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Test: Bragi »The Headphone« – Wie gut ist die abgespeckte Version von »The Dash«?

4.5 / 5Sterne·30.6.2017·Kommentare:  9 · ~ 4 min

Als Bragi Anfang 2016 die komplett kabellosen Bluetooth-Ohrhörer »The Dash« auf den Markt brachte, kristallisierten sich schnell zwei große Nachteile heraus: mit 300 Euro waren »The Dash« (trotz entsprechender Funktionsvielfalt) sehr teuer und durch die vielfach kritisierte Bluetooth-Verbindung zum Smartphone in vielen Standardsituation nicht benutzbar.

Lies auch meinen Test der »The Dash« (★★★½☆).

»The Headphone« löst beide Probleme, verzichtet dabei aber auf den Großteil der Funktionen des großen Bruders:

… sind »The Headphone« somit im Prinzip »nur« kabellose Bluetooth-Ohrhörer. In der Hinsicht sind sie dafür ziemlich gut, bieten echte Knöpfe, ein Mikrofon sowie »Audio Transparency« – und liegen preislich sogar unter den Apple »AirPods«.

Auf einen Blick

  • + Komplett kabellos
  • + Comply-Foam-Pfropfen
  • + 6 Stunden Spielzeit
  • + Guter Klang
  • + Latenz für Video geeignet
  • + Buttons
  • - Aufbewahrungsbox ohne Akku
  • - Aufbewahrungsbox zweiteilig
  • - Kein automatisches Ein/Aus

Mit Pfropfen von Comply Foam, aber ohne Ladeschalen-Akku

Die Verpackung von »The Headphone« ist wesentlich schlichter als jene von »The Dash«, enthält aber alles, was man braucht:

Die gute Nachricht: Bragi legt nun Schaumstoff-Pfropfen von Comply Foam bei, etwas, das es bei »The Dash« nicht gab, die Benutzererfahrung bezüglich Sitz und Klang aber wesentlich verbessert.

Die schlechte: Die Aufbewahrungsbox hat keinen integrierten Akku, »The Headphone« wird nur geladen, wenn die Box direkt via USB am Strom hängt. Da »The Headphone« mit rekordverdächtigen 6 Stunden Spielzeit aufwartet, ist das für die meisten Anwendungsszenarien aber weniger ein Problem und Powerbanks hat mittlerweile jeder daheim. Die Ladeschale ist übrigens wie bei »The Dash« zweiteilig (was Nachteile hat), dafür etwas kleiner und leichter, weil ganz aus Kunststoff. Wirklich hosentaschentauglich ist sie damit vielleicht nicht, aber gegenüber »The Dash« ist die reduzierte Größe schon eine Verbesserung (aber eben ohne Akku).

Umfangreiche Steuerung mit nur 3 Buttons

Im Gegensatz zu den minimalistischen »M-1« von Earin haben »The Headphone« nicht nur ein Mikrofon und die von »The Dash« bekannte »Audio Transparency«-Funktion, sondern auch 3 Buttons am rechten »The Headphone«. Und damit lässt sich sogar der komplette Funktionsumfang nutzen:

Das ist begrüßenswert, allerdings sind die Knöpfe relativ schwergängig und lassen sich nur mit festem Druck bedienen (im Ohr doppelt blöd). Trotzdem würde ich behaupten, dass selbst solche Buttons besser sind, als gar keine. Sie funktionieren zweckmäßig, man gewöhnt sich daran und manche User behaupten, die Schwergängigkeit würde sich nach längerer Nutzungsdauer reduzieren.

Dazu zwei Tipps: Die Bedienung fällt wesentlich leichter, wenn man nicht direkt auf die Buttons drückt, sondern den Druck leicht schräg nach oben ausübt. Zweite Variante: Man hebt mit der rechten Daumenspitze den rechten »The Headphone« leicht an und drückt gleichzeitig mit dem Zeigefinger. Dadurch wird der Druck nicht auf den Gehörgang ausgeübt, sondern verteilt sich auf die Ohrmuschel.

Apropos Buttons: Eine kleine nervige Eigenschaft von »The Headphone« ist, dass sich diese nicht automatisch ein- und ausschalten, man muss immer aktiv den Ein/Aus-Button am rechten »The Headphone« für einige Sekunden drücken. Wer das aufgrund anderer Lösungen nicht gewohnt ist, vergisst das beim Verstauen in der Box sicher oft.

Audio Transparency

Es ist begrüßenswert, dass Bragi selbst beim günstigeren »The Headphone« das »Audio Transparency«-Feature inkludiert hat. Dieses überträgt Geräusche über das Mikrofon ins Ohr und das kann z.B. an der Supermarkt-Kassa hilfreich sein. Im direkten Vergleich mit »The Dash« wirkt das Mikrofon etwas weniger sensibel. Man merkt definitiv, wenn bei »The Headphone« »Audio Transparency« aktiv ist, aber es scheint eine Spur subtiler implementiert zu sein. Funktionieren tut es jedenfalls auch bei »The Headphone« gut.

Stabile Verbindung, guter Klang & Sitz

Die Verbindung zum Smartphone ist stabil, vielleicht nicht ganz so wie bei den »M-1« von Earin, aber gut genug. Die Verbindung zwischen den Hörern ist wie bei »The Dash« so gut wie perfekt.

Und wie klingen »The Headphone«? Ziemlich gut – sie sind bassbetonter als die »M-1«, welche dafür wieder bei den Höhen klarer klingen. Am Klang gibt es jedenfalls nichts zu meckern. Dank mitgelieferter Pfropfen von Comply Foam sitzen »The Heaphone« zudem sehr bequem und sich im Ohr.

Gut beim Telefonieren, super für Videos

Obwohl »The Headphone« nicht mit dem überbordenden Funktionsumfang der teureren »The Dash« aufwarten kann, sind doch alle wichtigen Ohrhörer-Features vertreten. Beim Telefonieren versteht einen der Gesprächspartner gut (wenn auch natürlich der klassische Effekt einer Freisprecheinrichtung wahrgenommen wird), über die Hörer selbst klingt dieser exzellent. Ebenfalls gut geeignet sind »The Headphone« für Videos, da diese, im Gegensatz zu Earins »M-1«, den Ton latenzfrei (also ohne Verzögerung) wiedergeben können – z.B. lassen sich »The Headphone« so auch wunderbar mit Apple TV verwenden.

Funktioniert nicht als Headset mit PS4

Da »The Headphone« (und »The Dash«) problemlos mit Videos zusammenspielen, lag für mich die Nutzung als Gaming-Headset nahe. Leider funktionieren weder »The Headphone«, noch »The Dash« mit der PS4. Allerdings dürfte das nicht an Bragi liegen, sondern an Sony, wenn man diesem Tweet Glauben schenkt.

Fazit

»The Headphone« sind vielleicht nicht billig, preislich im »True Wireless«-Segment aber dennoch am unteren Ende angesiedelt. Und mit 169 Euro kann man beim gebotenen Gegenwert nicht viel falsch machen: Guter Klang und lange Spielzeit, gepaart mit einer guten Verbindung zwischen den Hörern sowie zum Smartphone machen »The Headphone« zu einer guten Entscheidung für alle, die mit einer zuverlässigen Lösung in den »True Wireless«-Bereich einsteigen wollen.

★★★★½


Neueste Tests

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Bragi The Headphone

9 Kommentare

#1 von Paavo am 4.3.2018, 22:52 Uhr

Sehr guter Bericht. Danke.
Ich habe zwei Paar gekauft (Medie Markt). Bei beiden funktioniert die linke Seite nicht. Hab viele Foren Hinweise ohne Erfolg ausprobiert.
Mir fehlen Angaben zu der für mich viel zu geringen Lautstärke (Samsung 8s, Ipad Mini4 und Ipad Air). Ich brauche viel lautere In Ear, Kabellos. Nur welche?¨
Die Passform ist allerdings super beim Bragi Headphone.

#2 von Benedikt am 5.3.2018, 19:34 Uhr

Hi Paavo, vielen Dank – freut mich, wenn dir der Test gefällt!

Das Problem, dass der linke Hörer nicht funktioniert, hatte ich auch einmal bei einem »The Headphone«, den ich als Geschenk gekauft habe. Der Bragi-Support hat mir in dem Fall zuerst geraten, den Akku komplett zu entleeren (also einfach einen Song laufen lassen, bis sich »The Headphone« ausschaltet). In meinem Fall hat das aber nichts gebracht, Bragi hat das Modell dann anstandslos gegen ein neues ausgetauscht. Falls die Akku-Entladung nichts bringt, am besten Bragi direkt kontaktieren.

Bezüglich Lautstärke: Ich hatte selber schon einige Bluetooth-Ohrhörer, wo mir selbst die maximale Lautstärke zu leise war, allerdings kann ich das weder bei »The Dash (Pro)«, noch bei »The Headphone« bestätigen – hier finde ich die maximale Lautstärke eigentlich ziemlich gut (aber das ist natürlich subjektiv). Hast du sowohl am Smartphone auf maximale Lautstärke gestellt als auch auf »The Headphone« so oft wie möglich auf den Plus-Button gedrückt?

Eine Spur lauter sind vielleicht die Earin »M-1«, vor allem mit Windows 10 Mobile, weil hier die Earin-App die Erhöhung des Basis-Gains erlaubt. Damit sind die »M-1« auch etwas lauter als bei iOS-Geräten. In der iOS-App gibt es diese Einstellung nicht, aber in der Android-App schon. Allerdings soll dieses Jahr der Nachfolger »M-2« erscheinen, da würde ich also abwarten.

#3 von Paavo am 6.3.2018, 9:17 Uhr

Vielen Dank für Infos. Laut Rückmeldung meiner Reklamationsemail von Bragi soll ich ein Reset machen (ohne Erfolg), und Detailfotos vom den Bronzefarbenen Kontakten und dem „Grill“ machen und Bragi zusenden. Zwischenzeitlich habe ich in diversen Foren gelesen, dass Bragi zwar eine differenzierte Wiedergabe hat aber im Dynamikbereich nicht die Stärksten sind. Heute Abend gebe ich meine 2 Paar zurück und versuche JBL oder Sony oder Muse 5. Da ich unbedingt true Wireless suche bin ich für jeden Tipp dankbar. Ich brauche das Telefon auf beiden Seiten und höre akustische Musik (Jazz, Klassik) und Frank Zappa.

#4 von Benedikt am 7.3.2018, 8:58 Uhr

Was die Dynamik und Klangqualität im Allgemeinen angeht, finde ich die »M-1« auch besser und setze diesbezüglich große Hoffnungen in die »M-2«. Deren Veröffentlichung zieht sich durch den Verkauf von Earin an »i.am+« aber leider weiter in die Länge.

Wenn man explizit »True Wireless«-Ohrhörer mit der besten Soundqualität sucht, scheinen die Sony »WF-1000X« und Bose »SoundSport Free« einen Blick wert zu sein. Beide bieten beim Telefonieren aber anscheinend nur die Möglichkeit, den rechten Hörer zu verwenden.

Die »WF-1000X« haben zudem die in dem Segment noch üblichen Kinderkrankheiten bezüglich Aussetzern und die »SoundSport Free« dürften trotz exzellenten Klangs Probleme in lauten Umgebungen haben.

Wie immer du dich entscheidest, würde mich über Feedback freuen!

#5 von Paavo am 7.3.2018, 10:14 Uhr

Gestern hat mir der Media—Markt Verkäufer die Defizite der Bragis bestätigt und anstandslos zurückgenommen.
Ich habe Bose gekauft weil das Einohrtelefonieren mittels Update irgendwann zu beidseitigem hören beim Telefonieren geändert werden soll.
Die Sprachqualität ist sehr gut, der Angerufene hört den Bose—Benutzer sehr gut.
Das Pairing funktioniert wie von selber und ist mit einem Tastendruck erledigt und stabil.
Die Klangqualität ist phantastisch, differenziert, ausgewogen und bei allen Dynamiken voluminös.
Die maximale Lautstärke ist SEHR laut.
Die Lautstärke bei Bose um 30% aufgedreht ist so laut wie die maximale Lautstärke bei Bragi.
Passform im Ohr ist angenehm und absolut sicher auch bei headbangendem Buckelpistenskifahren.
Die zum benutzen nicht unbedingt notwendige Bose Connect App hilft das sehr genaue orten verlegter oder verlorener Ear—Buds.
Ich habe sehr einfach unkompliziert die neuste firmware installiert.
Genial; Beim öffnen derAufbewahrungs—Case wird der Ladezustand angezeigt. Beim Einsetzten der Buds im Ohr ertönt eine Stimme und informiert in der gewünschten Sprache über den Ladezustand und mit welchem Gerät sich die Kopfhörer erfolgreich verbunden haben.
Ich bin sehr zufrieden mit Bose.

#6 von Paavo am 7.3.2018, 11:49 Uhr

Ich vergass zu berichten, dass ich mit dem Benutzen der neuesten Firmware KEINE Verzögerung bei YouTube Oder anderen Videos feststellen konnte.

#7 von Benedikt am 8.3.2018, 8:38 Uhr

Vielen Dank für dein ausführliches Feedback, Paavo!

Ich hätte noch eine Frage: Wie findest du die Ohreinsätze im Vergleich zu denen von Comply Foam bei »The Headphone«? Die der »SoundSport« erinnern mich ein wenig an die der originalen »The Dash« und die fand ich bezüglich Dichtheit eher suboptimal.

#8 von Paavo am 8.3.2018, 8:52 Uhr

sehr schwierig zu beantworten da beide auf ihre Weise sehr gut sind.
The Headphone schliessen besser ab was notwendig ist überhaupt einen Hauch von sattem Tieftonbereich mitzubekommen. Die Klangtransparenzt ist ja bei The Headphone schon gut aber viel zu leise.
Bose klingt luftiger und leichter, satt und transparent. Das Luftige und das Volumen braucht Platz. Und so ist das Gefühl bei Bose, dass die Buds etwas weicher den Ohr-/Hörkanal abschliessen/ausfüllen und weicher sitzen.
Bei sitzen absolut sicher. Ein Hauch sicherer hat man das Gefühl bei den Bose Buds da diese »eingedreht« werden. Der sehr weiche und kleine im Ohr verschwindende Silikonbügel der macht Sinn und vermittelt absolute Sitzsicherheit (headbandendes Buckelpistskifahren ist also möglich). Das direkte »im Ohr Hörgefühl« geht durch den »luftigeren« Sitz der Bose-Buds nicht verloren sondern dient eher vorteilhaft dem Klang die Möglichkeit sich zu entfalten was mir gefällt da ich eigentlich kein Kopfhörer oder Satelitenboxenfan bin sondern auf grossvolumige Lautsprecher stehe. Der einzige Nachteil bei den Bose ist für mich NUR, dass sie weiter aus dem Ohr herausschauen. Einen Helm kann man trotzdem tragen. Also ich finde definitiv nicht »suboptimal« sondern dem besseren Klangvolumen dienlich.

#9 von Benedikt am 9.3.2018, 8:48 Uhr

Vielen Dank nochmal für die Info – klingt echt toll – und freut mich, dass du mit den »SoundSport Free« nun eine passende Lösung gefunden hast!

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