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Bowers & Wilkins PI7 S2 vs. Sennheiser Mo­men­tum True Wireless 3

11.3.2023·Kommentare:  4Retweets:  0 0

Als ich 2021 die ersten Bowers & Wilkins PI7 getestet habe, waren sie mit rund 400 Euro UVP mit die teuersten True-Wireless-Ohrhörer am Markt. 2023 erschien mit den Bowers & Wilkins PI7 S2 eine Neuauflage. Wie gut sich diese im Vergleich mit den Sennheiser Momentum True Wireless 3 (Test) schlägt, darum geht es in diesem Vergleich.

Verpackung der Bowers & Wilkins PI7 (2021) und die Verpackung der Sennheiser Momentum True Wireless 3 vor blauem Hintergrund.
Eine UVP von 399 Euro gegen eine von 249 Euro – ist das überhaupt fair?

Gleich vorweg, mir standen die Bowers & Wilkins PI7 S2 nicht als Testmodell zur Verfügung und beziehe mich auf meine Testerfahrung mit dem Modell 2021, ergänze bzw. belege meine Schlussfolgerungen aber mit Links zu anderen Tests der PI7 S2.

Case: Bowers & Wilkins (B&W 1 : 0 Sennheiser)

Hier wollte ich zuerst ein Unentschieden vergeben. Beide sind okay, das Oberflächen-Material der PI7 etwas praktischer als Sennheisers Stoffbezug. Dafür ist der Deckel der PI7 (zumindest war er das 2021) echt klapprig. Das Case der PI7 hat allerdings auch bei den S2 ein Alleinstellungsmerkmal: Es kann nämlich als Bluetooth-Sender fungieren. Im Lieferumfang ist ein 3,5-mm-auf-USB-C-Kabel enthalten. Sobald man dieses mit einer Analogquelle verbindet, verbinden sie die PI7 S2 bei Entnahme automatisch mit dem Case und geben das Tonsignal der Analogquelle wieder. Vielleicht ein Nischenfeature, aber praktisch und somit ein eindeutiger Sieg für Bowers & Wilkins (den die PI7 S2, wie ihr gleich sehen werdet, auch bitter nötig haben).

Ohrstöpsel: Unentschieden (B&W 1 : 0 Sennheiser)

Sowohl Bowers & Wilkins als auch Sennheiser liefern Silikonaufsätze mit. Sennheiser sogar in 4 Größen, zusätzlich gibt’s hier auch 3 Paar Ohrfinnen. Ich will bei bei dem Punkt aber nicht kleinlich sein, denn unterm Strich nehmen sich hier die beiden Modelle nichts. Beide sind übrigens, was viel wichtiger ist, mit Aufsätzen von Comply Foam kompatibel.

Größe/Komfort: Unentschieden (B&W 1 : 0 Sennheiser)

Die originalen Bowers & Wilkins PI7 (2021) und die S2 (2023) sind exakt gleich groß. An der Größe hatte ich schon bei einem Test damals nichts auszusetzen. Im Gegenteil, ich war von der Kompaktheit eher überrascht, weil das auf Produktfotos anders rüberkam. Ich empfinde die Sennheiser Momentum True Wireless 3 und die PI7 S2 als gleich bequem.

App: Sennheiser (B&W 1 : 1 Sennheiser)

Je mehr ich Sennheisers App verwende, desto mehr fällt mir auf, wie buggy diese leider ist. Nichtsdestotrotz bietet sie Features, die Bowers & Wilkins nach wie vor nicht hat. So fehlt z.B. ein Equalizer, wie der Test auf stereoguide.de bestätigt:

Allerdings fehlen auch durchaus sinnvolle Funktionen wie ein Equalizer […]

Mikrofon: Sennheiser (B&W 1 : 2 Sennheiser)

Meine Aufnahme-Tests der PI7 von 2021 mit den Momentum True Wireless 3 von 2022 sprechen eindeutig für Sennheiser. Ob Bowers & Wilkins das Mikrofon bei den S2 verbessert hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen und aktualisiere diesen Abschnitt gegebenfalls. Vorläufig Punkt für Sennheiser.

Update: bei rtings.com spricht man von durchschnittlicher Mikrofon-Qualität, eventuelle Verbesserungen dürften sich also in Grenzen halten:

Overall, their integrated mic offers a mediocre overall performance.

Akku: Sennheiser (B&W 1 : 3 Sennheiser)

2021 boten die PI7 mit ANC magere 4 Stunden (plus 4 weitere Ladungen aus Case), die S2 von 2023 immerhin 5 (plus ebenfalls 16 Stunden aus dem Case). Die Sennheiser Momentum True Wireless 3 schaffen mit ANC 6½ Stunden (plus 21 Stunden aus dem Case).

ANC: Unentschieden (B&W 1 : 3 Sennheiser)

Da bin ich vorsichtig, das ANC hatte 2021 bei den PI7 wahrnehmbares Grundrauschen. In wie weit die S2 2023 verbessert wurden kann ich nicht sagen. Der Test auf kopfhoerer.de meint:

Im Vergleich zum Vorgänger hat das Noise Cancelling meiner Erinnerung nach keine Veränderung erfahren […]

Bzgl. Effektivität meint der Test auf Audio46, dass beide gleich gut wären:

The ANC (Active Noise Cancellation) on both, the Pi7 S2 and Momentum 3 is about equal in effectiveness […]

Ich belasse es bei einem Unentschieden.

Touch: Unentschieden (B&W 1 : 3 Sennheiser)

Hier könnte ich mich bei den PI7 an keine negativen Eigenheiten erinnern, da sollte es keine allzu großen Unterschiede geben.

Bluetooth: Sennheiser (B&W 1 : 4 Sennheiser)

400 Euro UVP und kein Multipoint. Noch Fragen? Dass die PI7 zusätzlich zu den MTW3 aptX HD an Bord haben spielt in Anbetracht der Tatsache, dass beide aptX Adaptive unterstützen wohl auch keine Rolle.

Klang: Sennheiser (B&W 1 : 5 Sennheiser)

Okay, okay, okay. Ich versteh’ schon – da scheiden sich vermutlich die Geister. Beim Duell Sony WF-1000XM4 gegen Sennheiser Momentum True Wireless 3 entschied ich mich für ein ein Unentschieden, obwohl die beiden Modelle zwar unterschiedlich, aber in meinen Ohren trotzdem gleich gut klingen. Was mich, wie in meinem Test damals erwähnt, an den PI7 stört, ist die extreme V-Signatur, die zwar mit extremem Bass aufwarten kann, teilweise aber ganze Tonspuren mit Musikinstrumenten zu verschlucken scheint. Es gibt Tracks (z.B. aus dem Bereich der Klassik wie den »End Titles« des »Midway«-Soundtracks), wo die PI7 brillieren, aber allgemein würde ich den Momentum True Wireless 3 den Vorzug geben. Vielleicht sind die S2 hier besser? Nicht, wenn es nach dem Test auf kopfhoerer.de geht:

[…] hat sich in Sachen Sound also gar nicht viel getan […] gut so, denn mit glatten 5 Sternen gab es vor zwei Jahren von uns eine Höchstnote […]

Wie ihr seht, ist man bzgl. Soundqualität dort auch gänzlich anderer Meinung. Wie gesagt, hier scheiden sich die Geister.

Update: Bei Engadget ist man bzgl. Klang eher meiner Meinung:

I wouldn’t put these earbuds ahead of Sennheiser’s premium true wireless option, but Bowers & Wilkins isn’t far off.

Außer Konkurrenz: Look, Treiber, IP-Rating

Man könnte über den Look diskutieren, immerhin gehört das grässliche Ocker-Gold-Design der PI7 (Piratenlook!) mit den S2 der Vergangenheit an. Bowers & Wilkins bietet nun ein ganz cooles Blau, sowie klassische Varianten in Schwarz und Weiß, jeweils mit Silber-Akzenten. Mir persönlich gefallen die Sennheiser Momentum True Wireless bzgl. Form und Farbe (insbesondere Graphit) trotzdem viel besser, der Aspekt läuft aber so oder so außer Konkurrenz.

Auch, dass die PI7 S2 zwei Treiber, einen 9,2 mm großen für den Tieftonbereich und einen Balanced-Armature-Driver für die Höhen, haben und die Sennheiser »nur« einen mit 7 mm Durchmesser, ist zwar technisch interessant. Das bedeutet aber nicht zwangsweise, dass damit auch der Klang der PI7 S2 besser ist. Siehe dazu auch meinen letzten Teil des Tests der PI7, in dem ich auf die Klangqualität genauer eingegangen bin.

Beim am Papier höheren IP-Rating der PI7 S2 sollte man zudem die Kirche im Dorf lassen. Bei der entscheidenden zweiten Zwiffer, dem Wasserschutz, bieten beide ein Rating von 4 (»Schutz gegen allseitiges Spritzwasser«). Die erste Ziffer gibt den Staubschutz an. Hier sind die PI7 S2 mit Stufe 5 zwar »gegen Staub in schädigender Menge« geschützt und die Sennheiser mit »X« nicht zertifiziert, meiner Ohrhörer-Erfahrung nach ist das aber zu vernachlässigen.

Specs im Überblick

Spec B&W PI7 S2 Sennheiser MTW3
IP-Zertifizierung IP54 [?] IPX4 [?]
Case (Leergewicht) 48 g (Quelle; 2021: 61 g) 66 g
Case (H×B×T) 60 × 57 × 28 mm (2021, Quelle) 35 × 70 × 45 mm (Quelle)
Akku (Ohrhörer) 5 (mit ANC) 6½ / 7 (mit / ohne ANC)
Akku (Case) + 16 Stunden + 21 Stunden
Aufsätze (Stöpsel) 3 Paar aus Silikon 4 Paar aus Silikon + 3 Paar Ohrfinnen
Gewicht pro Hörer 7 g 5,8 g
Treiber 9,2 mm (+ BAD für Höhen) 7 mm
Codecs SBC, AAC, aptX, aptX HD, aptX Adaptive SBC, AAC, aptX, aptX Adaptive
Multipoint Nein Ja
Equalizer Nein Ja (3 Bänder)
Änderbare Buttons Nein (Quelle) Ja

Fazit: Einfach Sennheiser nehmen?

Im Gegensatz zum Duell mit den Sony WF-1000XM4 ist meine Empfehlung hier eindeutig: Die Sennheiser Momentum True Wireless 3 sind bis vielleicht aufs Case (wenn man das Transmit-Feature braucht) in allen Belangen besser. Beim Klang kann man streiten, nicht jedoch bei der UVP: Für 400 Euro gibt’s bei Bowers & Wilkins Akkulaufzeiten hart an der Grenze, durchschnittliches ANC und weder einen Equalizer (die Skullcandy Mod (Test) um 60 Euro haben das sogar!) noch, und das wiegt viel schlimmer, Multipoint. So darf 2023 die Spec-Liste für ein 400-Euro-Modell einfach nicht aussehen. Klar ist aber auch, dass wenn ihr die Bowers & Wilkins PI7 S2 probehören könnt und euch der Sound einfach total taugt, diese negativen Punkte natürlich irrelevant sind.

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Eure Meinung

Was meint ihr? Hättet ihr gern mal richtig teure TWS-In-Ears ausprobiert? Oder habt ihr die PI7 oder gar PI7 S2 und seid meiner oder anderer Meinung? Auf euer Feedback freue ich mich wie immer in den Kommentaren!


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4 Kommentare

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#1 von Holger am 12.3.2023, 8:16 Uhr

Da kann man mal sehen wie ernst man diese Tests nehmen kann!
Da werden In-Ears von Sennheiser verglichen mit In-Ears, die man gar nicht hat. Ich kenne die B&W In-Ears nicht, deshalb werde ich mich dazu auch nicht äußern.
Aber dieser Test ist die Tinte nicht wert, die der »Tester« beim Schreiben des Testberichts nicht verbraucht hat!!!

#2 von Benedikt am 12.3.2023, 9:43 Uhr

Hi Holger, danke für dein ehrliches Feedback! Ich kann den Ansatz deiner Kritik zwar nachvollziehen, weswegen ich den entscheidenden Hinweis ja gleich einleitend erwähnt habe.

Ich bin aber dennoch der Überzeugung, dass mein Vergleich (und nicht, wie du schreibst, Test) für Interessenten hilfreich ist und einen Mehrwert darstellt. Zudem handelt es sich hier auch nicht um eine komplette Neuentwicklung wie z.B. PI8 o.Ä., weswegen man sich hier durchaus auf die erste Revision von 2021 beziehen kann (und ich bei entscheidenden Punkten auf andere Tests verweise).

Um ehrlich zu sein, würde ich es sogar legitim finden, würde jemand einen Vergleich wie diesen anstellen, der gar keines der erwähnten Modelle besitzt. So lange dies erwähnt wird und man sich abseits der Spezifikation z.B. beim Thema Klang auf externe Quellen beruft (und diese verlinkt).

#3 von Danny am 3.4.2023, 8:02 Uhr

Ich bin auch der Meinung, dass dieser Vergleich keinen Sinn macht. Youtube bietet mehrere echte Alternativen.
Aber heute geht es ja oft auch nicht mehr darum, dem Leser einen Mehrwert zu bieten, nein, es geht darum dem Autor und dem Verlag Klicks bzw. Werbeeinnahmen zu bescheren – Geld, es geht um Geld…

#4 von Benedikt am 3.4.2023, 9:17 Uhr

Danke für dein offenes Feedback, Danny!

Der Mehrwert ist aus meiner Sicht gegeben, weil ich in den entscheidenden Bereichen auf andere Vergleiche verweise und aggregierte Reviews auch ohne Testmodell selbst auf professionell betriebenen Portalen gang und gäbe sind. Wichtig ist halt in dem Fall die Transparenz diesbezüglich und den Hinweis dazu gibt es gleich in der Einleitung.

Bzgl. YouTube: Ich finde dort aktuell keine Vergleiche zwischen den Bowers & Wilkins PI7 S2 und den Sennheiser Momentum True Wireless 3 – eventuell ist das auch der Grund, warum du hier gelandet bist? Freut mich ja auch 🙂, aber mich wundert die Einstellung, man könne oder dürfe keine Vergleiche ziehen, nur weil man das Gerät nicht besitzt (entsprechender Disclaimer, wie gesagt, vorausgesetzt). Sich eine Meinung aufgrund verfügbarer Information zu bilden und zu veröffentlichen ist ja einer der grundlegenden Wesenszüge des Bloggens.

Dein Verlagsvergleich ehrt mich zwar, allerdings betreibe ich diesen Blog allein in meiner Freizeit – und gänzlich ohne Werbung (Update: Von – auch stets als solche gekennzeichneten – Affiliate-Links in ausgewählten Artikeln abgesehen. Hätte ich nicht als Werbung interpretiert, wird aber im Allgemeinen wohl als solche aufgefasst). 😉

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