meinen Blogverweisen einfach angefangen, diese öffentlich und nicht nur für Freunde zu posten. Theoretisch kann also jeder User, der meinen Blog über eine Suchmaschine findet somit auch via Facebook kommentieren, auch wenn wir auf Facebook gar nicht befreundet sind.

Konnex zum sozialen Netzwerk herstellen

Bleibt die Frage, wie man die Verbindung zwischen Facebook-Status-Update, Tweet etc. und dem eigenen Blog herstellt. Ganz einfach: Mit einem Link, wie ich es unter meinen Überschriften bzw. im Kommentarbereich mache. So zeigt der Kommentarbereich zwischen benedikt.io, Facebook und Twitter aufgeteilt die Kommentaranzahl an. Ein Klick führt zum jeweiligen Netzwerk – wodurch der Datenschutz natürlich beim Teufel ist, aber man hat als User zumindest die Wahl. Das gleiche funktioniert auch für Retweets und Likes auf Twitter. Der Kurznachrichtendienst ist dafür besonders gut geeignet, weil er Aktionen wie »liken«, »retweeten« oder »antworten« als sogenannte Web Intents zur Verfügung stellt. Ich kann also die Aktion des »Likens« einfach mit einem simplen Link darstellen. Klickt jemand darauf, wird er daraufhin bei Twitter gefragt, ob er den entsprechenden Beitrage »liken« möchte. Bei Facebook geht das leider nicht mit einfachen Links – hier muss ein Link auf das Status-Update genügen.

Kommentar-, Retweets- und Likes-Anzahl?

Einigen ist vielleicht aufgefallen, dass auf meinem Blog die Anzahl der Kommentare, Likes und Retweets immer mit der Anzahl auf der entsprechend verlinkten Plattform übereinstimmen. Und wie geht das, wenn man nicht die Embed-Codes der jeweiligen Plattform nutzt? Software-Entwickler, Fans von Automation und Social-Media-Manager mögen sich bitte festhalten: manuell. Ich trage bei neuen Kommentaren, Retweets oder Likes die neue Summe immer in eigens von mir definierte Metadaten-Felder in WordPress ein und zeige diese Daten entsprechend im Template an.

Das skaliert doch nicht!

Klar, das mag aufgrund der überschaubaren Frequenz manuell noch mit minimalen Aufwand funktionieren. Selbst tausende Kommentare oder Likes wären damit aber noch verwaltbar: Ich würde einfach in bestimmten Intervallen auf das Plus-Symbole als Suffix zurückgreifen: 100+, 250+, 500+, 1000+.

Was ist mit »Shariff«?

Eine Alternative wäre auch das von heise.de entwickelte Plugin Shariff, das die Buttons für Facebook, Twitter und Co. zunächst als inaktiv anzeigt und keine Daten überträgt. Erst durch die bewusste Aktivierung durch den User werden die Skripte aktiv und erlauben bequemes Kommentieren, »Liken« etc. Das Plugin ist an sich eine tolle Sache, ich wollte aber eine einfache Lösung, die mit meiner »Nur 1 Request«-Regel für die Auslieferung von benedikt.io vereinbar ist.

Was meint ihr?

Meine eingesetzte Lösung, die mittels simpler Verlinkung funktioniert, scheint mir ein gangbarer Weg für eine datenschutzfreundliche Social-Media-Integration zu sein. Sie hat keine negativen Auswirkungen auf die Performance, da keine 3rd-Party-Scripts mit dutzenden weiteren Requests geladen werden müssen und User können durch Klick auf den Link selbst entscheiden, welchem Netzwerk sie ihre Daten geben wollen. Kleiner Nachteil ist natürlich, dass diese Lösung für den Leser nicht so komfortabel ist, da etwas mehr Klicks und ein Websitewechsel damit verbunden sind.

Also, was meint ihr? Gut? Nicht gut? Auf Feedback, Verbesserungsvorschläge oder Fragen dazu freue ich mich in den Kommentaren. Und ja, gerne auch auf Twitter oder Facebook.


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