Navigation überspringen

Prag statt Wien? Wie »The Gray Man« be­son­ders dreist Locations fälscht

9.8.2022·Kommentare:  0

Mich freut es ja immer wieder, wenn Filmcrews in Österreich Halt machen. So wie z.B. »Mission Impossible: Rogue Nation« prominent Wiener U-Bahnstationen und die Staatsoper in Szene gesetzt hat. Oder die erste Staffel von »The Witcher« Burg Kreuzenstein in Niederösterreich. »The Gray Man« von den Russos geht mit einem Budget von 200 Mio. US-Dollar einen etwas anderen Weg.

Meine Kritik zu Netflix’ bislang teuerstem Film steht noch aus, soviel sei aber verraten: begeistert war ich nicht. Und auch wenn Film de facto immer Illusion ist, ist mir eine Sache besonders aufgestoßen: Die dreiste Art, wie »The Gray Man« bei einem doch recht üppigem Budget von 200 Mio. Dollar Locations fälscht. Ich habe mich ja bei »Uncharted« schon darüber beschwert, dass der Establishing Shot von Barcelona Agenturmaterial zu sein scheint, das nicht zum Rest des Films passt. Aber wenigstens war die gezeigte Stadt tatsächlich Barcelona.

Endstation Wien Prag

In »The Gray Man« gibt es jetzt einerseits die übliche (und wirklich üble, üble) Einstellung, auf der ein Auto eine abgelegene kleine Straße entlang fährt, wo plötzlich mitten im Nichts ein Schild mit »Wien 28 km« steht. Dann kommt es aber noch schlimmer, denn im Establishing Shot von Wien (Zeitcode 1:27:09, wer es selbst sehen will) braust eine Drohne in einer Gasse an Barockfassaden vorbei, über die Dächer hinweg und endet mit einer Totalen des Hauptbahnhofs – in Prag!

Wenn man genau schaut, erkennt man schon, dass die Gasse nicht in Wien sein kann, weil statt der blauen rote Emaille-Straßenschilder an den Häuserecken angebracht sind – und so einen Bahnhof mit der Überdachung gibt es eben in ganz Wien nicht. Ein perfides Detail: Der Schriftzug »Praha« an der Glasfassade wurde in der Aufnahme sogar durch »Wien« ersetzt.

Im Film muss nichts echt sein, aber …

Wie gesagt, Film ist Film, da muss nicht immer alles echt sein (und Prag ist natürlich eine tolle Stadt). So kämpften sich 1993 auch »Die drei Musketiere« nicht durch die Gassen, Burgen und Schlösser von Paris, sondern von Wien und Niederösterreich. Aber muss man die Leute gleich im Establishing Shot für dumm verkaufen?

Es wäre ja nicht so, als hätte sich eine vergleichbare Einstellung nicht im 7. Bezirk mit einer abschließenden Totalen des Westbahnhofs realisieren lassen. Oder auch im 4. Bezirk – vielleicht sogar übers Belvedere – mit dem Hauptbahnhof. Ich bin jedenfalls gespannt, wie die teilweise in Wien gedrehte »Taylor Rake«-Fortsetzung mit dem Thema umgeht. Die Donauplatte ist vielleicht nicht ganz so schön, aber wer weiß, vielleicht lässt Netflix die Szene dann ja in Berlin spielen …

Eure Meinung

Was meint ihr? Stören euch solche Details auch oder ist euch der Fehler gar nicht aufgefallen? Über euer Feedback dazu freue ich mich wie immer in den Kommentaren!


Neueste Artikel

Schlagwörter

· · ·


Kommentieren

Ich freue mich über jeden Kommentar und antworte gern innerhalb von 24 Stunden.