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Austrian Audio Hi-X25BT im Test: Analytischer Sound & günstig? Ein schwieriger Fall.

3.5 / 5 Sterne·26.12.2022·Kommentare:  0Retweets:  0 0

Vor einem Jahr hab ich mir einen Ruck gegeben und mir meine ersten Over-Ear-Kopfhörer unter den Christbaum gelegt. Vom Klang war ich zunächst aber ein bisschen enttäuscht, was man auch in meinen ersten Eindrücken lesen konnte. Ein Jahr später ist es (höchste) Zeit für einen Test der Austrian Audio Hi-X25BT und so viel sei verraten: Ich stehe den Kopfhörern aus Wien Liesing etwas versöhnlicher gegenüber und es gibt ein paar Punkte, die mir wirklich gut gefallen.

Die Verpackung der Austrian Audio Hi-X25BT auf einem Tisch liegend.
Die Austrian Audio Hi-X25BT wurden teurer, die UVP stieg von 149 auf 179 Euro.

Warum die Austrian Audio Hi-X25BT?

»Also gut«, habe ich mir mir letztes Jahr gedacht, »zu Weihnachten wage ich den Schritt zu Over-Ear-Kopfhörern«: Bereits vor zwei Jahren kurz überlegt, als sich Michael die AKG 702 zugelegt hat, letztes Jahr fast schon die Sony WH-1000XM4 geordert, da sie um relative günstige 240 Euro bei Amazon im Angebot waren. Allerdings nicht lang genug, nach ein paar Tagen im Warenkorb war das Modell nicht mehr lieferbar und so bin ich auf ein Modell ausgewichen, dass mich trotz meiner anfänglichen Sony-Wahl doch interessiert hatte: Die Austrian Audio Hi-X25BT, Austrian Audios erste Bluetooth-Kopfhörer in seiner noch jungen Firmengeschichte seit der »AKG-Reinkarnation« 2017.

Obwohl 2021 erschienen, sind die Hi-X25BT nach wie vor Bestandteil des aktuellen Line-ups von Austrian Audio – aus Produktsicht ist dieser Test also nach wie vor aktuell.

Auf einen Blick

  • + Solider Klang
  • + Leicht & bequem
  • + Einklappbar
  • + Spannender Look
  • + Aus Österreich!
  • – Gewöhnungsbedürftiger Klang
  • – Hoher Straßenpreis für Leistung
  • – Spartanisches Bluetooth
  • – Mic & Kabel mit (leisem) Surren

Ein schwieriger Start

Ich hatte schon befürchtet, dass der Test der Hi-X25BT schwierig wird. Denn es gibt viele Reviews, die den Kopfhörern aus analytischer Sicht ein gutes Zeugnis ausstellen. Und Kopfhörer aus Österreich? Ja, bitte (und vielleicht auch mal TWS? 😉)! Jedenfalls sprach mich der Sound, wie erwähnt, vor allem zu Beginn nicht besonders an. Dazu sei erwähnt, dass Musikhören zunächst mein Haupteinsatzgebiet für die Hi-X25BT war – und zwar zum Genuss und nicht zum Analysieren. Dann entdeckte ich aber, dass mir das Soundprofil bei Filmen und Serien im Lauf der Zeit immer besser gefiel (ist allerdings aus anderen Gründen nicht das ideale Einsatzgebiet für die Hi-X25BT, dazu später mehr). So gesehen bin ich möglicherweise einfach in der komplett falschen Zielgruppe für die Hi-X25BT.

Die Sache mit dem Klang

Bleiben wir gleich bei meinem Hauptproblem. Der Sound ist nämlich leider wie gesagt eher flach bzw. analytisch. Oder formulieren wir es anders – mir fehlt da der Punch. Oder versuchen wir es nochmal und positiver: Er ist eher heller abgestimmt.

Ich weiß schon, einerseits sollte man sich im Vorfeld bewusst für so ein Profil und eben ein entsprechendes Modell entscheiden. Andererseits wird der Kopfhörer wohl auch wegen der Preisklasse im 150-Euro-Bereich zum Musikhören für unterwegs beworben und da dürfte er schon ein bisschen mehr Spaß machen.

Darf analytischer (neutraler) Sound überhaupt Spaß machen? Daran scheiden sich schon bei den Shure SE535 die Geister. Die SE846 schaffen spielend beides, kosten aber über 700 Euro (UVP über 1000 Euro) – und selbst hier gibt es Stimmen, die Shures teuerestem Modell das Spaß-Attribut unterstellen, gar von einem »richtig« gemachten SE215er reden.

Nach ein bisschen Eingewöhnung mit entsprechend hoher Lautstärke kann ich aber mit den Hi-X25BT auch Musik hören und dabei Spaß haben. Damit meine ich nicht, »Hauptsache laut«, sondern es scheint mir tatsächlich so, als würde die ganze Klangsignatur der Hi-X25BT erst bei einer recht hohen Lautstärke (z.B. in Windows bei 90%) in Gang kommen.

Und nur, falls das jetzt falsch rüberkam, der Klang ist keineswegs schlecht (von »Klang« wie bei den Sony WH-CH710N sind wir hier zum Glück ganz weit entfernt). Man sollte aber wissen, worauf man sich einlässt: eher neutral, analytisch, beim Punch zurückhaltend.

Dann denke ich wieder an die Skullcandy Dime. Gleicher (minimalster) Codec-Support, vergleichbare neutrale Abstimmung, druckvollerer Bass – um 25 Euro direkt vom Hersteller … 🤔

Ich möchte an der Stelle auch auf einen anderen Blickwinkel verlinken, der den Hi-X25BT hier ein besseres Zeugnis ausstellt und zwar den Test auf miniklangwunder.de von einem gelernten Radiotechniker, der die Hi-X25BT sehr analytisch und auf technischer Ebene betrachtet. Da kann ich freilich nicht mithalten, aber, vor allem was Alltagsnutzung betrifft kann ich doch ein paar Dinge einbringen, die dort nicht erwähnt werden (siehe weiter unten).

Inbesondere die Beschreibung des Basses bei Filmen kann ich aber exakt so bestätigen – und gerade auch das »weniger für Musik«:

Der gesamte Tiefbassbereich, der weniger für Musik als in Filmen bei Explosionen oder sich z.B. bei such ankündigenden Erdbeeben eine Rolle spielt, ist massiv vertreten. Es macht einfach nur Spaß, mit den Kopfhörern Filme zu sehen.

Z.B. gibt es im Finale von »Hawkeye« tatsächlich eine Stelle, wo ich pausiert habe um zu schauen, ob im oberen Stockwerg nicht ein Regal umgefallen ist. Oder aber auch bei »Don’t look up« am Anfang, während die Astronomin singt und das Teleskop dabei extrem basslastig seine Position verändert.

Basslastig, aber kein Punch und neutraler Sound? Klingt wie ein Widerspruch, aber wie gesagt, ganz tiefer Bass ist extrem wuchtig da, bei Musik kommt es aber fast nie zu solchen Situationen, wo man das merkt.

Oder anders formuliert: Bei ganz tiefen Tönen geben die Hi-X25BT tatsächlich sehr viel Bass wieder. Ein Beispiel aus dem Musikbereich wäre vielleicht der Track Themyscira am »Wonder-Woman 84«-Soundtrack, da »wabert« der Bass gleich ab den ersten Sekunden sehr stark, beim Einsetzen aller Instrument fehlt aber gefühlt dann der Punch.

Ansprechender Klang bei Filmen & Serien

Apropos Filme: Witzigerweise taugt mir der Klang da eben sehr – obwohl die Hi-X25BT ja eher im Musikbereich gesehen und vermarktet werden. Auch, dass nur der Basis-Codec SBC unterstützt wird, zeugt davon. Weniger wegen der Klangqualität und Übertragungsrate, sondern wegen der potenziell höheren Latenz.

Videoschauen geht aber IMO. Ich meine zwar im direkten Vergleich mit den Aonic Free (die ich mir zeitgleich zugelegt hatte) eine höhere Latenz festgestellt zu haben. Ohne direkten Vergleich geht es aber, vor allem bei synchronisierten Inhalten.

Auch die bei meinen Ersteindrücken noch kritisierte »weite Aufteilung« der Stimmen über das ganze Stereospektrum finde ich mittlerweile eigentlich irgendwie gut. Extra nur für Filme kaufen würde ich jetzt aber nicht empfehlen.

Unterm Strich ein neutrales, aber auch irgendwie etwas zu kraftloses Profil. Muss man mögen.

Was mir gefällt

Doch kommen wir mal zu den Dingen, die sich in dem einen Jahr als sehr positiv herausgestellt haben. Was Look, Komfort und Mobilität angeht gehören die Hi-X25BT nämlich mit zu den besten Over-Ears, die ich je getestet habe. Heißt quantitativ zwar nicht viel, aber mit den Sennheiser Momentum 3, Momentum 4 und Shure Aonic 50 waren da zumindest ein paar würdige Konkurrenten dabei, würde ich sagen. Und siehe da: Es ist ja möglich, zusammenklappbare Over-Ears zu machen, die trotzdem bequem sind (die 25er sind die bequemsten aus dem Reigen) und trotzdem einklappbar sind – und beim Tragen nicht bzw. nur minimal knarzen (ähem, Momentums 4).

Cool finde ich auch den Look mit den roten Akzenten. Während bei Bose, Sony, Sennheiser und Co. vielleicht Shure noch am ehesten raussticht, tanzen die Hi-X25BT komplett aus der Reihe, sehen dabei aber wirklich gut aus.

Die Ohrpolster sind im Vergleich zu anderen Herstellern von der Kontaktfläche her eher dünn, aber sehr bequem und das Ohr hat auch komplett drinnen Platz. Tragekomfort ist aus meiner Sicht top.

Dazu tragen sicher auch die angenehm leichten 270 Gramm Gewicht bei – kein Rekordwert zwar (Sonys Flaggschiff WH-1000XM5 ist nochmal rund 20 Gramm leichter), Austrian Audio braucht sich hier aber nicht zu verstecken. Auch die Akkulaufzeit von 30 Stunden kann sich übrigens sehen lassen.

Neben den wichtigsten positiven und negativen Aspekten gibt es aber noch ein paar andere Dinge, die stören:

Bluetooth-Problem(chen) #1: Es leuchtet blau.

Wenn die berühmte Szene aus »Rambo III« bei Bluetooth-Gadgets zutrifft ist das in der Regel nicht gut und ich verstehe nicht, warum Hersteller das noch immer machen: Aktives Bluetooth, das blinkt und/oder vor sich hin leuchtet, während man das Gadget trägt. Wenn man es dunkel haben will nervt das nämlich einfach nur, wenn irgendwo noch eine Lichtquelle, so unauffällig sie bei Tageslicht auch sein mag, den Raum beleuchtet. Irgendein Sinn, warum das so ist, wäre mir noch nicht eingefallen. Für Außenstehende vielleicht? Aber bevor die das Lämpchen sehen, sehen sie eigentlich ohnehin den Kopfhörer …

(Echtes) Bluetooth-Problem 2: Specs, Verbindung

Die Bluetooth-Spezifikation der Hi-X25BT ist nicht sehr zeitgemäß, sagen wir es mal so. War sie auch nicht 2021, wo sie erschienen sind. Bluetooth 5.0 ist zwar okay, aber die Versionsnummer allein sagt nicht viel aus. So wird nur der Subband-Codec (SBC) unterstützt und sonst nichts. Dass Filmschauen damit geht, ist zwar gut, aber ganz kritische Seher werden die Latenz eventuell bemerken.

Die Verbindung an sich ist stabil – wenn sie einmal hergestellt ist. Gerade da fühlt man sich halt leider auch wieder um Jahre zurückversetzt: Multipoint ist bei dem Preis klarerweise nicht drin, aber auch schnelle Verbindungswechsel zu anderen Geräten sind nicht möglich. Weil sich die Hi-X25BT ganz klassisch beim Einschalten mit irgendeinem Gerät verbinden, nur nicht mit jenem, mit dem man sie verbinden möchte. Das klappt dann wieder nur, wenn man die Verbindung zum vorherigen Gerät entweder trennt oder aber die Hi-X25BT ausschaltet, und gleichzeitig am Quellgerät auf Verbinden drückt und sie einschaltet (meistens halt). 😩

Mikrofon eher (unter-)durchschnittlich

Viel telefoniert habe ich mit den Hi-X25BT zwar nicht. Und Interessanterweise klingt die Stimme sogar ganz gut und meines Erachtens sogar besser als bei den Momentum 3. Dafür gibt es aber ein wahrnehmbares permanentes Surren, was die gute Qualität bei der Stimme wieder relativiert.

Auch Rauschen bei Betrieb mit Kabel

Wie schon in meinen Ersteindrücken angemerkt, gibt es beim Betrieb mit Kabel im rechten Ohrhörer ein leises, aber permanentes Grundrauschen. Hört man nicht mehr, sobald Musik spielt (auch leise Musik), aber sowas sollte einfach nicht passieren, egal in welcher Preisklasse.

Wahrnehmbarer Soundbleed

Die Hi-X25BT sind geschlossene Kopfhörer – Außengeräusche sollten somit so gut wie nicht nach innen dringen. Heißt aber nicht, dass der Sound nicht nach außen dringt. Das tut er auch bei den Hi-X25BT – und sogar eine Spur mehr als z.B. bei den Aonic 50. Im Großraumbüro kann man damit bei adequater Lautstärke schon die ganze Tischinsel beschallen.

Die Sache mit dem Preis

Jetzt sind die Hi-X25BT eher in der unteren Preisregion angesiedelt. Ja, die UVP hat sich seit meinen Ersteindrücken und vermutlich wegen der Chipkrise von 149 auf 179 Euro erhöht. Bei Thomann und bei Händlern auf Geizhals sind sie aber noch immer um 149 Euro zu haben.

Daher kann man manche Abstriche in der Ausstattung wohl in Kauf nehmen. Und beim Klang ist halt die Frage, ob man den so haben will oder nicht. Wenn ich aber sehe, dass die Shure Aonic 40 laut Preisentwicklung auf Geizhals manchmal ums selbe Geld (150 Euro) zu haben sind, klanglich (vermutlich) den exzellenten Aonic 50 ähneln und (abgesehen von aptX Adaptive) das volle Bluetooth-Programm INKLUSIVE ANC bieten, dann haben die Hi-X25BT eher schlechte Karten, so ehrlich muss man sein. Denn ja, die Hi-X25BT bieten auch kein ANC – lasse ich jetzt nicht negativ in den Test einfließen, will aber erwähnen, dass das andere in derselben Preisklasse eben mit an Bord haben.

Der Österreich-Faktor

Etwas, das zwar klanglich nichts zur Sache tut, mir aber bei den Hi-X25BT besonders taugt: Es sind Kopfhörer aus Österreich! Gut, »engineered in Austria«, im Gegensatz zu Austrian Audios teureren Modellen aber »made in China«. Jedenfalls gibt es im Standard ein interessantes Interview mit Geschäftsführer Martin Seidl. Dazu muss man allerdings sagen, dass der Standard sich eine Passage für den Titel herausgesucht hat, die provozierend verknappt wurde. Denn Seidl hackt hier nicht auf MP3 an sich herum, sondern meint, wie im Text zu lesen, dass er es gut findet, dass Apple das Bewusstsein für besseren Klang und somit die Ohren der frühen MP3-Generation schärft.

Natürlich entbehrt es aber nicht einer gewissen Ironie, klanglich einerseits MP3 zu kritisieren und dann Bluetooth-Kopfhörer herauszubringen, die nur SBC unterstützen. 😉

Denn, man sollte nicht vergessen, dass Technologien wie MP3 und (noch nicht ganz so lang) Bluetooth, so schlecht sie in ihren Anfangstagen auch gewesen sein mögen, ja zwei der Hauptgründe sind, warum der Consumer-Audio-Markt so explodiert ist.

Machen Lust auf mehr

Klingt gut bei Filmen, ist bei Musik recht brav, sieht gut aus, hat Schwächen bei Bluetooth – wie soll hier nur ein Gesamtfazit ausfallen? Nun, ich versuch’s mal so: Der Hi-X25BT macht bei Austrian Audio jedenfalls Lust auf mehr!

Wer aber einen Blick in die High Range des heimischen Herstellers in Wien Liesing wirft, stellt fest, dass der Hi-X25BT aktuell der einzige (!) bluetoothfähige Kopfhörer ist. Und das seit seinem Erscheinen Mitte letzten Jahres. Ich hoffe, dass da bald vielleicht ein 50er, 60er oder gar 70er mit Bluetooth kommt, denn so ein Upgrade würde ich dann vielleicht in Betracht ziehen.

Fazit

Die Hi-X25BT sind für den Preis wohl (sehr) gute analytische Kopfhörer, aber das bedeutet eben nicht automatisch, dass sie für alle Einsatzzwecke (wie z.B. zum Spaß Musikhören) empfehlenswert sind.

★★★½☆

Hinweis: Dies ist ein unabhängiger, nicht kommerziell ausgerichteter Testbericht basierend auf meinen Erfahrungen. Ich habe das getestete Produkt selbst bezahlt, mir stand weder ein Testmodell oder eine Leihgabe zur Verfügung, noch enthält dieser Artikel Affiliate-Links. Ich stehe zudem in keinerlei Beziehung zum Hersteller und/oder Händler. Mehr zur nicht-kommerziellen Ausrichtung von benedikt.io gibt’s unter Über.


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