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3 Gründe, warum die Apple »AirPods« nicht auf meiner Einkaufsliste stehen

30.4.2017·Kommentare:  2 · ~ 3 min

Als In-Ear-Fan verfolge ich die Entwicklung von Bluetooth-Ohrhörern gespannt seit 2009 und den damals erschienenen HBH-IS800 (knackige Produktbezeichnungen waren nie eine von Sony Ericcsons Stärken). Vieles hat damals zwar noch nicht so reibungslos funktioniert, wie man es sich gern vorgestellt hätte. Technologischem Fortschritt sei Dank, waren klassische Bluetooth-In-Ears (also mit Kabel zwischen den Hörern) für mich aber spätestens ab 2013 mit den Jaybird BlueBuds X eine vollständige Alternative zu Kabel-Ohrhörern.

»True wireless« – wer hat’s erfunden?

Der nächste große Sprung kündigte sich 2014 an, als das Start-up Bragi auf Kickstarter komplett kabellose Bluetooth-Ohrhörer präsentierte und zum erfolgreichsten europäischen Crowdfunding-Projekt avancierte. Als erste konnte dann zwar doch die schwedische Konkurrenz Earin Ende 2015 seine (übrigens exzellenten) »M-1« ausliefern, 2016 sollte sich aber als das Jahr von komplett kabellosen, »True wireless«-Ohrhörern herausstellen: Bragi veröffentlichte »The Dash« Anfang des Jahres, Erato folgte Mitte des Jahres mit den »Apollo 7«, Samsung kündigte die »Gear IconX« an und Ende Sommer 2016 folgte auch Apple mit seinen »AirPods« – welche, Apple-Mythos sei Dank, enorm viel Publicity erhielten und den kabellosen Grundgedanken Mainstream werden ließen. Das meine ich übrigens gar nicht negativ, denn die Popularität der »AirPods« wirkt sich garantiert positiv auf dieses neue Marktsegment aus.

Ein bisschen weh tut der Fokus auf die »AirPods« allerdings schon, denn erstens werden die Wegbereiter dieser Technologie, vor allem in Apple-zentrierten Medien, gerne ausgeblendet und zweitens machen einige Design-Entscheidungen von Apple die »AirPods« für mich zu keiner Alternative. Doch zuerst zum Positiven:

Was Apple mit den »AirPods« richtig macht …

iOS-Integration und Pairing

Als Bluetooth-Fan habe ich die viel gelobte iOS-Integration beim Pairing zunächst belächelt, denn wie aufwändig ist einmaliges Pairing schon? Aber wenn man beobachtet, wie weniger erfahrene User versuchen, Bluetooth-Ohrhörer zu verbinden, fallen einem die ganzen Hürden auf: Welche Knöpfe muss man wo und wie lang drücken, damit das Gerät in den Pairing-Modus wechselt? Was muss man am Handy dafür tun etc.? Man muss Apple hier zugestehen, diese Hürden komplett eliminiert und den kabellosen Ansatz samt seiner technischen Herausforderungen (Verbindung zum Player) sehr, sehr benutzerfreundlich umgesetzt zu haben – etwas, das Konsortien wie der Bluetooth-SIG erfahrungsgemäß eher selten gelingt (siehe auch gescheiterte Versuche wie DLNA).

Ladekapsel

Ein weiteres positives Detail, das auf den ersten Blick vielleicht nicht auffällt, ist die einteilige Ladekapsel. Die Dose, in der sich die »AirPods« befinden besitzt ein Scharnier, mit dem sich der Deckel einfach aufklappen lässt. Der Vorteil: Man kann mit einer Hand die Ladekapsel aufklappen und mit der anderen Hand zuerst den ersten und dann den zweiten »AirPod« in der Kapsel verstauen. Bragis Ladeschale hat z.B. den Nachteil, dass diese im geöffneten Zustand aus zwei Teilen besteht, öffnet man diese hat man in jeder Hand einen Teil, das Vertauen von »The Dash« bzw. »The Headphone« wird somit unterwegs zur akrobatischen Fingerübung.

Preis

In Foren großer Newsportale merken viele User gerne an, dass die »AirPods« mit 179 Euro viel zu teuer wären. Vergessen wird dabei allerdings, dass komplett kabellose Ohrhörer ein eigenes Marktsegment darstellen, dass sich eben nicht mit 30-Euro-Bluetooth-Hörern vergleichen lässt. Und hier ist Apple, sogar eher untypisch, im unteren Bereich vertreten:

  1. 299 Euro · Bragi »The Dash«
  2. 299 Euro (bei Markteinführung, jetzt ab 250 Euro) · Erato »Apollo 7«
  3. 249 Euro · Earin »M-2« (angekündigt für 2017)
  4. 249 Euro · Jabra Elite Sport
  5. 249 Euro (bei Markteinführung, lange 199, jetzt 149 Euro) · Earin »M-1«
  6. 229 Euro (bei Markteinführung, jetzt 120 Euro) · Samsung »Gear IconX«
  7. 179 Euro · Apple »AirPods«
  8. 169 Euro · Bragi »The Headphone«

… und was nicht

3. Farbwahl

Ich weiß schon, so gut wie alles, was Apple im 21. Jahrhundert an Zubehör veröffentlicht hat, hat einfach die Farbe Weiß: Netzteile, Ladekabel, Mäuse, Ohrhörer. Gerade als Quasi-Kopfschmuck würde ich allerdings Schwarz bevorzugen, noch dazu bei einem so auffälligen Design. Einzige Ausnahme: Vintage-Bronze wie bei den Shure SE535 – aber das ist eine andere Geschichte. Bei 179 Euro erwarte ich mir Understatement als Option, bei der man nicht als Markenbotschafter zwangsverpflichtet wird.

2. Keine Ohrkanal-Ohrhörer

Ein wesentlicher Unterschied zu den meisten Konkurrenz-Produkten in dem Bereich ist die Tatsache, dass Apple die »AirPods« nicht als Ohrkanal-Ohrhörer konzipiert hat, sondern als kabellose Version seiner sonst beigelegten »EarPods«. Sprich, die Ohrteile der »AirPods« werden nicht in den Gehörgang eingeführt, sondern in der Ohrmuschel eingehängt. Normalerweise wirkt sich das negativ auf die Bassresonanz sowie den Sitz bzw. Halt im Ohr aus – testen konnte ich das natürlich nicht und wäre für Feedback von »AirPods«-Nutzern in den Kommentaren dankbar. Das Einsetzen von Ohrhörern ins Ohr ist natürlich Geschmackssache, für mich persönlich spricht dieser Aspekt aber eindeutig gegen die »AirPods«.

1. Design

Man könnte zwar argumentieren, dass das Aussehen eines Produkts in Relation zur Funktion nebensächlich ist, als sichtbar getragenes Gadget gilt das meiner Meinung nach bei Ohrhörern aber nur begrenzt. Und die »AirPods« schauen einfach nur fürchterlich aus. Doch nicht nur das, der einst von vielen Apple-Fans gescholtene Skeuomorphismus beim UI-Design (wir erinnern uns an Scott Forstalls Abgang und die damit verbundene Debatte) ist bei den »AirPods« plötzlich kein Thema mehr, obwohl diese aussehen wie kabelgebundene Hörer, die mit einer Schere bearbeitet wurden. Wenn ich raten müsste, hat Apple in den herausstehenden Zylindern die Bluetooth-Antennen untergebracht, um somit etwaige Verbindungsprobleme, wie etwa bei »The Dash« von Bragi, von Vornherein auszuschließen.

Fazit

Ich würde die »AirPods« wirklich gerne testen, um auch Aussagen über die Soundqualität, sowie den Sitz im Ohr treffen zu können. Obwohl die »AirPods« preislich im unteren Segment angesiedelt sind, sind diese mit 179 Euro auch kein Schnäppchen. In Kombination mit dem wirklich scheußlichen Design, tue ich mir mit einer Investition diesbezüglich schwer, da ich mir den täglichen Einsatz so auch bei guter Soundqualität nicht wirklich vorstellen kann.

Falls jemand die »AirPods« besitzt und vielleicht sogar Vergleiche zur Konkurrenz ziehen kann, würde ich mich über entsprechendes Feedback in den Kommentaren freuen!


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2 Kommentare

#1 von Peter Minarik am 30.4.2017, 20:07 Uhr

Weiteres no go: Keine guten Controls auf dem Kopfhörer selbst. Mit einem double tap wird Siri aufgerufen, aber wer will schon um die Lautstärke zu verstellen oder den nächsten Song zu spielen mit Siri reden? Man wird ja schon auf Grund des Design sicher komisch beäugt, wenn man dann auch noch mit sich selbst spricht …

Grund Nummer 1 ist für mich aber dass die AirPods einfach nicht halten würden. Zumindest tun es die EarPods nicht.

#2 von Benedikt am 1.5.2017, 14:42 Uhr

Die Steuerungsmöglichkeiten an den Hörern selbst sind so eine Sache: Die Earin »M-1« haben z.B. gar keine Controls, nicht einmal ein Mikrofon – gestört hat mich das aber nie. »The Headphone« haben zwar Knöpfe, diese lassen sich aber nur recht schwerfällig bedienen – auch hier bevorzuge ich das Smartphone. Dass man bei den »AirPods« nur eine Geste eingebaut hat, um Siri zu starten, ist eine interessante Strategie – denn mit der Unterscheidung zwischen 1, 2 und 3 Taps (ich nehme an, das wäre technisch einfach möglich), jeweils am linken und rechten »AirPod« wäre da schon einiges drin gewesen. Tipp: Als ich noch mein Microsoft »Band 2« benutzen konnte (musste es leider zurückschicken), erschien mir diese Option prinzipiell als beste Steuerungsmöglichkeit für Ohrhörer (auch wenn es beim »Band 2« nur mit Kabel-Ohrhörern bzw. den Jaybird Bluebuds X funktioniert hat). Das geht bei den »AirPods« angeblich auch gut mit einer Apple »Watch«. 😉

Bezüglich Halt kann ich leider nicht mal was zu den »EarPods« sagen, denn meine letzten Apple-Ohrhörer von einem iPod shuffle waren noch die alten klassischen Apple »Earphones«. Bin trotzdem nicht sehr zuversichtlich, dass die stabil sitzen.


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