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Social-Media-Paranoia: Warum wird mir genau dieser Kontakt vorgeschlagen oder jene Werbung angezeigt?!

18.9.2018·Kommentare:  2Retweets:  1 2

In einer Twitter-Konversation zu meinem »Spotify-Paranoia«-Artikel kam das Thema auf eine weitere, viel diskutierte Fragestellung: Warum wird einem eine spezifische Person als Kontaktvorschlag angezeigt, obwohl es zu dieser keine nachvollziehbare Verbindung gibt? Und warum sehe ich Werbung zu einem Produkt, über das ich vor Kurzem mit Freunden und Bekannten gesprochen habe?

Für Ersteres kann die Erklärung recht einfach sein, für Zweiteres gibt es zumindest eine Vielzahl an logischen Möglichkeiten.

Unmöglich präzise Kontaktvorschläge?

Im Falle unmöglich präziser Kontaktvorschläge für eine bestimmte Person lautet die Frage normalerweise: »Warum wird mir auf Plattform A Person B vorgeschlagen, die ich vor C Jahren in Land D getroffen habe und die ich seitdem weder gesucht, noch mein Adressbuch mit ihren Daten auf Plattform A hochgeladen habe?«. Ganz einfach: Weil sie (Person B) es gemacht hat.

Das ist der »Vorteil« an einem Netzwerk (zumindest für den Betreiber): Selbst, wenn man als Individuum und Teilnehmer des Netzwerks, eine Information von sich nicht preisgibt (z.B. dass man Person B kennt), bedeutet das nicht, dass es nicht ein anderer tut (Person B gibt an, einen selbst zu kennen). Durch die Verbindung im Netzwerk, kann einem die Person somit auch vorgeschlagen werden. Wer mit den Borg aus »Star Trek« vetraut ist, weiß, was gemeint ist.

Ähnliche Erklärung für unheimlich präzise Werbung? Nein, aber …

Der ebenfalls oft angeführte Fall, dass man sich eben gestern noch über ein bestimmtes Produkt unterhalten hat und nun auf Social-Media-Netzwerken wie Facebook plötzlich Werbung dafür angezeigt bekommt, ist schon etwas trickreicher.

Update: Wie Kashmir Hill auf Gizmodo berichtet, arbeitet Facebook sehr wohl mit der oben angeführten Methode, dass ein anderer Kontakt sein Adressbuch mit den eigenen Daten hochlädt – die Autorin bezeichnet dies als »Shadow Contact Information«. Via Daring Fireball.

Mir ist das selbst einmal mit der Automarke Jeep passiert und das war gerade zu jener Zeit, als darüber diskutiert wurde, ob Facebook am Telefon mithört. Meine erste logische, »aluhutfreie« Erklärung dafür wäre die gleiche wie bei den Kontaktvorschlägen gewesen: Nur weil auf meinem Telefon Facebook keinen Zugriff aufs Mikrofon hat, bedeutet das nicht, dass es auch am Telefon des Gesprächspartners so ist. Und da solche Gespräche sehr oft zwischen Personen stattfinden, die auch auf Facebook miteinander verbunden sind, wäre es ein Leichtes, diese Werbung auch dem Gesprächspartner anzuzeigen, auf dessen Telefon Facebook nicht mithört.

Facebook hört nicht mit

Allerdings wissen wir seit einiger Zeit, dass Facebook seine User nicht via Mikrofon ausspioniert – was aber, wie dieser verlinkte Artikel der EFF beschreibt, noch nichts heißen muss. Es gibt dort nämlich auch eine »schöne« Liste an Möglichkeiten, die Facebook noch zur Verfügung stehen.

Spionierende Social-Media-Embeds

Um bei meinem Jeep-Beispiel zu bleiben: Vielleicht habe ich nach dem Gespräch über Jeeps auf der Website von Jeep vorbeigeschaut. Genau weiß ich das leider nicht mehr, aber es ist grundsätzlich nicht unwahrscheinlich, dass man sich nach einem Gespräch über ein bestimmtes Produkt auch kurze Zeit später auf der Herstellerwebsite darüber informiert. So weit, so gut – doch wie kommt nun ein Netzwerk wie Facebook an diese Daten? Ganz einfach, durch seine Like-Buttons und sonstigen Social-Media-Embeds, durch die es den User auf all jenen Seiten mitverfolgen kann, die zu Marketingzwecken solche Einbindungen nutzen.

Good old »Big Data«

Aber es geht sogar noch einfacher: Neues Produkt kommt raus, Marketingkampagne startet und man sieht z.B. Plakatwerbung oder hört einen Spot im Radio. Bei Freunden kommt das Thema im Gespräch auf und kurze Zeit später sieht man auch in sozialen Netzwerken entsprechende Werbung. Nicht, weil Facebook mitgehört oder Seitenbesuche über Embeds ausgewertet hat, sondern weil einfach die Marketingkampagne anrollt und man in die Zielgruppe passt. Und das kann im Internet im Gegensatz zu Fernsehen, Radio und Print sehr genau gesteuert werden.


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