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Test: Sennheiser Mo­men­tum 4 – mas­si­ves Hard­ware-Up­grade, leich­te Soft­ware-Schwächen

4.5 / 5Sterne·22.12.2022·Kommentare:  0Retweets:  1 0

Mein Test der Sennheiser Momentum 4 war nicht ganz einfach, obwohl die neueste Kopfhörer-Generation von Sennheiser sehr gut ist. Warum das so war und natürlich alle Stärken und Schwächen der Momentum 4 gibt es im folgenden, ausführlichen Test.

Schutzfilz, Frontansicht linker Hörer, Detail Gelenk rechter Hörer.
Schutzfilz, Frontansicht linker Hörer, Detail Gelenk rechter Hörer.

Beim Testen der direkten Vorgänger Momentum 3 Wireless und auch den Shure Aonic 50 gab es einige interessante positive und negative Aspekte, die das Schreiben von deren Testbericht enorm erleichtert haben. (An-)greifbare Ecken und Kanten bei einem Produkt? Perfekt für den Tester 😉. Bei diesem Test der Sennheiser Momentum 4 Wireless geriet ich hingegen kurz in Panik, was ich denn zu denen nur sagen könnte.

Man packt sie aus, probiert alles aus und alles funktioniert, wie man es sich erwartet. »Oje, ein Reviewer, der nichts kritisieren kann!« 😱 – was für eine Tragödie! Wäre »aalglatt« nicht negativ belegt, käme mir dieser Begriff in den Sinn – quasi (sehr) gut, ohne Ecken und Kanten. »Perfekt« könnte man auch schlicht sagen. Dafür sind mir aber »zum Glück« doch ein paar verbesserungswürdige Kleinigkeiten aufgefallen. Und wo genau sich die Momentum 4 bei meinen getesteten Kopfhörern einreihen, ist ja auch nicht ganz uninteressant.

Auf einen Blick

  • + Top-Sound
  • + Multipoint
  • + Bequem
  • + Rekord-Akkulaufzeit
  • – Knarzen manchmal
  • – Verbindungsmanagement hakelig

Packung und Inhalt

Die Sennheiser Momentum 4 Wireless kommen im typischen Sennheiser-Karton, der an der Unterseite einmal links und rechts mit einem durchsichtigen runden Sticker versiegelt ist. Darin befinden sich die Momentum 4 in einem Hartschalen-Case inklusive folgendem Zubehör:

Case geschlossen mit Sony WF-1000XM4-Case als Vergleich, Case offen mit Inhalt.
Case geschlossen mit Sony WF-1000XM4-Case als Vergleich, Case offen mit Inhalt.

Das Case

Das mit einem dunkelgraumelierten Stoff überzogene Hardcase ist nun hochwertiger als der an ein Toilettetäschchen erinnernde Beutel der Vorgänger. Das muss es auch sein, weil sich die Momentum 4 nun nicht mehr kompakt zusammenklappen lassen, sondern wie die Konkurrenz »nur mehr« auf flach gedreht werden können.

Verarbeitung, Haptik

Im direkten Vergleich mit den Momentum 3 gefallen mir die 4er viel besser, das Klingendesign gehört der Vergangenheit an, das neue Bügeldesign erinnert ein wenig an die Shure Aonic 50. Der Stoffbezug am Bügel mag unpraktisch anmuten, ist aber mittlerweile fast schon ein Sennheiser-Markenzeichen und hat bei mir z.B. am Case der Momentum True Wireless nach über drei Jahren noch keine Abnutzungserscheinungen gezeigt. Einziger negativer Punkt: Bei manchen Kopfbewegungen knarzen die Momentum 4 leicht. Es stört nicht beim Musikgenuss, ist mir aber aufgefallen.

Seitenansicht rechter Hörer, Detail Gelenk & Bügel linker Hörer, Draufsicht rechter Hörer.
Seitenansicht rechter Hörer, Detail Gelenk & Bügel linker Hörer, Draufsicht rechter Hörer.

Die Specs

Die Spezfikationen im Schnelldurchlauf:

Hört sich alles recht gut an, insbesondere die rekordverdächtige Akkulaufzeit von 60 Stunden, die mit nur 2 Stunden aufladen erreicht wird, sticht dabei hervor. Tatsächlich musste ich die Momentum 4 während meines Testzeitraums kaum aufladen – besser geht’s nicht.

Frontansicht, Bügel & Gelenk von hinten oben.
Frontansicht, Bügel & Gelenk von hinten oben.

Tragekomfort

Beim ersten Aufsetzen fühlen sich die Momentum 4 sehr bequem an, die Ohrmuscheln wirken besonders weich – und geben beim Absetzen ein leises Pfeifgeräusch wieder, das wie Ausatmen klingt (interessanterweise bei mir links lauter als rechts).

Der erweiterbare Bügel hat im Gegensatz zu den Aonic 50 keine Rasterstufen. Vorteil: Man kann ihn wirklich haargenau auf die eigenen Bedürfnisse einstellen. Nachteil: Wenn man oder jemand anderer ihn verstellt, muss man sich für die perfekte Einstellung wieder herumspielen. Von alleine oder nur durch Auf- und Absetzen verstellt sich der Bügel übrigens nicht, da passt alles.

Das Gewicht kam mir bei meinem Ersteindruck hoch vor, da tat ich den Momentum 4 aber Unrecht. Sie sind rund 10 Gramm leichter als die Vorgänger und ganze 40 Gramm leichter als die Shure Aonic 50. Meine Austrian Audio Hi-X25BT wiegen mit 270 Gramm etwas weniger, nur Sony ist mit seinen WH-1000XM5 mit 250 Gramm noch leichter.

Auch nach einigen Wochen ist mir das Gewicht nicht negativ aufgefallen. Die Momentum 4 sind auch weiter als die Momentum 3 und gehören sicher mit zu den bequemsten Over-Ears. Allerdings drücken selbst die bei mir an schlechten Tagen zu sehr, an guten Tagen erst nach einigen Stunden. Ist aber kein Fehler der Momentums, sondern liegt schlicht daran, dass ich aus der In-Ear-Ecke komme und ich mich an den Over-Ear-Tragestil wohl nie gewöhnen werde.

Bügel von oben, rechter Hörer: Status-LED, Ports (USB-C, 2,5 mm) & Mikrofon.
Bügel von oben, rechter Hörer: Status-LED, Ports (USB-C, 2,5 mm) & Mikrofon.

Steuerung

Erfolgte die Steuerung der Vorgängergenerationen bei Shure und Sennheiser noch per ähnlich aufgebautem physikalischem Button-Setup am rechten Ohrhörer, so ist Sennheiser bis auf den Einschaltknopf ebenfalls komplett auf Touch umgestiegen. Mich hat in Anbetracht meiner viel günstigeren Hi-X25BT zunächst gewundert, dass dies auch in einem weitaus höheren Preissegment nur auf dem rechten Ohrhörer möglich ist, ist aber z.B. bei Sony nicht anders.

Die Gesten können in der Smart-Control-App interessanterweise nicht konfiguriert oder anderen Aktionen zugewiesen werden. Beim True-Wireless-Pendant Momentum True Wireless 3 ist das schon möglich.

Einige der Gesten lassen sich ganz klassisch ausführen: Tap für Play/Pause, nach oben wischen für Lauter, nach unten für Leiser. Nach vorn für Weiter, nach hinten für zurück. Witziger ist da schon die »Zoom«-Geste für die Steuerung des ANC. Allerdings sind mir die Momentum 4 hier zu wenig verbos, denn man hört zwar einen Bestätigungs-Signal-Ton, weiß dann aber z.B. nicht, bei viel Prozent das ANC nun steht.

Bluetooth

Zur Bluetooth-Spezifikation muss man nicht viel sagen, der Codec-Support bietet mit AAC und aptX Adaptive das Beste aus beiden Welten für Android und iOS und es gibt Multipoint.

Mit dem Verbindungsmanagement bin ich aber trotzdem nicht ganz zufrieden, denn das funktioniert 1:1 wie bei den Momentum True Wireless 3 bei mehr als zwei Geräten nur gut mit der App.

Sprich, es gibt zwar Multipoint, will man aber die Verbindung mit einem dritten Gerät aufbauen, muss man zuerst eines der ersten beiden Geräte aktiv trennen. Alternativ kann man die Verbindung auch via App am Smartphone herstellen – das muss man aber zur Hand haben und funktioniert nur, wenn man die App auf nur einem einzigen Gerät installiert hat (auf die Problematik bin ich meinem Test der Momentum True Wireless 3 genauer eingegangen).

ANC

Der ANC-Test mit meinem Cleanmaxx lieferte ganz gute Ergebnisse, vergleichbar mit den Momentum 3 (die mir leider für den direkten Vergleich fehlen). Mir kommt aber vor, dass die Sony WF-1000XM4, also Sonys True-Wireless-Flaggschiff mehr Höhen herausfiltert. Der Vergleich mag nicht fair sein, da ich davon ausgehe, dass In-Ear-Ohrhörer mit Schaumstoff-Aufsätzen grundsätzlich besser abdichten, aufgefallen ist es mir aber. Im Vergleich zu anderen Over-Ears mit ANC schlagen sich die Momentum 4 aber auch laut anderen Tests gut bis sehr gut.

Smart-Control-App

Die Smart-Control-App bietet fast 1:1 die gleichen Möglichkeiten wie für die Momentum True Wireless 3. Dazu gehören ein 3-Band-Equalizer inklusive Soundcheck, der die Signatur dem eigenen Geschmack anpassen soll. Die Lösung ist okay, aber Sony und Shure bieten hier mehr Möglichkeiten. Soundzonen sind ebenfalls mit an Bord, die Touchgesten können aber, wie bereits erwähnt, nicht angepasst werden. Die ANC-Steuerung inklusive wie stark der Adaptive-Mode anschlagen soll ist ebenfalls in der App möglich.

Das ist als Nischenuser mit einem Android-Tablet mit Hardware-Tastatur vielleicht gemein: Aber die Smart-Control-App dürfte sich im Querformat gern entsprechend drehen – die App geht einfach davon aus, dass sie im Hochformat genutzt wird.

Die Computerstimme ist gleich wie eh und jeh. Ist prinipiell okay, aber das System könnte langsam ein paar Updates vertragen: Weiterhin ist von »Phone 1, 2 connected« die Rede, auch wenn es kein »Phone« ist. Ist man mit zwei Geräten verbunden und trennt die Verbindung zu einem der Geräte, wird »No connection« angesagt, obwohl das einfach nicht stimmt. Alles keine Dealbreaker, aber da sollte mal aufgeräumt werden.

Mühsam war übrigens auch, dass sich die Momentum 4 von meinem Windows-Rechner alle 5-10 Monuten automatisch getrennt haben. Erst, als ich das Setting »Nach 15 Minuten Inaktivität ausschalten« deaktiviert hatte, trat das Problem nicht mehr auf – obwohl die Kopfhörer durchaus aktiv waren. Eventuell aber nur mit dem Hands-free-Profil für Videocalls und nicht mit Stereo?

Telefonie, Mikrofon

Das Mikrofon wurde gegenüber den Momentum 3 spürbar verbessert. Obwohl hier der Sprung nicht ganz so groß ist, wie bei der True-Wireless-Schiene zur aktuellsten Generation, die IMO sogar noch eine Spur besser klingt. Jupp, trotz des geringen Platzangebots hat hier Sennheiser es irgendwie geschafft, dass die MTW 3 natürlicher klingen.

Soundqualität

Kommen wir zum wichtigsten Punkt, der Soundqualität. Ich mach ja aktuell immer folgenden Test (und er passt auch gut zu Weihnachten): Ich setz mir die Kopfhörer auf und starte »You Make It Feel like Christmas« von Gwen Stefani und Blake Shelton. Wenn der Sound genug fetzt, so, dass ich mich in meiner Phantasie verlieren kann, in meinem ehemaligen Traumberuf als Regisseur die perfekte Weihnachtskomödie (ja, besser als »Tatsächlich Liebe«) gedreht zu haben und dazu grad die Intro-Montage zu genau diesem Lied fertiggeschnitten zu haben, dann … tja, dann kann man von Kopfhörern eigentlich nicht mehr erwarten. 😄 Also ich nicht. Und das erfüllen die Mometum 4 auf jeden Fall.

Aber abgesehen von diesem »Vibe« vielleicht auch etwas ernster: Man merkt es schon beim Einschalten, dass allein der Signalton einen extrem tiefen Bass liefert. Im Prinzip bestätigen sich meine Ersteindrücke: Die Momentum 4 wirken wie die Momentum 3 mit aktiviertem »High Definition Sound Tuning«-Profil, evtl. sogar noch eine Spurz besser (auch, was Dynamik angeht), und ohne dabei Bass einzubüßen.

Das ist interessant, weil man manchmal liest, dass es keinen großen Unterschied zwischen 3ern und 4ern gäbe. Auch wenn mein Test der Momentum 3 schon Monate her ist und mir der direkte Vergleich fehlt, kommt mir der Unterschied aber schon recht groß vor.

Ein paar Praxisbeispiele: Beim Track »Themyscira« aus dem »Wonder Woman 84«-Soundtrack ist da noch immer dieser Bass, aber die Details und Höhen kommen viel besser rüber. In John Williams »Patriot Suite« sind die Querflöten ab 00:28 so schön kraftvoll, wie es mir vorher noch nie aufgefallen ist. Die Dynamik ist super und kommt z.B. bei Lorne Balfes Track »Fight Club« aus dem »Assasins Creed«-Soundtrack von Sekunde 55 auf Sekunde 56 toll rüber. Das Drum-Solo klingt bei AC/DCs »Shoot to Thrill« zudem fast gleich gut wie mit den Shure Aonic 50.

Apropos: Von den Shure Aonic 50 war ich zwar was Klang betrifft ziemlich begeistert, die Soundsignatur mit den Höhen kann aber gerde zum Nebenbeihören im Büro schon sehr anstrengend sein (und ich meine auch, dass die Momentum 4 weniger Klang nach außen lassen). Mit dem Momentum 4 hat man das Problem nicht, diese Soundsignatur »fetzt« und ist für alle Situationen geeignet.

Betrieb mit Kabel

Sennheiser liefert bei den Momentum 4 auch ein 3,5-auf-2,5-mm-Audio-Kabel mit. Auf die mühsame und auch nicht gleich ganz durchschaubare Lösung beim Vorgänger mit der Einbuchtung wurde zum Glück verzichtet. Mit Kabel spielen die Momentum 4 gleich laut wie mit Bluetooth. Ist aber positiv gemeint und so zu verstehen, dass sie bereits mit Bluetooth sehr laut werden. Mit Kabel wird in iOS die Lautstärken-Kontrolle übrigens nicht 1:1 gemappt, die Lautstärke auf den Kopfhörern ist eine eigene (Maximalvolume wir erst erreicht, wenn man sowohl am iPhone als auch am Kopfhörer alles voll aufdreht). Die Touchcontrols funktionieren übrigens auch mit Kabel weiterhin. USB-C-Audio unterstützen die Momentum 4 übrigens auch und können so auch gleichzeitig geladen werden.

Preis/Leistung

Zum Preis muss man nicht viel sagen, interessant finde ich aber, dass die Momentum 3 im Vergleich zu diesem großartigen Upgrade aktuell viel billiger sein müssten, es aber nicht sind. Zum Zeitpunkt des Tests sind diese auf Geizhals nämlich um 250 Euro gelistet, die Momentum 4 um 280 Euro – die Entscheidung fällt also leicht.

Fazit

Müsste ich mich aktuell für ein Paar (Over-Ear-)Kopfhörer entscheiden, wären die Momentum 4 in der engeren Auswahl. Würde mir der Vergleich mit den Sony WH-1000XM5 nicht fehlen, würde mich mich sogar zur Aussage »erste Wahl« hinreissen lassen. Die Sonys sind aber nochmal spürbar leichter und ich gehe davon aus, dass die App und das Verbindungsmanagement besser funktionieren (wenn ich dafür die App meiner WF-1000XM4 heranziehe). Nichtsdestotrotz überzeugen die Momentum 4 mit sehr hohem Tragekomfort, einer Top-Soundqualität, der Sennheiser-typischen Soundsignatur und einer Rekord-Akkulaufzeit von 60 Stunden.

★★★★½

Hinweis: Das Testgerät wurde mir freundlicherweise als Leihgabe von Sennheiser bzw. der Agentur Markenstern zur Verfügung gestellt. Dieser Test wurde – wie immer – weder gegen Bezahlung oder sonstige Gegengeschäfte erstellt, noch unterliegt dieser Bedingungen, Beschränkungen oder einer Vorabgenehmigung seitens des Herstellers oder Dritter. Mehr zur Unabhängigkeit und nicht-kommerziellen Ausrichtung von benedikt.io gibt’s unter Über.


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