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»Earin«: Erste Eindrücke der kabellosen Bluetooth-In-Ear-Kopfhörer

7.2.2016·Kommentare:  6 · ~ 3 min

Update, Dezember 2016: Lest auch meinen detaillierten Earin-»M-1«-Testbericht.

Gleich vorweg, »erste Eindrücke« trifft es nicht ganz, denn die »Earin« des gleichnamigen schwedischen Start-ups verwende ich bereits seit Ende November. Da ich seit einer Woche aber auch im Besitz der »The Dash« von Bragi bin und dazu in Kürze ebenfalls ein paar Eindrücke schildern werde (Update: »The Dash«-Eindrücke), wollte ich die »Earin« nicht benachteiligen – denn das hätten sie wahrlich nicht verdient.

Packungsinhalt & Funktionsweise

Vom üblichen Zubehör (Ohrpfropfen in verschiedenen Größen, Ohrflossen, Micro-USB-Kabel) abgesehen bestehen die »Earin« aus drei Teilen: dem linken und rechten »Earin«, sowie der Lade- bzw. Aufbewahrungskapsel. Letztere ist ein essenzieller Bestandteil, da die »Earin« selbst keine Knöpfe aufweisen und sie nur über die Herausnahme aus der Kapsel in den Bluetooth-Paarungsmodus geschaltet werden können. Das Set-up ist dementsprechend einfach: »Earin« aus der Kapsel nehmen, mit dem Smartphone verbinden, fertig. Auf ein Mikrofon wurde bewusst verzichtet, die »Earin« können und sollen nur Musik wiedergeben, gesteuert wird diese einzig und allein über das Smartphone.

Klangqualität

Das Wichtigste zuerst: Die »Earin« klingen wirklich gut. Im direkten Vergleich mögen die »Jaybird BlueBuds X« etwas bassbetonter, wärmer und weiter klingen, die »Earin« sind dafür neutraler.

Bluetooth-Verbindung

Grundsätzlich ist die Verbindung der »Earin« wie folgt aufgebaut: Das Smartphone verbindet sich via Bluetooth (A2DP) mit dem linken »Earin« (= Master), welcher das rechte Stereosignal ebenfalls über Bluetooth an den rechten »Earin« (= Slave) weitergibt.

Die Verbindung vom Smartphone zum linken »Earin« ist sehr stabil, man kann das Smartphone z.B. auch in einem Laufgurt hinter dem Körper tragen, ohne, dass die Verbindung darunter leidet.

Wer die Kickstarter-Kampagne und die User-Kommentare verfolgt hat, weiß, dass die Verbindung vom linken zum rechten Ohrhörer problematischer ist, weil Bluetooth-Signale den menschlichen Körper nicht durchdringen können. Die Erfahrungen bezüglich dieser Drop-outs scheinen unterschiedlich zu sein, bei mir setzt die Verbindung durchschnittlich alle 20 Minuten einmal kurz aus (< 0,5 s), erfängt sich aber sofort wieder. Ich bin diesbezüglich eigentlich pingelig, allerdings stört mich dieses Verhalten in der Praxis nicht wirklich und ich habe mir deswegen auch nie gedacht, z.B. wieder zu den »BlueBuds X« zu wechseln.

Verarbeitungsqualität

Kurz und bündig: Die Hörer und Kapsel sind gut bis sehr gut verarbeitet und fühlen sich stabil an.

Maximale Lautstärke

Meiner Erfahrung nach haben viele Bluetooth-Ohrhörer das Problem, dass sie nicht laut genug sind. Bei den »Earin« kommt’s drauf an. Mit iOS-Geräten sind sie für mich laut genug, auf Android ermöglicht die Earin-App das Erhöhen des Gains, was das Problem löst. Nur auf Windows 10 Mobile sieht es diesbezüglich (noch) nicht so gut aus: Die »Earin« sind hier meiner Meinung nach zu leise. Eine entsprechende App ist angekündigt, ob man damit auch die Basislautstärke erhöhen kann, ist noch nicht klar – interessanterweise hat die Erhöhung des Gains in der Anroid-App keine Auswirkung auf Windows 10 Mobile. Möglicherweise merken sich die »Earin« die Basislautstärke pro Betriebssystem?

Sitz im Ohr

Da die »Earin« quasi nur aus den eigentlichen Hörern bestehen – jeder wiegt nur 3,5 g und wird lediglich über den Pfropfen (von Comply Foam) im Gehörgang gehalten –, gibt es de facto keine bequemeren In-Ear-Kopfhörer. Sie halten zudem absolut sicher im Ohr, selbst mehrere Läufe über 10 km haben kein Problem dargestellt – die mitgelieferten Ohrflossen waren dafür nicht einmal notwendig.

Vermutung

Die Fertigstellung war für Earin (die Firma heißt wie das Produkt) aufgrund der vielen Verzögerungen sicher keine leichte Geburt, aber das Ergebnis kann sich – trotz der Drop-out-Problematik – wirklich sehen lassen. Seit Jahren träumen In-Ear-Fans von Ohrhörern wie diesen, die Erwartungshaltung war dementsprechend auch bei mir sehr hoch, aber ich wurde nicht enttäuscht: Die »Earin« sind seit dem ersten Tag der Inbetriebnahme als meine Hauptkopfhörer im Einsatz, und ich habe mir seitdem nicht nur einmal gedacht, dass das möglicherweise die besten Ohrhörer aller Zeiten sind. Ein detaillierter Testbericht folgt.


Schlagwörter

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6 Kommentare

#1 von Aki am 14.6.2016, 15:44 Uhr

Hallo,

ich überlege mir im Moment, ob ich die Earin oder The Dash zulegen sollte.
Momentan habe ich auch die Jaybird Bluebuds X, mich nervt da aber immer wieder immer noch das Kabel zwischen den Hörern.
Momentan würde ich eher zu den Earin tendieren, da für mich der ganze Analyse-Schnickschnack beim Dash irrelevant ist. Mir geht es ums Musik hören und um guten Klang.

Deshalb mal meine Fragen, da du ja beide schon getestet hast:
-Welcher hat deiner Meinung nach den besseren Klang?
-Wie sieht es im Vergleich mit der Akkulaufzeit aus?

Vielen Dank und viele Grüße
Aki

#2 von Benedikt am 15.6.2016, 10:11 Uhr

Hi Aki, das ist eine gute Frage, die sich sicher schon viele potenzielle Käufer gestellt haben.

Wenn es dir nur ums Hören von Musik geht würde ich – sofern du ein iOS- oder Android-Gerät verwendest – die Earin empfehlen. Im Gegensatz zu The Dash klingen sie (eine Spur) besser, sind bequemer (dank Comply-Foam-Pfropfen), haben eine Hosentaschen-taugliche Ladekapsel und sind günstiger. Bei der Akkulaufzeit wären mir jetzt keine großen Unterschiede aufgefallen – offiziell geben beide Hersteller ungefähr 3 Stunden an, das dürfte auch hinkommen. Dank Ladekapsel ist das aber ohnehin weniger ein Problem. Allerdings hält die Earin-Kapsel die Ladung nicht so lange wie die der The Dash.

Folgendes solltest du zusätzlich beachten:

Wenn du ein Windows-10-Mobile-Gerät verwendest, könnten dir die Earin eventuell eine Spur zu leise sein. Eine für Windows 10 Mobile angekündigte App (analog zu iOS und Android), wo man die Grundlautstärke erhöhen kann, gibt es leider nach wie vor nicht.
Für Videos ist zudem die Latenzzeit zu hoch (das können The Dash besser).
Bluetooth-Probleme haben übrigens sowohl die Earin als auch The Dash: Beim rechten Earin kann es hin und wieder zu einem kurzen Drop-out kommen (mein Erfahrungswert: durchschnittlich alle 15-20 Minuten), für mich stellen diese aber kein Problem dar. Die Verbindung vom linken Earin zum Smartphone ist dafür top – genau das ist leider bei den The Dash derzeit ein absolutes No-go, weil hier die Verbindung dauernd abbricht.

Ich plane, meine ersten Eindrücke der Earin und The Dash noch um echte Testberichte zu erweitern, hoffentlich komme ich bald dazu. 😉

#3 von Jochen Bartz am 22.6.2016, 9:57 Uhr

Hallo,
vielen lieben Dank für die ausführlichen Analysen zwischen dem Dash und dem Earin. Ich finde die Idee ohne Kabel grandios und überlege meine Jaybirds X1 gegen eins dieser Modelle als Sportkopfhörer zu tauschen. Ich nutze die Jaybirds vor allem beim Laufen und Radfahren und finde die Teilchen schon echt super. Jedoch hatten diese letzten bei Regen einige Aussetzer und seitdem funktionieren die Tasten nicht mehr richtig. Sind die beiden Kopfhörer Dash und Earin im Gegensatz zu den Jaybirds X1 absolut wasserdicht und würdest du bei den aktuellen Modellen schon zuschlagen oder lieber bei den Dash und Earin auf die nächste Generation warten, die dann hoffentlich nicht mehr die von dir beschrieben Kinderkrankheiten haben? Weißt du zudem, wann hier eine neue Generation geplant ist? Ich hatte auch gehört, dass Jaybird die X3 plant und diese kurzfristig auf den Markt bringen will. Gibt es hierzu bereits weitere Informationen? Vielen lieben Dank und beste Grüße, Jochen

#4 von Benedikt am 23.6.2016, 7:59 Uhr

Hi Jochen, gerne und freut mich, dass dir meine Artikel gefallen!

Zu deinen Fragen: Wirklich wasserdicht sind nur The Dash (bis zu 1 m), damit schwimmen zu gehen wird von Bragi aktiv so beworben, sollte also kein Problem sein. Die Earin sind laut Support »nur« IP-52-zertifiziert: Staub ist kein Problem, gegen Wasser sind sie nur bedingt geschützt (Details siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Schutzart).

Eine Empfehlung dieser ersten Generation hängt stark vom Verwendungszweck ab. Möchtest du hauptsächlich Musik hören und setzt sie beim Sport nur bei schönem Wetter ein, würde ich die Earin empfehlen. The Dash werden zwar als echtes Sportprodukt vermarktet, allerdings kommt aufgrund der Bluetooth-Probleme beim Sport nur der Stand-alone-Modus in Frage. Hier funktioniert aber derzeit das Fitness-Tracking nicht (ist aber geplant). Eine große Einschränkung ist und bleibt das Bluetooth-Empfangsproblem, weswegen eine Empfehlung schwer fällt.

Nachfolge-Modelle sind weder von Earin noch von Bragi angekündigt, dafür ist es meiner Meinung nach aber auch noch viel zu früh. Beide Modelle sind erst seit kurzem erhältlich und vielen Käufern ist, zumindest meiner Erfahrung nach, das kabellose Konzept noch völlig unbekannt.

Warum die Jaybird X3 nach der Vorstellung auf der CES so lange auf sich warten lassen, ist mir ein Rätsel. Bezüglich Veröffentlichung ist mir nichts bekannt – wer aber einmal auf eine komplett kabellose Lösung umgestiegen ist, will ohnehin nicht mehr zurück. Jetzt, wo sich sogar andere große Firmen an solche Projekte wagen (z.B. Samsung Gear IconX), bin ich in der Hinsicht von Jaybirds Produktpflege-Strategie auch etwas enttäuscht.

#5 von Jochen Bartz am 23.6.2016, 10:19 Uhr

Moin Benedikt, besten Dank für deine höchst interessanten und kompetenten Antworten. Ich bin wirklich gespannt, wie sich der Markt für die komplett kabellosen weiter entwickelt. Einen perfekten Kopfhörer gibt es damit wie du es beschrieben hast nicht, jeder hat seine Vor und -nachteile. Ich habe jedoch noch eine Nachfrage zum »The Dash«: Meinst du die aufgeführten Nachteile mit der Bluetooth Verbindung lassen sich mit Updates lösen oder muss hier tatsächlich ein komplett neues Produkt entwickelt werden? Besten Dank nochmals.

#6 von Benedikt am 23.6.2016, 20:16 Uhr

Hi Jochen, bitte gern!

Es stimmt, dass es die perfekten kabellosen In-Ears (noch) nicht gibt, aber die Earin sind schon sehr nah dran. Bragi müsste das Bluetooth-Problem noch in den Griff bekommen (wurde leider auch mit der aktuellen 1.5.1er-Firmware nicht besser). Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass das via Software-Update gefixt werden kann. Ich befürchte aber aus zwei Gründen, dass es sich hier um ein grundlegendes Hardware- oder Architektur-Problem handelt:

1. Es gibt von Bragi eine eigene Support-Seite zu dem Thema mit Empfangsdiagramm und da steht klipp und klar, dass der Empfang beim Smartphone in der Hosentasche schlecht ist. So eine Seite würde es meiner Meinung nach nicht geben, wenn das Problem nur vorübergehend aus Zeitmangel in der Launchphase in Kauf genommen wird.

2. In einer Anfang Mai veröffentlichten Roadmap steht wegen diesbezüglicher Verbesserungen nichts. Dieses Problem hätte Top-1-Priorität und wenn man es schon nicht in den ersten Monaten nach Auslieferung beheben kann, dann müsste es wenigstens via Roadmap angekündigt werden.

Nicht falsch verstehen, The Dash sind ein faszinierendes Produkt mit dem man viel Freude haben kann. Aber jedes Mal z.B. beim Aussteigen aus dem Zug (wenn man das Smartphone in der Hosentasche verstaut) in den Stand-alone-Modus schalten zu müssen, wird der Vision von The Dash einfach nicht gerecht. Bragi hat während der Entwicklungszeit viele Probleme gelöst, sie werden auch das in den Griff bekommen – aber eben vielleicht erst mit Generation 2.


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